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Ludwigslust : Mit viel Herzblut am Brennpunkt Schule

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Sozialarbeiterin Sönke Neiding von der Volkssolidarität berichtet aus ihrem Alltag am Schulzentrum Dömitz

Sönke Neiding liebt ihren Job, aber er bringt sie auch oft an ihre Grenzen. „Es gibt vieles, das mir sehr nahe geht“, sagt die Schulsozialarbeiterin. So gebe es Kinder, die zu wenig zu essen haben, Gewalt oder sogar Missbrauch erfahren, die Hilflosigkeit vieler Familien und Kinder, die im System „Schule“ schlicht auf der Strecke bleiben. Gleichzeitig seien da natürlich auch die schönen Dinge, zum Beispiel wenn die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ es ermöglicht, einen Raum jugendgerecht zu gestalten und einzurichten. An diesem Ort werde die Schule zu einem Wohlfühlort. „Ich bin so stolz auf unser Stressbewältigungsprojekt“, sagt die 48-Jährige.

Sönke Neiding arbeitet am Gymnasialen Schulzentrum Dömitz. Mittlerweile sind wir ein Schulzentrum mit rund 800 Schülern“, erzählt sie. Die staatlich anerkannte Fürsorgerin war die erste Schulsozialarbeiterin beim Kreisverband Ludwigslust der Volkssolidarität. „Anfang des Jahres haben wir vier weitere Stellen übernommen“, sagt Geschäftsführer Holger Mieth. „Dazu gehören die Regionalen Schulen Rastow, Picher, Ludwigslust sowie die Grund- und Förderschule Dömitz. Von Mai an wollen wir eine weitere Stelle in Ludwigslust schaffen.“

Was heute groß klingt, hat einmal klein angefangen: Im Jahr 1998 an der Verbundenen Haupt- und Realschule Dömitz. „Mein Arbeitsort war drei Straßen weiter“, berichtet Sönke Neiding. Weil es in der Schule zu wenig Platz gab, musste die Schulsozialarbeiterin mit einer kleinen Kammer Vorlieb nehmen. Das erschwerte den Kontakt zu den Schülern erheblich und den Einstieg in die Arbeit. Immer wieder musste sie erklären, „wieso, weshalb, warum die Notwendigkeit sozialer Arbeit am Ort Schule besteht“. Mit den Jahren wuchs die Anerkennung für ihre Arbeit. Sönke Neiding zog von der „Besenkammer“, wie sie es liebevoll nennt, in einen Klassenraum um.

Die ausgebildete Sozialpädagogin stammt aus der Dömitzer Gegend und kennt viele Familien. Bevor sie an die Schule kam, hatte sie als Fürsorgerin im Krankenhaus gearbeitet und in verschiedenen Beratungsstellen.

Heute kümmert sie sich um Schüler der fünften bis zwölften Klassen. Die Jugendlichen kommen zu ihr mit Lernstörungen oder wenn sie sich überfordert fühlen. Die Probleme der jungen Erwachsenen sind vielfältig, reichen von Mobbing, Alkohol, Gewalt und ungewollten Schwangerschaften bis hin zu Leistungsdruck, Schwierigkeiten mit den Eltern und sozialer Armut. Es ist gar nicht das große Ganze, sondern „es sind die vielen Einzelfälle“, sagt Sönke Neiding.

Ihr Rezept: Hilfe zur Selbsthilfe und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen. Dazu initiiert sie eigene Interessengemeinschaften und Projekte, Trainingsprogramme, begleitet Klassenprojekte, arbeitet mit Polizei, Ämtern und Behörden zusammen. Außerdem ist sie gut mit anderen Sozialarbeitern vernetzt, fährt zu Fachtagen und besucht Weiterbildungen.

„Nach 18 Jahren hartnäckiger Arbeit bin ich in der Umgebung bekannt“, so Sönke Neiding. Auch die Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern und Eltern funktioniere gut. Ihr Berufsstand erfahre aber nach wie vor zu wenig Anerkennung. Die Arbeit werde nicht weniger, die Zeit fehle und die Verstärkung durch Mitarbeiter auch. Aber eins hat sich inzwischen geändert: „Ich habe zwei schöne Büroräume im unteren Schulgebäude“, sagt sie.


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