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Grabow : Nach SVZ-Artikel klärt sich Geschichte eines Grabes auf

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Sterbliche Überreste des Flüchtlings August Knoke werden nun auf einen Friedhof in der Nähe umgebettet

„Wer weiß etwas über den Tod des August Knoke?“ Das fragte SVZ in der Ausgabe vom 3. Januar. Der Name steht auf einem Grabkreuz direkt an der Autobahnbaustelle nahe der B 5 zwischen Grabow und Ludwigslust. Das Grab soll umgebettet werden. Inzwischen ist mehr über den Verstorbenen bekannt. SVZ-Redakteur Uwe Köhnke sprach darüber mit dem Grabower Bürgermeister Stefan Sternberg.

Wer war August Knoke?

Stefan Sternberg: August Knoke kam eigentlich aus Berlin und war dort Ministerialrat. Das wissen wir inzwischen anhand der Sterbeurkunde. Nach den Bombenangriffen ist die Familie mit den zwei Kindern aus der Stadt geflohen. Wir wissen nicht, in welcher beruflichen Position August Knoke war.

Warum hat er sein Grab am ehemaligen Chausseehaus zwischen Grabow und Ludwigslust gefunden?

Er ist innerhalb eines Flüchtlingstrecks hier auf der Rast gewesen und eines natürlichen Todes gestorben. Woran genau, ist nicht verzeichnet, aber die Familie sagt: Entweder Herzinfarkt oder Lungenentzündung. Es war eine wirre Zeit damals, und so haben die Männer jener Familie, die dort im Chausseehaus wohnte, den Verstorbenen auf der anderen Seite der Straße begraben.

Wie haben Sie das jetzt alles erfahren?

In dem Chausseehaus haben zwei Familien gelebt. Eine Angehörige aus der einen Familie, Frau Ryll, hat sich auf den Zeitungsaufruf hin bei uns in der Stadt gemeldet. Sie hat uns die Geschichte erzählt, und es war ihr so wichtig, dass sie gleich am ersten Arbeitstag des neuen Jahres als erste Bürgerin ins Rathaus gekommen ist. Sie hat auch berichtet, dass ihr Vater das schmiedeeiserne Kreuz und die Grabumrandung gebaut hat. Wir hatten sehr große Resonanz zum Schicksal des August Knoke. Ich danke allen, die zur Aufklärung der Ereignisse beigetragen haben. Besonders auch Sylvia Wegener von der Stadt Ludwigslust, die uns ihre Informationen, die sie bereits zusammengetragen hat, zur Verfügung stellte. So sind wir an die originale Sterbeurkunde gekommen und haben auch festgestellt, dass sie erst wesentlich später ausgestellt worden ist.

Gibt es noch Familienangehörige des Verstorbenen?

Wir konnten aufgrund der Hinweise den Namen seiner Tochter herausbekommen. Es ist Grete Rohrmoser, die in Burgwedel leben sollte. Daraufhin habe ich mich mit der zuständigen Behörde in Verbindung gesetzt und erfahren, dass Frau Rohrmoser leider bereits 2008 verstorben ist. Sie hat aber noch eine Tochter, Frau Haase, mit der ich gesprochen habe. Sie wusste auch von dem Grab ihres Opas, und dass die Eltern der Frau Ryll es gepflegt haben. Aus Erzählungen hat sie in Erinnerung, dass ihr Großvater ein lieber Mensch gewesen sein soll.

Was wird nun weiter mit dem Grab geschehen?

Wir haben den Namen an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge weitergeleitet, denn es muss in der Tat etwas geschehen. Im Moment sieht die Grabstelle respektlos aus, es sind Bauzäune drum herum gestellt. Einer Umbettung steht nichts mehr im Wege. Und Frau Haase hat den Wunsch geäußert, da mit eingebunden zu werden.

Wohin könnten die sterblichen Überreste umgebettet werden?

Das ist eine Sache, die mit der Kriegsgräberfürsorge besprochen werden muss, ob auf dem Grabower oder auf dem Ludwigsluster Friedhof. Das ist noch nicht erfolgt und deshalb kann ich zum Zeitpunkt auch noch nichts sagen.

Vielen Dank für das Gespräch!
 

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erstellt am 20.Jan.2014 | 21:45 Uhr

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