neustadt-glewe : Nächste Geschichte im Computer

Bewahrer der niederdeutschen Sprache, Heinz Kägebein, wird am Donnerstag die Ehrenbürgerschaft von Neustadt-Glewe verliehen

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10. März 2014, 07:00 Uhr

„Wenn das mein Frau sieht...“ entschuldigt sich Heinz Kägebein und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Es ist doch noch gar nicht richtig aufgeräumt auf dem Schreibtisch.“ Heinz Kägebein sitzt an diesem frühen Vormittag in seinem Arbeitszimmer und arbeitet am Computer. Er schreibt gerade eine weitere seiner beliebten niederdeutschen Geschichten, für die er nicht nur in Neustadt-Glewe bekannt ist.

In dieser Woche hat der pensionierte Berufsschullehrer gleich zweimal Grund zu feiern. Am morgigen Dienstag begeht er seinen 90. Geburtstag. Zwei Tage später wird ihm auf der Stadtvertretersitzung die Ehrenbürgerschaft der Stadt Neustadt-Glewe verliehen werden.

Seit rund 50 Jahren gestaltet Kägebein, dem man sein hohes Alter nicht ansieht, das kulturelle Leben Neustadt-Glewes maßgeblich mit. In Spornitz geboren, kam er 1936 nach Neustadt-Glewe und begann 1938 in Hamburg eine Lehre als Flugmotorenschlosser. Krieg und britische Gefangenschaft folgten. Schon in dieser Zeit, damals etwas über 20 Jahre alt, konnte er offenbar spannend erzählen, die Menschen begeistern. „In der Gefangenschaft kam einmal ein Kamerad zu mir und fragte, ob ich für ihn und die anderen Mitgefangenen Gedichte lesen könnte“, erinnert sich Kägebein. Er tat es. Und rückblickend auf die folgenden Jahrzehnte sagt Heinz Kägebein: „Ich habe mich nie aufgedrängt, aber wenn ich etwas versprochen habe, dann habe ich es auch gehalten.“

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1947 arbeitete Heinz Kägebein daheim als Schlosser, wurde dann Berufsschullehrer. Als solcher beendete er seine berufliche Laufbahn 1989 an der damaligen Berufsschule in der Ludwigsluster Friedrich-Naumann-Allee.

Bereits 1965 war Heinz Kägebein wieder nach Neustadt-Glewe gezogen. Hier arbeitete er im Kulturbund, gehörte nach der Wende zu den Mitbegründern des „Kultur- und Heimatvereins Neustadt-Glewe e. V.“

„Kulturarbeit war irgendwie immer mein Metier“, erzählt der noch 89-Jährige. Besonders hat es ihm die Bewahrung der niederdeutschen Sprache, das Plattdeutsche, angetan. „Schließlich bin ich in Spornitz mit plattdeutsch aufgewachsen“, lacht Kägebein. Viele Beiträge sind von ihm, auch in der SVZ, in niederdeutscher Sprache erschienen. In mehreren Heften veröffentlichte er Geschichten und Gedichte, weitere Geschichten sind schon „im Computer“, wie er sagt. „Es kommt mir darauf an, kleine Begebenheiten aus dem Leben festzuhalten“, sagt Heinz Kägebein. Im Heimat- und Kulturverein ist er Programmgestalter für die beliebten plattdeutschen Nachmittage einmal im Monat. „Ich suche aus Büchern Kurzgeschichten oder Gedichte heraus, die vorgelesen werden. Wenn die Zuhörer dann zum Lachen gebracht werden, weiß ich, dass das Richtige ausgewählt wurde“, sagt Heinz Kägebein. Das schließe aber nicht aus, dass nicht auch ernstere Sachen ins Programm genommen würden. Aber auch hier solle das Positive mitgenommen werden. „Sehr wichtig ist, dass sich auch der jeweils Vorlesende mit der Geschichte identifiziert.“

Auf keinen Fall will Heinz Kägebein als Einzelgänger gesehen werden. „Allein wäre ich gar nichts“, sagt er mit ernster Stimme. „Ich habe zeitlebens immer ein Team um mich gehabt, das mich unterstützt hat. Meine Kulturarbeit ist die Arbeit von vielen, die in die gleiche Richtung denken.“

Heinz Kägebein, der sich besonders für die Erhaltung der niederdeutschen Mundart einsetzt, betont aber auch, dass der Heimat- und Kulturverein kein ausschließlich plattdeutscher Verein sei. Auch die Bewahrung des kulturellen Erbes und die Traditionspflege sei für ihn sehr wichtig.

Was bewegt Kägebein, sich auch im hohen Alter so zu engagieren? „Im Alter kommt schon etwas Trägheit auf“, gesteht er. „Aber wenn dann andere Leute sagen, ich solle doch weiter machen, dann möchte ich sie nicht enttäuschen. In gewissem Grad fühle ich mich dann dazu verpflichtet. Und schließlich lebe ich für die Kultur. Sie regt mich an und hilft, jung zu bleiben.“ Über das, was Ehefrau Ingeborg zu seinem Engagement sagt, meint Heinz Kägebein lachend: „Ich bin natürlich desöfteren nicht zu Hause. Aber meine Frau ist diese Art Kummer gewohnt. Sie weiß, dass ich meine Freude an der Arbeit habe.“

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