zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

26. September 2017 | 16:48 Uhr

Ludwigslust : Nach Anruf kommt der Bus

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Busbetrieb des Landkreises führt das System der bestellbaren Fahrten im Dezember 2017 in der Ludwigsluster Region ein

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 07:53 Uhr

Am Sonntagnachmittag mit dem Bus von Balow nach Grabow fahren? Bislang reinste Utopie. Auch sonnabends und an vielen Ferientagen sieht es nicht besser aus. Doch das wird sich bald ändern. Ab 11. Dezember dieses Jahres kommt der Rufbus auch in die Ludwigsluster Region zwischen Dömitz, Grabow und Neustadt-Glewe. Und mit ihm das Angebot, an 365 Tagen im Jahr tagsüber alle zwei Stunden auch aus dem Dorf abgeholt zu werden.

„In einigen Regionen gibt es in den Ferien, an Wochenenden und Feiertagen bisher quasi keinen Öffentlichen Personennahverkehr. Wer den Bus am Dienstag verpasst hat, muss zwei bis drei Tage auf den nächsten warten“, machte Stefan Lösel, Geschäftsführer des kreislichen Busbetriebes VLP, die Kluft zwischen gesetzlichen Vorgaben und der Wirklichkeit deutlich. Beim Forum des SPD-Kreisverbandes in der Ludwigsluster Sparkassen-Geschäftsstelle stellte er Details der Rufbus-Planung für die hiesige Region vor. Das Interesse der Bürger hielt sich jedoch in Grenzen. Allenfalls ein Viertel der Plätze war besetzt und das mehrheitlich von SPD-Mitgliedern.

Doch interessant dürfte der Rufbus vor allem für die Menschen im ländlichen Raum sein. „Ziel ist es, eine vollwertige Alternative zum motorisierten Individualverkehr zu bieten“, sagte SPD-Kreisvorsitzender Pascal Winkler.

Und so funktioniert das Rufbus-System:  Die Ludwigsluster Region ist in sechs Rufbuszonen eingeteilt worden.  Für jede Zone gibt es einen Fahrplan mit den möglichen Fahrten im Zwei-Stunden-Takt. „Sie führen zum jeweils nächstgelegenen Umstiegspunkt in ein übergeordnetes Verkehrsmittel“, erklärte Stefan Lösel. „Dabei sorgen wir dafür, dass die Fahrgäste den betreffenden Bus oder Zug tatsächlich erreichen bzw. von diesem abgeholt werden.“ Aber: Die Fahrten aus dem Rufbus-Fahrplan finden nur statt, wenn mindestens ein Kunde sie bestellt hat. Das muss wenigstens zwei Stunden zuvor geschehen sein. „Aber der Aufwand für diesen Anruf wird durch die Möglichkeit, jeden Tag mit dem Bus fahren zu können, bei Weitem aufgehoben“, ist Stefan Lösel überzeugt. Die meisten Rufbus-Fahrten würden mithilfe örtlicher Taxi-Unternehmen realisiert werden. Zudem hat die VLP Sonderfahrzeuge angeschafft, mit denen auch Rollstuhlfahrer und normale Fahrräder transportiert werden können. „Und wenn eine Schulklasse oder ein Sportverein anruft, nehmen wir eben einen Bus“, so Lösel. Für den Rufbus-Service muss pro Fahrt und Person ein Serviceentgelt von einem Euro bezahlt werden – zusätzlich zum üblichen Fahrpreis.

In der Region Parchim-Plau am See, wo der Rufbus vor einem Jahr als Modellprojekt eingeführt worden war, lässt sich der Aufwand dafür derzeit allein durch Diesel-Einsparungen im konventionellen Linienverkehr finanzieren. Statt früher 150 000 Kilometer im normalen Linienverkehr, werden in der Region pro Jahr nun 1,5 Fahrplankilometer angeboten. „Abgerufen wurden davon aber nur rund 50000 Kilometer“, erklärte der VLP-Geschäftsführer den Spareffekt.

 Die Gäste im Saal hatte er offenbar überzeugt. „Der Rufbus ist sinnvoll zur Stärkung der Kommunen im ländlichen Raum“, lobte Rastows Bürgermeister Ralf Egbert Scharlaug. IT-Beraterin Nina Gerling erklärte im SVZ-Gespräch, dass es für ihre Kunden immer schwierig sei, zu ihr nach Zarrentin zu gelangen. „Das wird mit dem Rufbus besser. Ein Zwei-Stunden-Takt reicht auch, man kann die Termine ja entsprechend legen.“

Stefan Lösel kann sich sogar vorstellen, das Angebot perspektivisch auf die Nacht auszudehnen. „Den Sonntag bieten wir ja auch an, obwohl es an diesem Tag kaum Fahrgäste gibt. Warum auch nicht? Denn wenn der Rufbus nicht fährt, kostet er auch nichts.“ Doch zunächst muss das System ab 11. Dezember 2017 im Tages-Verkehr seine Bewährungsprobe bestehen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen