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Ludwigsluster Tageblatt

24. September 2017 | 21:35 Uhr

Ludwigslust : Nach Messer-Vorfall

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

59-jähriger Helfer in Techentiner Straße würde immer wieder so handeln

von
erstellt am 20.Mai.2014 | 07:00 Uhr

Dieser Augenblick wird Johannes Stern* nicht so schnell loslassen. Die angsterfüllte Stimme des Kindes. Das Messer in der Hand des Mannes neben ihm. Als Johannes Stern am Freitag auf dem Weg zur Spätschicht ist, glaubt er erst an eine harmlose Auseinandersetzung unter Jugendlichen. Er ist schon an den beiden Menschen in der Techentiner Straße vorbei. Da hört er die Stimme des Jungen. „Helfen Sie mir“, ruft das Kind Johannes Stern hinterher. Der dreht sich um, sieht das Messer in der Hand des Mannes neben dem Jungen und denkt: Du musst helfen. Jetzt. Sofort.

„Ich habe den Ernst der Lage erst gar nicht erkannt“, erzählt Stern gestern im Gespräch mit SVZ. „Aber die Angst in der Stimme des Jungen hat mich aufgerüttelt.“ Der Schüler war auf dem Nachhauseweg von dem Fremden bedrängt worden, sein Fahrrad herauszugeben. Dabei zog er ein Messer und redete auf das Kind ein (SVZ berichtete).

Stern, der zufällig am selben Ort ist, redet mit dem Mann, bittet ihn, das Kind gehen zu lassen. „Ich wollte möglichst ruhig und beiläufig klingen“, sagt Stern. „Dabei gingen mir tausend Sachen durch den Kopf. Bloß keine falsche Bewegung, kein falsches Wort. Was, wenn er mit dem Messer ausholt?“

Das Kind setzt sich schnell auf sein Rad und fährt davon. Auch Stern fährt weiter Richtung Sporthalle. Doch der Fremde kommt zurück, stellt sich ihm mit dem Messer in den Weg. „Nicht kämpfen, wenn du noch irgendwie anders aus der Situation rauskommst“, denkt Stern, hebt den Arm, zeigt mit dem Finger auf den Mann und sagt mit lauter fester Stimme: „Du machst mir keine Angst“. Daraufhin zieht sich der Mann zurück und Stern informiert die Polizei.

„Der Zeuge hat alles richtig gemacht“, sagt Klaus Wiechmann von der Ludwigsluster Polizeiinspektion. Der Hauptkommissar hat großen Respekt vor dem Zeugen. „Der Mann hat dem Kind beigestanden, obwohl die Situation für ihn selbst nicht ungefährlich war“, sagt er. Zu dieser Reaktion gehöre eine Menge Zivilcourage. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können.“ Dennoch könne Wiechmann keine Generalempfehlung für derartige gefährliche Situationen geben. „Man muss die Lage in diesem Moment für sich erfassen und genau die richtige Dosis erwischen“, so Wiechmann.

Johannes Stern würde immer wieder so handeln. Selbst Vater von fünf Kindern sagt der 59-Jährige: „Wenn Kinder im Spiel sind, muss man einfach helfen. Egal, wie bedrohlich die Situation ist.

*Name der Redaktion bekannt

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