Ludwigslust : Mitgestalten und sich einmischen

Während des zweijährigen Projektes trafen sich die Teilnehmer zu Gesprächsrunden und Ausflügen. Einer davon führte in die Synagoge nach Schwerin.
Während des zweijährigen Projektes trafen sich die Teilnehmer zu Gesprächsrunden und Ausflügen. Einer davon führte in die Synagoge nach Schwerin.

Projekt „Teilhabe“ des Vereins „Ein Herz für Zwei“ will Teilnehmern Mut machen, sich in das gesellschaftliche Leben einzubringen

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28. November 2017, 07:00 Uhr

„Wir sind 28 Kollegen in der Schlosserei. Viele haben mich angesprochen, was wir denn da immer so machen“, sagt Manfred Blank. Riccado Westphal ergänzt: „Das Projekt hilft uns, die wir auf die verschiedenste Weise ein Handicap haben, trotzdem am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. Es gibt Mut, ungeachtet psychischer oder physischer Einschränkungen sich in die Gestaltung des Zusammenlebens einzubringen.“ Die beiden und 13 andere Teilnehmer aus den Lewitz-Werkstätten Ludwigslust haben an einem zweijährigen Projekt teilgenommen.

Vorausgegangen waren gründliche Vorgespräche, die die Projektbegleiter Norbert Pfennig aus Ludwigslust (Verein „Ein Herz für Zwei“) und Christa Schenk aus Neustadt-Glewe geführt haben. „Viele haben sich geäußert, sich vorstellen zu können, sozial, kulturell oder politisch im Betrieb, in Vereinen und Institutionen oder in der Öffentlichkeit aktiv zu werden. Diese Menschen benötigen ein höheres Maß an Sozialkompetenz und Selbstbewusstsein sowie Wissen. Deshalb wollen wir alles tun, um Teilhabe anzuregen, zu organisieren und zu entwickeln“, sagt Norbert Pfennig. Und das ist den beiden Projektbetreuern offenbar gelungen, wie die Teilnehmer bestätigen. Gefördert worden ist das Projekt durch die Aktion Mensch.

Eine Reihe von Veranstaltungen hat es gegeben, und jeder der Teilnehmer nahm etwas anderes für sich dabei mit. Manfred Blank zum Beispiel gefällt, wie sie bei der Arbeiterwohlfahrt Ludwigslust gemeinsam mit Ausländern gekocht haben. „Interessant war auch, wie wir gemeinsam mit Frau Schenk ein Bild gemalt haben“ so der Teilnehmer. „Darauf sind Sonnenblumen und Kürbisse zu sehen“, schmunzelt Christa Schenk, die seit Jahrzehnten künstlerisches Wissen und Inspiration gern vermittelt.

Daniel Wenzel kommt auf eine andere Veranstaltung zurück: „Mich hat besonders beeindruckt, dass wir bei unserem Besuch im Landtag nachvollziehen konnten, wie Gesetze entstehen und beschlossen werden.“ Andere erwähnen den Besuch in der Güstrower Barlach-Gedenkstätte als nachhaltiges Erlebnis. Die Besichtigung einer Moschee in Hamburg führt sogar zu kontroverser Diskussion über die Erlebnisse. Norbert Pfennig: „Ich bin sicher, viele wissen jetzt besser, wie sie sich mehr einbringen können.“

Für Manfred Blank hat die Teilhabe schon ganz konkrete Konturen angenommen. „Eine Kollegin aus unserem Bereich hatte ein Problem und sich nicht getraut, damit zum Gruppenleiter zu gehen. Ich habe sie begleitet. Dadurch hat sie Mut bekommen, ihr Anliegen vorzutragen, und das Problem wurde gelöst“, erzählt er. Karina Harloff legt ihren Schwerpunkt auf die Erweiterung ihres Horizonts. „Ich möchte nicht in meinen vier Wänden bleiben, sondern auf diese Weise auch andere Menschen kennenlernen“, so die Rollstuhlfahrerin.

„Ich wünschte, dass noch mehr Menschen mit Handicap sich trauen würden mitzumachen“, sagt Riccado Westphal. Norbert Pfennig verrät, dass das nächste Projekt unter der Überschrift „Vielfalt im ländlichen Raum“ bereits in den Startlöchern steht.

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