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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 21:45 Uhr

Ludwigslust : Mutterfreuden auf Zeit

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Änne Lüth nimmt gemeinsam mit ihrem Mann Volker seit vier Jahren Pflegekinder auf / Der Abschied fällt immer wieder schwer

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2014 | 07:00 Uhr

Ganz leise geht die Tür auf und ein brauner Haarschopf schiebt sich vorsichtig durch den Spalt. „Da bist du ja schon. Komm setz’ dich zu uns, Josi*“, sagt Änne Lüth und rückt einen Stuhl heran. Es ist 14.30 Uhr, Zeit für die Hausaufgaben. „Nach der Schule geht Josi immer erst einmal in ihr Zimmer, ruht sich aus oder liest ein bisschen. Um 14.30 Uhr hole ich sie dann“, erzählt Änne Lüth. „Eine feste Tagesstruktur ist für die Kinder ganz wichtig.“ Änne Lüth ist Pflegemutter und die achtjährige Josi eines ihrer zwei Pflegekinder.

Seit vier Jahren sind Änne Lüth und ihr Mann Volker Pflegeeltern. Als sie an der Förderschule, der Schule ihres jüngsten Sohnes – erlebten, in welch’ schwierigen familiären Verhältnissen viele der Mädchen und Jungen aufwachsen, reifte der Entschluss, etwas für benachteiligte Kinder tun zu wollen. „Wir waren schon immer sozial engagiert“, sagt Änne Lüth. „Liegt an unserem christlichen Glauben.“ Als dann über die Zeitung nach Pflegeeltern gesucht wurde, meldete sich das Ehepaar beim Jugendamt. „Wir haben viel Infomaterial mitgenommen, das dann aber sechs Jahre lang im Schreibtisch ruhte“, erinnert sich die 46-Jährige. „Wir hatten Bedenken, ob wir unseren eigenen Kindern gerecht werden, wenn wir Pflegekinder aufnehmen.“ Als der Jüngste unter den vier Kindern zwölf Jahre alt war, fiel dann endgültig die Entscheidung. „Wir haben mehrere Seminare besucht, und dann ging alles ganz schnell“, so Änne Lüth.

Es war ein Freitagnachmittag, als das erste Pflegekind – begleitet von einer Mitarbeiterin des Jugendamtes – vor der Tür stand. Lara* war damals knapp drei Jahre alt. „Sie war das Beste, was uns zum Start als Pflegeeltern hätte passieren können“, sagt die examinierte Krankenschwester. „Sie war ein fröhliches und offenes Kind, hat zu meinen Schwiegereltern, die mit im Haus leben, gleich Oma und Opa gesagt.“ Es war Laras dritter Geburtstag, als das Mädchen zu seinen leiblichen Eltern zurückkehren sollte. „Als ich die Kleine in der Kita abgab, sangen die Kinder für sie ,Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst’. Da war es bei mir vorbei“, erinnert sich Änne Lüth und schluckt. „Wir hatten ja schon eine enge Bindung zu ihr aufgebaut. Da war es schon schwierig, sie wegzugeben.“ Inzwischen lebt Lara wieder bei den Lüths – zusammen mit Josi und den beiden großen „Brüdern“. „Die Mädchen sind fester Bestandteil der Familie. Und wie in einer Familie lachen die Geschwister mal zusammen und mal nerven sie sich“, sagt die Pflegemutter. In der kommenden Woche fahren alle zusammen in den Urlaub an die Nordsee. Dann ist auch Ole* mit dabei, ein ehemaliges Pflegekind, das – mit Einverständnis seiner Eltern – regelmäßig die Lüths besucht.

Hausarbeit, Hausaufgaben, Arztbesuche, Ergotherapie, Logopädie – die Arbeit als Pflegemutter sei schon anstrengend. „Aber man erlebt auch so viel Schönes und Lustiges“, betont Änne Lüth. Sechs Pflegekinder hat sie bislang aufgenommen, darunter auch ein dreimonatiges Baby. „Da mussten wir nachts plötzlich wieder aufstehen und die Flasche geben“, so die 46-Jährige. Als die leiblichen Eltern das Mädchen nach knapp vier Monaten wieder abholen konnten, bedankten sie sich mit Blumen und einem Präsentkorb bei Änne Lüth. „Das hat mich gerührt. Diese Eltern wurden wachgerüttelt, und dann hat sich auch unsere Arbeit gelohnt.“


 

*Name von der Redaktion geändert

 

 

 

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