Waldbrand Groß Laasch : Mit Panzern gegen das Feuer - „Wir hoffen auf Regen“

Ein ziviler Panzer wird bei der Bekämpfung eines Waldbrandes nahe Ludwigslust eingesetzt und räumt Zufahrten für die Löschfahrzeuge.
1 von 7

Ein ziviler Panzer wird bei der Bekämpfung eines Waldbrandes nahe Ludwigslust eingesetzt und räumt Zufahrten für die Löschfahrzeuge.

Noch immer behindert Munition aus dem Zweiten Weltkrieg die Bekämpfung eines Waldbrandes nahe Ludwigslust. A14 weiter gesperrt.

von
06. Juli 2018, 20:30 Uhr

„Wir hoffen, dass Regen kommt.“ So am Freitagmittag Kreiswehrführer Uwe Pulss gegenüber SVZ.

Der Waldbrand bei Groß Laasch hält nun bereits seit Mittwochabend die Einsatzkräfte in Atem. Immer noch gibt es keine Hinweise auf Entspannung. Das Gefährliche nämlich: Wegen der im Wald liegenden Munition besteht nach wie vor Explosionsgefahr.

Kreiswehrführer Uwe Pulss machte sich am Freitagmittag an Bord eines mit einer Wärmebildkamera ausgerüsteten Polizeihubschraubers selbst ein Bild von der Situation. „Wir haben eine unveränderte Lage. Es gibt zwar etwas weniger Glutnester als am Vortag, aber immer noch extrem viele“, sagte Uwe Pulss. Der Löscheinsatz eines Bundeswehrhubschraubers am Donnerstag habe das Feuer nur etwas eindämmen können. Der Einsatz des Helikopters musste wegen der Detonationsgefahr am Boden aus 500 Metern Höhe erfolgen. Das habe die Effektivität beeinträchtigt.

Ein ziviler Panzer wird bei der Bekämpfung eines Waldbrandes nahe Ludwigslust eingesetzt und räumt Zufahrten für die Löschfahrzeuge.
Bodo Marks/dpa

Ein ziviler Panzer wird bei der Bekämpfung eines Waldbrandes nahe Ludwigslust eingesetzt und räumt Zufahrten für die Löschfahrzeuge.

 

So kam am Freitag lediglich der am Vortag eingetroffene Feuerlöschpanzer einer privaten Spezialfirma zum Einsatz. Dieser kann bei einem Einsatz bis zu 11 000 Liter Wasser „verschießen“ – und mögliche Explosionen überstehen. „Das Feuer hat sich inzwischen bis zu dreißig Zentimeter tief in den Boden gefressen, breitet sich hier aus“, erläutert Kreiswehrführer Pulss. Und genau hier liegt auch im wahrsten Sinne des Wortes die Gefahr: Neben kleineren Kalibern liegen im Waldboden offenbar auch Artilleriegranaten mit einem Kaliber von 120 Millimetern und jeweils bis zu zweieinhalb Kilo Sprengstoff. Man müsse damit rechnen, dass die Munition sowohl unmittelbar unter der Oberfläche als auch in verschiedenen Tiefen liegt. Uwe Pulss: „Deshalb werden wir weiterhin keine Kameraden zum Löscheinsatz in den Wald schicken.“

Derzeit sind drei Tanklöschfahrzeuge vor Ort: Zwei in Bereitschaft, falls es zu einem Brand außerhalb des Gefahrenbereichs kommen sollte und ein Fahrzeug zum Betanken des Löschpanzers. Insgesamt halten sich ständig 50 Feuerwehrleute um den Brandort in Bereitschaft. Nach wie vor gilt dabei ein Sicherheitsradius von 1000 Metern. Wie lange dieser noch gilt und ab wann umliegende Straßen wieder freigegeben werden, war bis Reaktionsschluss am Freitag völlig unklar.

Ein Transporthubschrauber vom Fliegerhorst Holzendorf bei der Betankung des Löschwasserbehälters am Neustädter See in MV. Die Einheit ist südlich von Berlin stationiert.
Volker Bohlmann
Ein Transporthubschrauber vom Fliegerhorst Holzendorf bei der Betankung des Löschwasserbehälters am Neustädter See in MV. Die Einheit ist südlich von Berlin stationiert.
 

Bei dem Waldstück handelt es sich laut Dr. Holger Voss, Leiter des Forstamtes Grabow, um mittelalten, rund 70-jährigen Kiefernbestand. „Die Bodenvegetation, vor allem Drahtschmiele, war absolut ausgetrocknet“, erklärt er. „Inzwischen ist die rund 30 Zentimeter dicke Humusauflage durchgebrannt, so dass das Feuer den Mineralboden erreicht hat. Und dort liegt die Munition.“ Wo genau, könne man allerdings nicht sagen.

Als munitionsbelastet gelten laut Holger Voss fast alle Wälder in der Region. Karten, auf denen in Abstimmung mit dem Munitionsbergungsdienst besonders gefährdete Bereiche markiert sind, habe man der Feuerwehr inzwischen zur Verfügung gestellt. Derzeit ist die Forst nur Beobachter. „Wir übernehmen die Flächen erst zurück, wenn alles gelöscht ist“, so Voss. Dann müsse man mit dem Munitionsbergungsdienst abstimmen, was gemacht werden soll. „Vorher kann den Wald niemand betreten.“

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es knapp 800 Flächen, die durch Munition und andere Kampfmittel belastet sind. Demnach seien 3,9 Prozent der Landesfläche (90 000 Hektar) von Mecklenburg-Vorpommern betroffen, teilte das Innenministerium am Freitag mit. In der Ostsee gebe es zusätzlich 37 Flächen mit rund 65 000 Hektar. Bei einem Waldbrand in Groß Laasch (Landkreis Ludwigslust-Parchim) mussten sich Einsatzkräfte der Feuerwehr am Mittwoch zurückziehen, weil dort Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg explodierten. Die Bundeswehr leistete daraufhin Amtshilfe und kam unter anderem mit einem Löschhubschrauber zum Einsatzort.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen