Ludwigslust : Mit Freunden zum WM-Spiel

Zum Sabantuy-Fest wurden Nicole Machalitza, Jürgen Henning und Reinhard Mach mit den typischen Kopfbedeckungen ausstaffiert.
Zum Sabantuy-Fest wurden Nicole Machalitza, Jürgen Henning und Reinhard Mach mit den typischen Kopfbedeckungen ausstaffiert.

Ludwigsluster Delegation genießt die Herzlichkeit in der tatarischen Partnerregion / Beim Sabantuy das Ende der Aussaat gefeiert

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26. Juni 2018, 21:00 Uhr

Während sich die deutschen Fußballer auf das Spiel gegen Südkorea im russischen Kasan vorbereiten, schwelgen drei Ludwigsluster noch in Erinnerungen an die tatarische Hauptstadt. Fast hätten sie beim letzten Gruppenspiel der DFB-Elf live dabei sein können. „Die Menschen dort sind sehr stolz darauf, Gastgeber der WM 2018 sein zu dürfen“, sagt Bürgermeister Reinhard Mach. Er hatte gemeinsam mit den Kommunalpolitikern Jürgen Henning und Nicole Machalitza Kamskoje Ustje, die russische Partnerregion von Ludwigslust, besucht, ist aber schon wieder zu Hause. Doch Fußball-Weltmeisterschaft musste doch sein. „Wir sind nach Samara gefahren, wo wir das Spiel Serbien gegen Costa Rica erlebt haben“, sagt Jürgen Henning. „Das war eine Show.“ Nicole Machalitza ergänzt: „Das Stadion war nagelneu und prachtvoll.“

Noch stärker als die Fußballbegeisterung hat die russische Gastfreundschaft die Besucher aus Deutschland beeindruckt. „Uns wurden fürstliche Speisen serviert“, sagt Jürgen Henning. Zum Beispiel bekamen sie über dem offenen Feuer zubereitete Fischsuppe, die für das Aroma zum Schluss mit einem Stück Holz aus dem Feuer umgerührt wurde. Die Gastfreundschaft erlebten die Ludwigsluster auch beim Sabantuy, mit dem insbesondere die Tataren das Ende der Aussaat feiern. Typische Traditionen bei diesem Fest sind Ringkämpfe, Tänze, Gesang und Ehrungen von Kriegsveteranen und lang verheirateten Paaren.

Im Rajon Kamskoje Ustje leben rund 15 000 Einwohner, in Kamskoje Ustje selbst etwa 4500. „Flächenmäßig ist der Ort aber mit Ludwigslust vergleichbar“, so Henning. Aber er sei – anders als deutsche Städte – sehr zersiedelt, so Nicole Machalitza. In den vergangenen Jahren habe sich viel entwickelt – wirtschaftlich und infrastrukturell, betonte Reinhard Mach, der 2013 schon einmal in der Partnerregion war. „Straßen, Wege und Kindergärten wurden gebaut, eine kleine Käserei entstand.“ Die Sanktionen gegen Russland würden dazu führen, dass Dinge selbst gemacht werden, die früher eingeführt wurden, so Jürgen Henning. Ihn beeindruckte zudem das Stadtbild mit dem Nebeneinander von alten (Block-)Häusern und neuen Gebäuden. Neu war auch das Hotel, in dem die Ludwigsluster wohnten. „Wir hatten einen wunderschönen Ausblick auf die Wolga“, so Nicole Machalitza.

Nicht nur die Natur und die Gastfreundschaft waren beeindruckend, sondern auch die Toleranz zwischen den Religionen, zwischen orthodoxer Kirche und Islam. Zeichen dafür sei auch die Nachbarschaft von Mariä-Verkündigungs-Kathedrale und Kul-Scharif-Moschee im Kreml der tatarischen Hauptstadt Kasan, der zum Weltkulturerbe gehört.

Zur Ludwigsluster Reisegruppe gehörte auch Dr. Günther Scheibe, ein Experte für Aquakultur aus dem Rostocker Raum. Hintergrund war, dass ein Unternehmer aus der Region Kamskoje Ustje über den Aufbau einer Aquakultur-Anlage nachdenkt. Die Universität Kasan, speziell die dortige Forschungseinrichtung für Aquakultur, und die Handelskammer gehörten deshalb zum Besuchsprogramm.

Besonders beeindruckend war die auf dem Reißbrett entstandene Stadt Innopolis nahe Kasan mit privat finanzierter Universität, Technologiepark und Wohnkomplexen, für die 2012 der Grundstein gelegt worden war. „Die Universität ist auf Ausbildung, Forschung und Ausgründung im IT-Bereich spezialisiert“, so Reinhard Mach. „Rund 12 000 Bewerber gibt es auf die 250 Studienplätze.“ Allein 9000 Bewerber stammen aus Afrika, so Nicole Machalitza. Viele sehen „Innopolis“ als das „Silicon Valley“ von Russland.

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