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Wöbbelin : Nach der Befreiung in Ludwigslust gestorben

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Delegation aus Wöbbelin traf im holländischen Putten Sohn eines KZ-Opfers

von
erstellt am 09.Okt.2014 | 12:00 Uhr

„Meinen Vater habe ich nicht kennen gelernt“, sagt Rien Gaasbeek traurig. Er gehörte zu den 540 Männern, die am 2. Oktober 1944 aus einem holländischen Dorf verschleppt wurden und nie zurückkehrten.

Was war geschehen? In der Nacht des 30. September 1944 hatten holländische Widerstandskämpfer einen Anschlag auf ein deutsches Wehrmachtfahrzeug verübt. Zwei der vier Insassen wurden schwer verletzt. Ein Offizier verstarb an seiner Verletzung. Am folgenden Tag durchkämmten deutsche Patrouillen auf der Suche nach den Attentätern die Dörfer Putten und Nijkerk. Frauen und Kinder wurden in die Kirche von Putten getrieben, die Männer verhaftet. Einige Einwohner starben bei Fluchtversuchen. Frauen und Kinder kamen am Abend wieder frei und erhielten den Befehl, Putten innerhalb von zwei Stunden zu räumen. Deutsche Truppen und holländische SS legten Feuer im Dorfkern. Die Männer wurden weggebracht und kamen am 2. Oktober in das Durchgangslager Amersfoort. Mitte Oktober wurden sie nach Deutschland in das KZ Neuengamme verschleppt. Ihrer Persönlichkeit beraubt und auf eine Nummer reduziert wurden sie wenige Tage später in verschiedene Außenlager des KZ transportiert.

Meist über das Lager Helmstedt-Beendorf kamen Holländer auch ins Außenlager in Wöbbelin. Darunter befanden sich Razzia-Opfer aus Putten. Mehr als 200 holländische Männer verloren ihr Leben. Auch Riens Vater, Cornelis Jan Gaasbeek, gehörte dazu. Er verstarb fünf Tage nach der Befreiung im Krankenhaus Ludwigslust.

Die Familie, die Mutter mit vier Kindern, hatte nach dem Krieg von zurückgekehrten Häftlingen die Nachricht bekommen: Cornelis lebt. Doch im August 1945, so erzählte Rien Gaasbeek den Mitgliedern des Fördervereins Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, kam dann der Schock. Die Zeitung „Puttensch Nieuwsblad“ veröffentlichte die Namen der Razzia-Opfer, auch den des Familienvaters Gaasbeek. Als er starb, war er 32 Jahre jung.

Nach dem Krieg wurde in der Familie kaum über die Ereignisse gesprochen. Zu groß war der Schmerz. Welchen Weg Cornelis Jan Gaasbeek nach seiner Verhaftung durchlitt, erfuhr der Sohn erst vor wenigen Jahren. Seine Tochter Elma, die in Berlin studierte, ergriff die Initiative und drängte die Eltern, Kontakt zu einem Mithäftling aufzunehmen. 2001 reiste die Familie Gaasbeek zum ersten Mal nach Wöbbelin. Am 2. Mai 2015 wird sie wieder 560 Kilometer weit fahren, um in Wöbbelin ihres Vaters und Großvaters zu gedenken.

Am 2. Oktober 2014 wurde in Putten in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Dr. Mark Rutte und des Puttener Bürgermeisters Henk Lambooij in eindrucksvoller Weise der Ereignisse von 1944 gedacht. Mehr als 1500 Menschen, Kinder der Opfer, Bürger und Vertreter anderer Gedenkstätten nahmen daran teil. Unter ihnen die angereisten Mitglieder des Fördervereins Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.

1947 hatte die niederländische Königin Juliana im zerstörten Ortskern von Putten eine Gedenkstätte für die Opfer der Razzia eingeweiht. Die Statue einer Mutter in Trauertracht steht im Mittelpunkt. Sie schaut mit gesenktem Blick auf den Gedächtnishof. Buchsbaumsträucher zwischen weißen Kieseln bilden jeweils ein Quadrat für jedes Opfer.

Im Anschluss an das Gedenken bot sich den Wöbbelinern die Gelegenheit zum Gespräch mit dem jüngsten Sohn von Cornelis Jan Gaasbeek. Außerdem besuchten sie die Puttener Gedächtnishalle und das Durchgangslager Amersfoort.






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