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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 02:22 Uhr

Ludwigslust : Mit Druck und Zug auf Beulenfang

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Spezialisten wie Mike Jurk sind gegenwärtig dabei, die Hagelschäden vom 28. August aus Autokarosserien zu entfernen

von
erstellt am 19.Sep.2016 | 09:05 Uhr

Mike Jurk richtet die Lampe aus. Auf der Motorhaube des Autos wird eine kleine Delle sichtbar. Ein nachträglicher Gruß von dem extremen Hagelschlag, der bereits am 28. August Teile Westmecklenburgs erschütterte und hunderte Autos demolierte. Mike Jurk arbeitet in der Ludwigsluster Autolackiererei & Kfz-Service Giemsch. Schätzungsweise noch bis November wird der 37-Jährige mit den Beulen in den Autos zu tun haben und nur an den Wochenenden nach Hause fahren können.

Seit 15 Jahren reist der Chemnitzer durch ganz Deutschland, um die Hinterlassenschaften von Extremwetterlagen zu beseitigen. Oft funktioniert das, ohne dass das Auto lackiert werden muss. Allerdings braucht es viel Erfahrung, die sich der gelernte Autolackierer im Laufe der Jahre angeeignet hat. Inzwischen verliert er seine Sicherheit auch nicht mehr, wenn zwischendurch mal drei Wochen Urlaub anstehen.

Mike Jurk späht über die Motorhaube und begutachtet die Delle. „Dort, wo die Lampe die Grenze von Licht und Schatten sichtbar macht, ist die tiefste Stelle. Immer dort setzt man beim Ausbeulen an“, sagt Jurk. Er bringt den Hebel in Position und beginnt mit der Arbeit, immer die Delle im Auge behaltend. Nach und nach verschwindet die Unebenheit. Nach ein paar Minuten ist auf der Motorhaube nichts mehr zu sehen. Je nachdem, wo auf einem Auto sich der Schaden befindet, wird entweder eine Zug- oder eine Drucktechnik angewandt. Beim Ziehen wird zuvor ein Kunststoffstück aufgeklebt, an das man den Hebel ansetzen kann. Ziel sei immer, so wenig Aufwand wie möglich zu betreiben, um die Kosten in Grenzen zu halten, sagt Bernd Giemsch, der zusammen mit seiner Frau Diana das Unternehmen betreibt.

Das Extrem-Hagelgebiet war an dem Sonntagabend Ende August über Grabow, Parchim, Neustadt-Glewe in Richtung Schwerin und Hagenow über die Region hinweggefegt.

„Am Montagmorgen sind die Versicherungen dann auf uns zugekommen, weil sie einen Betrieb brauchten, in dem sie die Schäden begutachten können. Weil wir Partner der Versicherungswirtschaft sind, bot sich das bei uns an“, erzählt Diana Giemsch. Den Anfang machte die Huk Coburg, die im Halbstunden-Takt insgesamt 270 Schäden von zwei Gutachtern unter die Lupe nehmen ließ. DEVK und Provinzial folgten mit dem gleichen Procedere. „Mittlerweile sind wir mit der Begutachtung fast durch. Nur noch ab und zu kommen Autobesitzer deswegen. Jetzt sind wir mitten bei der Abarbeitung und haben uns zusätzliche professionelle Hilfe geholt“, so Diana Giemsch weiter.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Kunden mit dem Ereignis schwer umgehen können. Für die Versicherer sind das noch kleine Schäden. Die sind aus Süddeutschland noch ganz andere Sachen gewöhnt“, ergänzt Bernd Giemsch. Da könne es schnell mal um bis zu 6000 Schäden gehen, statt ein paar hundert, wie hier Ende August. „Weil viele Kunden sich gar nicht vorstellen können, dass man Beulen entfernen kann, ohne lackieren zu müssen, haben wir uns nochmal damit beschäftigt. Es ist wirklich so: Die Spezialisten beseitigen Dellen von bis zu sieben Zentimeter Durchmesser, ohne zu lackieren“, so Bernd Giemsch. In 95 Prozent der Fälle funktioniere das. Lediglich, wo an den Rändern der Lack abgeplatzt sei, müsse nachlackiert werden.

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