Nach der Buga das große Loch?

Rund 750 000 Besucher haben die Bundesgartenschau rund um das Schweriner Schloss bereits gesehen, 1,8 Millionen sollen es werden. Doch nutze die Stadt diesen Ansturm zu wenig, um Besucher über 2009 hinaus für Schwerin zu interessieren, klagen Touristiker. So werde etwa das 2010 anstehende 850. Stadtjubiläum schlecht vorbereitet.

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06. August 2009, 12:08 Uhr

Schwerin | Über mangelnde Nachfrage könne er sich derzeit nicht beklagen, sagt Matthias Theiner. Doch der Altstadt-Gastronom fürchtet, dass der Ansturm nach Ende der Bundesgartenschau rapide abebben wird: "Wenn ich von Gästen gefragt werde, was sie 2010 in Schwerin erleben können, kann ich ihnen nur wenig an die Hand geben."

Verantwortlich dafür macht Theiner vor allem die Stadt: "Obwohl immer die Rede davon war, dass mit der Buga langfristige touristische Effekte erzielt werden sollen, hat die Verwaltung noch keinen detaillierten Plan für die Feierlichkeiten zum 850. Stadtjubiläum in 2010 vorgelegt." Auch findet Theiner die Planungen wenig attraktiv: "Ein Festwochenende im Juni, ergänzt durch ohnehin stattfindende und über das Jahr verstreute Veranstaltungen wie Winzer- oder Altstadtfest - das genügt nicht."

Sorgen, die auch Valentin Resetarits, Chef des "Crowne Plaza" und Vorsitzender der Erfa-Gruppe, der zehn Schweriner Hotels angehören, umtreiben. Das Marketing für das Stadtjubiläum lasse zu wünschen übrig: "Eine Sogwirkung ist nicht zu erkennen, was auch an den Vorbuchungen für 2010 ablesbar ist", sagt der Hotelier.

50 000 Flyer und Aufkleber bereits verteilt Klaus Banner, Manager des Schlosspark-Centers, beklagt mangelnden Kooperationswillen. "Die Verwaltung hat versäumt, frühzeitig Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und Sport an einen Tisch zu holen, um alle Potenziale für das Jubiläum auszuschöpfen." Die Stadt reagiere auf Vorschläge nicht einmal, so Banner. So sei seine Offerte, das Schloss mit Märchenfiguren zu schmücken, noch unbeantwortet. Banner: "Wir laufen Gefahr, dass der Buga-Boom verpufft."

Kritik kommt auch aus der Politik. André Harder von der SPD-Stadtfraktion versteht nicht, "warum nicht jedes Busunternehmen, das die Buga ansteuert, mit Jubiläums-Flyern ausgestattet die Heimfahrt antritt." Silvio Horn, Chef der Stadtfraktion der Unabhängigen Bürger, stellt die Besetzung des Fest beirates in Frage, "weil dort fast nur hochrangige Repräsentanten von Politik und Verwaltung sitzen, aber keine Veranstaltungs- oder Marketingprofis."

Die Stadt reagiert überrascht. "Als wir der Erfa-Gruppe das Konzept zum Stadtjubiläum vorgelegt haben, erhielten wir keine Hinweise", sagt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. Dennoch nehme sie die Kritik ernst und werde Gespräche aufnehmen. Die Stadt verweist zudem auf 50 000 Flyer und 7000 Aufkleber zum Stadtjubiläum, die zum Buga-Beginn an Hotels, Stadtmarketing, Kultureinrichtungen, Zoo, Schlosspark-Center und Buga-Gesellschaft verteilt worden seien. Zudem würden am Schloss-Anleger zwei große Banner auf 2010 aufmerksam machen. Erste Anzeigen in Zeitungen seien bereits geschaltet worden, noch in diesem Jahr werde das Thema auf Messen präsentiert.

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