Möllenbeck : Möllenbeck: Kein Dorf, in dem man nur verlieren kann

Bürger mit Gemeinsinn erfüllen die 220-Einwohner-Gemeinde im Amt Grabow mit Leben

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17. Februar 2014, 07:00 Uhr

Das letzte Mal war ich im Oktober 2010 in Möllenbeck. Anlass war die Dankesfeier für die fertig sanierte Dorfkirche. In Erinnerung geblieben sind mir zwei Dinge. Es war ein wunderschöner Herbstnachmittag, der das Dorf in idyllisches Licht tauchte – und ich hatte meine Autopapiere in der Kirche verloren, die Pastorin Alena Saubert dann dankenswerterweise für mich aufhob. Möllenbeck – ein Dorf, in dem man nur verlieren kann?

Oh nein! Am Freitagabend stehe ich wieder vor der Möllenbecker Kirche. Verabredet mit Bürgermeister Uwe Holzwarth. Er will mir vor der Gemeindevertretersitzung gemeinsam mit seinem Stellvertreter Günter Voß noch das größte Bauprojekt der 220-Einwohner-Gemeinde zeigen: die gerade im Entstehen begriffene Brücke über den Löcknitz-Mühlbach, zwischen Möllenbeck und dem Ortsteil Horst gelegen. Sie wird am Ende über 160 000 Euro kosten, es gibt nicht wenige Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds ELER, dennoch ist die Gemeinde mit rund 70 000 Euro aus eigener Tasche bei der Finanzierung dabei. Dennoch: Das Vorgängerbauwerk war so marode, dass letztlich im Oktober letzten Jahres die Bauleute anrücken mussten.

Aber nochmal zurück zur Idylle. Die neue Brücke liegt in einer „Special Protection Area“ – also: Europäisches Vogelschutzgebiet. Beschaulichkeit ist gewiss ein Kapital für Lebenswert in Möllenbeck mit seinen Ortsteilen Horst, Carlshof und Menzendorf. Das größte aber, das soll sich in der anschließenden Gemeindevertretersitzung zeigen, sind die engagierten Menschen, die auf den 19 Quadratkilometern Gemeindegebiet leben.

Der Bürgermeister und die fünf Gemeindevertreter haben sich keinen gemütlichen Abend gemacht. Margret Günther, Kämmerin des Amtes Grabow, hatte die fertigen Entwürfe der Eröffnungsbilanz und des 2014-er Haushaltes der Gemeinde erläutert. Kein leichter Stoff für einen Freitagabend, aber die Möllenbecker wollen möglichst sparsam mit ihren Mitteln umgehen. Soll man also vorsichtshalber einen 50 000-Euro-Kredit aufnehmen, um flüssig zu sein, oder lieber nicht? Die Zinsen sind günstig, dennoch hat sich die Gemeindevertretung dagegen entschieden. Akut gebraucht wird das Geld nicht, man kommt so klar.

Nicht ganz so einig ist man sich bei der Aufwandsentschädigung, die der Bürgermeister und seine beiden Stellvertreter erhalten werden. Sie soll auf das allgemein übliche Niveau steigen. Das wurde zwar beschlossen, aber nicht einmütig. Der Vollständigkeit halber: Die gegenwärtige Gemeindevertretung hat nichts mehr davon. Der Beschluss tritt erst nach den Wahlen in Kraft.

Die Diskussion der verschiedensten Themen hat gezeigt, dass es auch in der kleinen Gemeinde Möllenbeck ein Gemeinschaftsleben gibt. Die Seniorenbetreuung, das Dorffest, das in diesem Jahr wieder mit dem Sportfest zusammengelegt werden soll. Der Sportverein, der 2014 erneut den Kindertag in der Gemeinde organisieren will. Der Jugendclub, der von den Heranwachsenden weiter kostenlos genutzt werden kann, wenn das Problem der hohen Stromkosten geklärt ist… Verloren zu sein, ist was anderes.

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