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Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 13:54 Uhr

Ludwigslust : Mogeleien im Kaisersaal

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Hofmaler Findorff ließ künstlerische Freiheit walten / Reinhard Heißner und Dr. Gerhard Greune fanden Fundamente wieder

von
erstellt am 03.Feb.2015 | 07:00 Uhr

Der Kaisersaal im Schlosspark ist ein Schmuckstück. Vor Weihnachten ist er fertig geworden (SVZ berichtete). Jetzt ist die Geschichte des Areals noch einmal in den Mittelpunkt gerückt.

Reinhard Heißner, Mitglied des Fördervereins Schloss Ludwigslust, blickt zurück. Als der Verein den „vergessenen Kaisersaal“ in unmittelbarer Nähe des Kanals als Förderprojekt deklariert habe, sagt er, seien er und Dr. Gerhard Greune, ebenfalls Mitglied des Fördervereins, im August 2006 bei Grabungen auf der stark bebuschten Fläche fündig geworden. Alle acht Fundamente der ehemaligen Vasenskulpturen wurden dank Vermessungsplänen gefunden. „Als danach die Parkmitarbeiter des BBL (Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes, d. Red.) auch noch die vor Jahren umgelegten Postamente entdeckten, war es ein Fall für die Denkmalpflege“, so Heißner. Seinen Worten zufolge wurden die Postamente wieder versenkt, nachdem sie zuvor mit Planen gesichert worden waren. Sie sollten später rekonstruiert werden.

Als schließlich die Fördermittel der Europäischen Union (EU) dafür zur Verfügung standen, sei der Kaisersaal so erstanden, wie er nach 1877 mit den acht Postamenten samt Vasen errichtet worden sei, berichtet Reinhard Heißner weiter. „Zu der Zeit hat man bei der Neugestaltung aus verschiedenen Gründen auf die Büsten der römischen Kaiser verzichtet und statt zwölf jetzt nur noch acht Postamente mit Vasen besetzt“, erinnert er.

Für die Weggestaltung sind noch einige Restarbeiten nötig. Natürlich wachsendes Buschwerk soll einmal die Einfriedung bilden. Ein erklärendes Hinweisschild ist geplant. BBL-Mitarbeiter Dietmar Braune schließt nicht aus, dass zum Schutz gegen Frost auch hin und wieder eine Einhausung der Säulen nötig ist.

Ursprünglich war der Kaisersaal im Rahmen der Kanalanlagen 1766 errichtet worden. Der Ludwigsluster Hofmaler Johann Dietrich Findorff (1722 bis 1772) hat davon einen bekannten Kupferstich angefertigt. „Dabei hat Findorff seine künstlerische Freiheit in Anspruch genommen. Er zeigt statt zwölf vielmehr sechzehn Kaiserbüsten, und die flanierenden Damen und Herren des Hofes sind maßgeblich kleiner dargestellt“, erklärt Heißner. „Dadurch sollte wohl der Eindruck des Gartensaales gesteigert werden.“

In der Tat berichtet der irische Reiseschriftsteller Thomas Nugent (1700 bis 1772) in seinem Buch „Reisen durch Deutschland und vorzüglich durch Mecklenburg“ über zwölf Statuen. Und auch der Archäologe Prof. Dr. Konrad Zimmermann aus Rostock kann sich nichts anderes vorstellen. „Diese Zahl bildet die kanonische Reihe römischer Herrscher des ersten Jahrhunderts n. Chr., auf die in Renaissance und Barock immer wieder vorbildhaft zurückgegriffen wird“, schreibt er in einem Brief an Reinhard Heißner.

 

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