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Ludwigsluster Tageblatt

12. Dezember 2017 | 05:40 Uhr

Ludwigslust : Müllfrust im Parkviertel

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Berge von gelben Säcken und unangemeldeter Sperrmüll verschandeln oft das Wohngebiet. Vermieter und Stadt suchen nach Lösungen

von
erstellt am 06.Dez.2017 | 12:00 Uhr

Wenn Bärbel K.* aus ihrem Fenster schaut, ist sie entsetzt. „Man bekommt zunehmend den Eindruck, auf einer Mülldeponie zu wohnen“, sagt die Bewohnerin des Parkviertels. Die gelben Container sind übervoll, davor liegen weitere gelbe Säcke, einige sind schon aufgerissen. „Das lockt Ungeziefer an, sogar ein Fuchs ist im Wohngebiet schon gesehen worden“, so Bärbel K.. „Es ist grauenvoll. Da muss doch mal etwas passieren.“

Für die Zustände an den Müllsammelplätzen sind nicht nur die Mieter aus den umliegenden Häusern verantwortlich. „Es gibt auch Mülltourismus“, bestätigt Vewoba-Geschäftsführer Harry Lutzke auf SVZ-Anfrage. „Leute, die ganz woanders wohnen, schmeißen ihre Säcke hier in die Container.“ Das hat auch Bärbel K. beobachtet. „Es kommt sogar vor, dass Abfallbeutel aus dem fahrenden Auto geworfen werden.“ Dass inzwischen Schilder darauf hinweisen, dass es keine öffentlichen Müllplätze seien, störe niemanden. „Die Mitarbeiter der WBG (Wohnungsbaugenossenschaft Ludwigslust eG, d.Red.) versuchen zwar, der Lage mit zusätzlichen Reinigungsarbeiten Herr zu werden“, sagt Bärbel K.. Aber kurz nach Abfuhr und Aufräumen sehe es wieder wie vorher aus.

Eine andere Unart, die mit für Unordnung im Parkviertel sorgt, haben der Vorstandsvorsitzende der WBG, Volker Möring, und seine Mitarbeiter ausgemacht. „Da wird Sperrmüll an die Straße gestellt, aber beim Abfallwirtschaftsbetrieb die Abfuhr gar nicht angemeldet“, so Möring. „Und wenn erst die ersten Teile stehen, kann man zugucken, wie der Berg wächst.“ WBG-Mitarbeiter entsorgen den Müll dann schnell und versuchen herauszufinden, von wem er stammt. „Wir sind da für jeden Hinweis dankbar.“

An die Entsorgungsfirma, die in der Region für das Duale System die Wertstoffe aus den gelben Tonnen bzw. die gelben Säcke abholt, soll das Problem aktuell noch nicht herangetragen worden sein. „Mir ist nicht bekannt, dass es eine andere Situation als in den anderen Monaten oder Jahren gibt“, sagt Jan Becker, Leiter der Remondis-Niederlassung Ludwigslust, auf SVZ-Anfrage.

Bei den Wohnungsunternehmen und der Stadt ist der Müll im Parkviertel dagegen bereits ein Thema. „Wir wollen uns mit den Wohnungsunternehmen, den Entsorgern und dem Abfallwirtschaftsbetrieb an einen Tisch setzen, die Lage analysieren und nach Lösungen suchen, um die Situation zu verbessern“, sagt Bürgermeister Reinhard Mach gegenüber SVZ. „Wo Menschen so konzentriert wohnen, sei es immer eine Herausforderung.“ Es gebe Menschen, die sich ordentlich verhalten, und solche, die es nicht tun. „Mit Flüchtlingen hat das übrigens fast nichts zu tun“, so Reinhard Mach. Das sieht auch Bärbel K. so. „Die Situation war auch schon so, bevor die Flüchtlinge kamen.“ Harry Lutzke befürchtet, dass es nicht so einfach sein wird, eine Lösung zu finden. „Weil das die Einsicht der Menschen voraussetzt.“

Wohngebiete mit solchen Müllecken sind kein Ludwigsluster Phänomen. „Es gibt Wohngebiete, da klappt es mit dem Abfall sehr gut, und es gibt Gebiete wie etwa auch den Hagenower Kietz und Bereiche von Neustadt-Glewe, da funktioniert es schlecht“, sagt Steffen Grünwaldt, Leiter des kreislichen Abfallwirtschaftsbetriebes ALP. Bei den gelben Säcken geht es da nicht nur darum, wo und wann sie abgelegt werden. Oft findet sich darin auch, was nicht hineingehört – bis hin zu benutzten Windeln. „Solche fehlbefüllten Säcke nimmt der Entsorger nicht mit“, so Grünwaldt.

Auf die Abholung der Wertstoffe hat der ALP kaum Einfluss, weil Einsammeln und Befördern über das Duale System organisiert werden. Zum 1. Januar 2019 strebe der kreisliche Betrieb aber an, das Einsammeln der Wertstoffe anders zu regeln, so Steffen Grünwaldt. „Weg von den Säcken hin zu gelben Tonnen. Wenn der Kreistag zustimmt.“ In diesem Zusammenhang hätte man dann auch eine bessere Position, um mit den Entsorgern über Behälterzahl und Abfuhrrhythmen zu sprechen.

So lange will die Wohnungsbaugenosschaft nicht warten. Sie plant einen ersten Vorstoß. „Wir wollen die Müllplätze – beginnend im Bereich Parkstraße – mit abschließbaren Türen versehen und hoffen, dass das ein bisschen hilft“, erklärt Volker Möring. Es könnte aber auch sein, dass Bürger dann auf andere Plätze ausweichen. Abgesehen davon sei es eine relativ teure Angelegenheit. „Wir verstehen nicht, dass vielen Leuten egal ist, wie es aussieht.“

*Name von der Redaktion geändert

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