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Ludwigsluster Tageblatt

23. September 2017 | 11:12 Uhr

Ludwigslust : Mit Graphit zum Patent

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Die Erfinder Jens Düwel und Reinhard Mohn entwickelten aus altbekanntem Mineral mehrere Neuheiten und begeistern damit weltweit

Mit dem Mineral Graphit fing alles an. Nach vielen Experimenten und nächtlichen Gesprächen entwickelten Malermeister Jens Düwel aus Ludwigslust und Diplom-Ingenieur Reinhard Mohn aus Neu Göhren drei verschiedene Spachtelmassen, die die Eigenschaften von Graphit bestens nutzen. Zwei der Spachtelmassen haben die Männer bereits mit einem Patent schützen lassen, für den neuesten Putz läuft der Antrag.

Eine Spachtelmasse, die die Wärme in einem Raum optimal verteilt. Zwei weitere Beschichtungen, die elektrische Strahlungen abschirmen. Alle mit dem Mineral Graphit als Grundstoff. Doch bevor diese Erfindungen einen Namen bekamen, mussten Jens Düwel und Reinhard Mohn, die sich bereits aus Kindertagen kennen, viel an ihrer ersten Idee arbeiten und experimentieren. „Durch unsere Berufe haben wir langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet. Aber trotzdem mussten wir viele Mischungen anfertigen und wieder verwerfen, bis wir das gewünschte Ergebnis erreicht hatten. Das war ein bisschen wie Kuchen backen“, erinnert sich Jens Düwel. Die erste Erfindung, der Thermoleitspachtel, soll die Wärmeverteilung in Räumen optimieren und kann somit Schimmelbildung entgegen wirken.

Da Graphit neben der hohen Wärmeleitfähigkeit aber auch andere Eigenschaften hat, konnte die erste Erfindung noch weiterentwickelt werden. Mit dem Abschirmspachtel reagierten die Erfinder auf ein aktuelles Problem. „Durch das Handy, WLan, Sendemaste und andere Einflüsse steigt die elektromagnetische Strahlung in unserer Umwelt immer weiter. Mit unserer Spachtelmasse kann diese Strahlung nachweislich abgeschirmt werden“, erklärt Jens Düwel. „Das ist zum einen besser für unsere Gesundheit, andererseits kann man sich dadurch aber auch vor Spionage schützen“, so Reinhard Mohn weiter. Für den Thermoleit- und Abschirmspachtel besitzen die beiden Erfinder seit 2014 das Patent. Noch im selben Jahr erhielten sie den Innovationspreis der VR-Bank Mecklenburg-Vorpommern, 2015 folgte der Bayrische Staatspreis.

Die neueste Erfindung greift die Idee des Strahlenschutzes auf. „Mit dem Absorberputz ist es uns gelungen, dass Strahlung durch Absorption keine Barrieren mehr durchdringen kann und komplett vernichtet wird“, erklärt Reinhard Mohn. Diese Erfindung stieß besonders bei Justizvollzugsanstalten (JVA) auf großes Interesse, da man so Telefonate der Insassen verhindern könne. „Derzeit stehen wir im Kontakt mit fünf JVAs deutschlandweit. Der nächste Schritt wird sein, dass wir Probezellen gestalten“, erklärt Reinhard Mohn. Der 58-Jährige ist Geschäftsführer der Sigro Parchim GmbH, die für die Verarbeitung der Spachtelmassen verantwortlich ist.

Um ein Patent anmelden zu können, müssen alle Erfindungen von einer anerkannten Stelle überprüft werden. Jens Düwel und Reinhard Mohn ließen ihre Spachtelmassen von der Universität der Bundeswehr München kontrollieren. „Die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend und man bestätigte uns, dass wir attraktive Produkte erfunden haben, nach denen man schon lange gesucht habe“, sagt Jens Düwel stolz. Hergestellt wird die Masse derzeit von der Heka graphit.technology Gmbh in Ludwigslust, bei der Jens Düwel angestellt ist. Anfang Januar präsentierten Jens Düwel und Reinhard Mohn ihre Erfindungen auf einer Baumesse in München. „Wir wollen präsent sein und Kunden generieren, denn wir sind von unseren Produkten überzeugt. Der nationale und internationale Zuspruch bestärkt unsere Annahme“, erklärt Jens Düwel. Messebesucher aus Australien, Indien und dem Iran zeigten Interesse an den Beschichtungen, auch Regierungen stellten Anfragen. „Wir haben unsere Flyer ins Englische übersetzen lassen und stehen im Kontakt mit den Interessenten“, erklärt Reinhard Mohn.

Und auch die nächsten Ideen haben die Männer schon bereit. „Dazu wollen natürlich noch nichts sagen, aber erst vor kurzem saßen wir wieder zusammen und haben getüftelt“, so Jens Düwel.

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