Ludwigslust : Mit Mut auf die Bretter

Spaß muss sein, auch oder gerade bei einem so ernsten Thema wie Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“.
Spaß muss sein, auch oder gerade bei einem so ernsten Thema wie Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“.

Ludwigsluster Ensemble „Frederick“ bringt eigene Fassung von Brecht im Zebef auf die Bühne

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15. Januar 2020, 05:00 Uhr

„Wer von euch möchte mal einen richtig schönen Bühnentod sterben?“, fragt Lukas Rauchstein in die Runde. Zögern. Also gut, Nils Walkenhorst will es versuchen. „Du stehst auf, wirst getroffen, taumelst und dann fällst Du zu Boden“, erklärt ihm der Regisseur. Gesagt, getan. Also probt Nils Walkenhorst seinen ersten Heldentod auf der Bühne. Zur Freude seiner 13 Mitstreiter. Neun Tage haben sie noch, dann heißt es im großen Saal des Mehrgenerationenhauses Zebef: Vorhang auf für „Den guten Mensch von Sezuan – oder der Kuchen-Coup der Vogelkundigen“. Warum das Stück so heißt? „Na weil darin ein Kuchen gebacken wird“, sagt Regisseur Rauchstein und grinst. Mehr will er nicht verraten.

Nicht nur der Titel ist etwas besonderes, Theaterprojekt und Darsteller sind es auch. Nicht der Kunst wegen, sondern der Menschen wegen gibt es das Frederick-Ensemble Ludwigslust. „JobAct“ nennt sich diese Art von Projekt, die versucht, Menschen zu unterstützen, wieder einzugliedern und zu integrieren, denn alle haben schon seit längerem keine Arbeit mehr. Dabei ist die Kunst und die Gemeinschaft der Therapeut, so Rauchstein. Natürlich steht auch eine Sozialarbeiterin, Evelyn Sass, an seiner Seite. Das mittlerweile europaweit agierende Projekt wurde 2005 in Witten gegründet. Seitdem sind hunderte der theaterpädagogischen Projekte gelaufen. 60 Prozent Wiedereinstieg in den Berufsalltag, so Rauchstein. Die Chancen für die Ludwigsluster stehen also gut.

Auch die Wahl des Stückes kommt nicht von ungefähr: „In Berthold Brechts Stück spiegelt sich auch die Realität der Darsteller wieder“, sagt Lukas Rauchstein. Schließlich stelle Brecht die Frage, ob es ein gutes Leben in wirtschaftlich schlechten Verhältnissen geben kann.

Vor einem Jahr, als das vom Arbeitsamt Ludwigslust-Parchim geförderte Projekt startete, war Nils Walkenhorst sofort Feuer und Flamme: „Schon immer wollte ich Schauspieler werden.“ Auch Edith Wendland hätte nicht vermutet „Shen Te “ zu spielen. „Über meine Nachbarin habe ich damals von der Theatertruppe erfahren. Da hatte ich sofort Lust mitzumachen.“ Aber es gab auch andere Stimmen: Mitmachen ja, auf die Bühne nein. Die Angst, sich zu blamieren, ist zu groß. Doch alle haben gelernt, aus sich heraus zukommen. Und mehr noch, sie sind richtig professionell geworden, so Rauchstein. Dabei ist Lachen die beste Medizin und das hat Lukas Rauchstein richtig gut drauf. Nun stehen alle gern dort – und auch Regisseur Rauchstein und Evelyn Sass sind mit von der Partie.

Nach den Aufführungen, die am 24. und 25. Januar im Zebef stattfinden, wird bald Schluss sein – die Wege der Teilnehmer werden sich wieder trennen. „Aber das gute Gefühl wird bleiben“, sagt Rauchstein. „Eine Lebenserfahrung für uns alle.“

Auf die Frage, ob sie nochmal an so einem Projekt teilnehmen würden: Ein lautes Kollektiv-Ja. „Aber nur, wenn wieder genau die gleichen Leute mitmachen“, schiebt Markus Heilig hinterher.

Übrigens: Der Eintritt zu den Vorstellung ist frei.

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