Ludwigslust : Musik aus dem Gartenschlauch

Herbert Knötel bläst in sein Gartenschlauch-Instrument. Auf dem Tisch ist eine kleine Auswahl seiner Sammlung zu sehen. Fotos: andreas münchow
Herbert Knötel bläst in sein Gartenschlauch-Instrument. Auf dem Tisch ist eine kleine Auswahl seiner Sammlung zu sehen. Fotos: andreas münchow

Jagdhornbläser Herbert Knötel aus Ludwigslust sammelt Blechblasinstrumente und trat gerade auf Festival in Polen auf

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24. Juli 2014, 07:00 Uhr

Was braucht man, um ein Blasinstrument zu bauen? Ganz einfach: einen Gartenschlauch, einen Küchentrichter, etwas Klebeband und das Mundstück einer Trompete. So ein Ding hat sich Herbert Knötel zuletzt zusammengebastelt. Und ist damit sogar aufgetreten.

Allerdings nicht beim 30. Internationalen Jäger- und Turmmusikfestival im polnischen Tuchola, an dem Herbert Knötel dieser Tage teilnahm. 220 Bläser aus Deutschland, Polen, der Slowakei, Ungarn und Weißrussland waren dabei. „Leider konnte ich auf meinem Ventiljagdhorn dieses Mal keinen vorderen Platz erringen“, bedauert der Ludwigsluster. „Aber dabeigewesen zu sein, ist schön.“

Doch der begeisterte Jagdhornbläser (Jagd- und Parforcehornbläsergruppe „Hubertus“ Ludwigslust) spielt nicht nur. Er ist ein ebenso fleißiger Sammler von Blechblasinstrumenten. Mehr als ein Dutzend hat er inzwischen zusammen. Zu den ältesten gehört ein Posthorn der K. u. K. Poststellhalterei Brünn aus dem Jahre 1866. Etwa ebenso alt ist das Tenorhorn Potsdamer Bauart. „Dieses Tenorhorn hat einen schönen warmen Klang“, schwärmt Herbert Knötel.

Überhaupt mag der 74-Jährige Instrumente, auf denen man nicht nur einfach so blasen, sondern auch Melodien spielen kann. So kommen aus Jagdhörnern oft nur die sogenannten Naturtöne (z. . „c 1“) heraus. „Beim Ventiljagdhorn dagegen kann ich auch Melodien erklingen lassen. Es hat den Tonumfang einer Trompete“, erklärt Knötel. „Wobei die Töne beim Ventilhorn angenehm weich klingen, bei der Trompete dagegen eher laut, schrill und schmetternd.“ Besonders wertvoll für den Ludwigsluster ist das russische Althorn. „Ich habe es einst bei einem Bekannten entdeckt und wollte es unbedingt haben. Schließlich konnte ich es gegen eine Trompete eintauschen“, freut sich Herbert Knötel noch heute. Übrigens stammt das Russen-Althorn aus Beständen der früheren sowjetischen Garnison in Ludwigslust. Beim Abzug ließen es wohl Militärmusiker zurück.

Die ältesten Instrumente, das wertvollste Horn, das kurioseste Blasgerät (Gartenschlauch) – damit ist es bei Herbert Knötel noch nicht getan. Ein Taschenhorn ist das kleinste Instrument, das er besitzt. Es ist gerade mal etwa 20 Zentimeter lang. „Der Jäger trägt es in der Tasche, wie der Name schon sagt. So hat er es immer dabei und kann die erlegte Sau verblasen. Ich selbst blase darauf bei Begrüßungen“, schmunzelt Knötel, der übrigens kein Jäger ist.

Dafür tritt er bei Veranstaltungen auf, zum Beispiel der Gruppe „Hubertus“. Seit einigen Jahren aber gestalten Herbert und Ehefrau Renate als Duo Knötel auch Unterhaltungsprogramme. Da werden zum Beispiel Stimmungs- ebenso wie Volks- oder Jagdlieder gespielt. Und Ehefrau Renate steuert dann auch schon mal etwas Jägerlatein bei.

Als Geburtsstunde des Duos gilt ein Tag im Jahre 2008. „Ich lag nach einer OP im Krankenhaus, war bereits in der Reha und fragte den Professor, ob ich nicht einen Vortrag nach dem Motto ,von Patienten für Patienten’ halten könne“, erinnert sich Herbert Knötel. Gesagt getan: Schon kurz darauf gab es den Vortrag mit dem Titel „Jagdliche und volkstümliche Musik“. Gattin Renate kam dazu – und schon war das „Duo Knötel “ geboren.

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