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Ludwigsluster Tageblatt

18. Dezember 2017 | 15:30 Uhr

Grabow : Mit der Simson an die Adria

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Hanno Grzymislawska tüftelt und bastelt für sein Leben gern an alten Mopeds – und liebt es, sich in Wettbewerben mit anderen zu messen

von
erstellt am 07.Jan.2017 | 12:43 Uhr

Wenn sich Hanno Grzymislawska ein neues Moped kaufen will, muss er sich vorher von einem anderen trennen. In seiner Garage ist für ein zusätzliches Zweirad kein Platz mehr. 14 Mopeds – allesamt der Marke Simson – stehen dort dicht an dicht. Spatz, Schwalbe, S 51... Und alle hat er selbst aufgebaut. Gerade tüftelt er an einem SR 2-Rennmoped und an einer S  50 für Beschleunigungsrennen. Schrauben und basteln allein reichen dem Grabower nicht. „Ich muss immer Wettbewerbe haben“, sagt der 64-Jährige, der mit seinen Jungs vom Club „Düse 100“ bei verschiedenen Rennen in den neuen Bundesländern an den Start geht – und schon einige gewonnen hat. Zufrieden zurücklehnen kann er sich auch nach einem Erfolg nicht. „Dann muss ich wieder etwas Neues entwickeln. Die Konkurrenz schläft nicht.“

Wettbewerbe haben Hanno Grzymislawska sein ganzes Leben lang begleitet. In jüngeren Jahren war er Mehrkämpfer in der Leichtathletik und besuchte die Sportschule. Später hat er rund 40 Jahre lang Flugmodellsport betrieben. Dreimal war er DDR-Meister. Sein Kämpferherz zeigt sich im Flur seines Hauses: In einer Vitrine stehen die Pokale dicht gedrängt. Rund 170 habe er im Laufe seines Lebens errungen.

Den Grabowern ist Hanno Grzymislawska vor allem vom Drogeriemarkt „Ihr Platz“ bekannt, den er als Franchise-Partner bis zum vergangenen Jahr führte. Eingestiegen war er in das Geschäft mit Duschbad, Zahnpasta, Reinigungsmittel & Co. schon 1984 – als Kommissionshändler der Handelsorganisation „HO“. Hanno Grzymislawska beantwortete Redakteurin Kathrin Neumann die Sonnabend-Fragen.

Wo findet man sie am ehesten?
Im Moment im Bastelkeller, um an meinen Fahrzeugen zu montieren. Im Sommer dann in Haus, Hof und Garten, wo ich inzwischen auch ganz gern mal bin. An einigen Wochenenden bin ich bei Rennen unterwegs.
Was würden Sie als Bürgermeister von Grabow sofort verändern?
Im Moment haben wir einen guten Bürgermeister. Vielleicht könnte man noch ein bisschen mehr für die Jugend machen, zum Beispiel eine Fahrradwerkstatt, wie die des Zebef e.V. in Ludwigslust, einrichten...
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich habe bei der LPG in Techentin Rüben gehackt, als ich elf oder zwölf Jahre alt war. Ich wollte mir ein Luftgewehr kaufen. Acht Stunden in der brütenden Hitze für 1,10 Mark pro Stunde. Am Ende hat es für das Luftgewehr nicht gereicht.
Und wofür haben Sie es stattdessen ausgegeben?
Ich habe es einfach verkleckert. Wahrscheinlich waren ein paar Teile fürs Fahrrad dabei.
Was stört Sie an anderen?
Unaufrichtigkeit, Unehrlichkeit und wenn auf jemanden kein Verlass ist.
Wie sieht für Sie der perfekte Tag aus?
Es wäre ein Sommertag. Ich stehe um acht auf, frühstücke, setze mich auf ein Moped und fahre in die Welt, ohne Plan, einfach nur, um Mecklenburg zu erkunden.
Was würden Sie gern noch können?
Ich wäre gern besser in Mathematik gewesen. Das sehe ich allerdings jetzt im Nachhinein so, zu meiner Schulzeit störte mich das nicht. Und ich würde Computer gern besser bedienen können.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Milch und Joghurt. Milch ist aber das wichtigste, davon verbrauche ich jeden Tag einen halben Liter, vor allem mit Müsli.
Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie? Die italienische, chinesische oder Hausmannskost?
Italienisch, wenn Nudeln dazu gehören. Ansonsten liebe ich Bratkartoffeln mit Spiegelei oder Sülze, mecklenburgische Kost eben. Allerdings koche ich nur notgedrungen, wenn meine Frau zur Schicht ist.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Wer wird Millionär. Das finde ich sehr interessant. Eigentlich könnte ich da fast mitmachen, auf der Couch bin ich auch ganz gut. Aber wenn man dann im Studio sitzt, sieht es wahrscheinlich ganz anders aus.
Wen würden Sie gern mal treffen?
Das knüpft an die vorherige Frage an: Günther Jauch. Den finde ich witzig.
Mit welchem Lied verbinden Sie schöne Erinnerungen?
Mit „Jugendliebe“ von der Gruppe „Elefant“. Damals war ich mit meiner Frau schon zusammen, und auch heute noch tanzen wir gern dazu.
Wo ist für Sie Heimat?
Grabow, der Landkreis Ludwigslust Parchim, Mecklenburg. Die ganze Gegend ist schön, die Natur und dass die Menschen nicht so doll aufein-anderhocken.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gern und von wem haben Sie es bekommen?
An meine ersten Skier, die ich Weihnachten 1964 von meinen Eltern bekam. Das war damals schon etwas Besonderes. Und wir hatten hier auch noch Winter. Mit den Skiern bin ich dann ein paar Hügel in Ludwigslust runter gefahren, aber wir waren auch mal im Winter-urlaub.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Mit dem Moped an die Adria fahren, das wäre was. Aber damit kann ich auch später noch anfangen.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Dass Frieden bleibt, dass der Terrorismus eingedämmt wird, dass alle Leute zufrieden sind. Materiell habe ich keine Wünsche. Viel Geld macht nicht glücklich.
Was werden Sie als Rentner tun?
Ich werde es so ähnlich wie jetzt machen. Vielleicht noch ein bisschen mehr reisen, denn ganz große Urlaubstouren konnten wir nicht machen. Allerdings würde ich da im europäischen Raum bleiben. Und natürlich bastle ich weiter an den Mopeds, solange das irgendwie funktioniert.
Wer ist ihr persönlicher Held?
Das ist schwierig, vielleicht der Boxer Muhammad Ali.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
Ehrgeizig.
Wem sollten wir die Fragen ebenfalls stellen?
Hermann Steinkopff, der viel für Grabow gemacht und den ganzen Schützenverein aufgebaut hat. Von solchen Leuten brauchen wir noch mehr.

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