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Ludwigsluster Tageblatt

22. September 2017 | 02:43 Uhr

Grabow : Mit der Schützenzunft Tradition bewahren

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Grabower Zunfthauptmann Hermann Steinkopff hatte Anfang der 1990er-Jahre Wiedergründung initiiert / Seine Leidenschaft galt und gilt dem Handball

von
erstellt am 25.Feb.2017 | 07:00 Uhr

Wenn irgendwo in Westmecklenburg Einspruch gegen die Wertung eines Handballspieles eingelegt wird, landet der Fall wahrscheinlich auf dem Tisch von Hermann Steinkopff. Der Grabower ist Rechtswart im Bezirkshandballverband Mecklenburg-West. Damit bleibt er seiner Sportart, die er als Spieler und Schiedsrichter jahrzehntelang aktiv betrieb, auch als Rentner treu. In seiner Heimatstadt ist er aber in anderer Mission bestens bekannt – als Zunfthauptmann der Grabower Schützenzunft von 1655. Sie war auf seine Initiative hin 1993 wiedergegründet worden – auf Anregung aus Grabows Partnerstadt Borken. Dabei hat Hermann Steinkopff keine Waffenbesitzkarte, keine Waffenberechtigung. „Mir ging es um eine Grabower Tradition“, sagt der 71-Jährige, der schon zweimal Schützenkönig war. Auf diese Ehre legt es der Grabower derzeit nicht an, trotzdem hat er das Schützenfest mit Königsschuss 2017 schon im Blick und zum Teil schon vorbereitet. „Ich baue jedes Jahr den Adler, auf den beim Königsschuss geschossen wird“, erzählt der pensionierte Maschinenbauingenieur. „Dafür müssen aus zu einer Dicke von sechs Zentimetern verleimten Sperrholzplatten mit der Stichsäge rund zehn Meter ausgesägt werden.“ Der Vogel für den diesjährigen Königsschuss ist bereits fertig. Einen Wunsch hat er für seine Schützenzunft. „Wir sind auf der Suche nach einem eigenen Vereinsheim“, sagt er. „Der Bürgermeister unserer Stadt will uns dabei unterstützen.“ Hermann Steinkopff beantwortet Redakteurin Kathrin Neumann die Sonnabendfragen.


Was würden Sie in Grabow anpacken, wenn Sie Bürgermeister wären?

Unser Bürgermeister hat schon fast alles angefasst, was anzufassen ist. Ich würde auch die Stadtsanierung weiter vorantreiben, einige Schandflecken beseitigen. Ich würde weitere Fachwerkhäuser sanieren lassen, nicht nur rund um das Rathaus, sondern zum Beispiel auch im Bereich des Pferdemarktes. Aber das ist auch eine Frage des Geldes.
Wo findet man Sie am ehesten?

Im Moment vor allem zu Hause oder im Garten. Ich baue noch viel Gemüse an.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ich habe damals bei einer Band beim Aufbau der Technik geholfen, habe Termine auf den Dörfern vereinbart usw.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Für all das, was man so als Oberschüler braucht. Oft für Fahrradreparaturen, denn ich bin vier Jahre lang von Grabow mit dem Fahrrad zur Schule nach Ludwigslust gefahren. Im Sommer und im Winter.
Was stört Sie an anderen?
Wenn sie nicht ehrlich sind. Ich selbst bin immer offen heraus und nehme es auch nicht krumm, wenn einer etwas Kritisches sagt. Und wenn ich meine Meinung geäußert habe, dann ist die Sache auch erledigt.
Wie sieht der perfekte Tag für Sie aus?

Es ist schönes Wetter, so dass man draußen etwas machen kann. Ich stehe um 7 Uhr auf, wir frühstücken, besprechen, was am Tag zu machen ist und was es zu essen geben soll. Im Sommer gibt es hier genug Arbeit, im Winter erledige ich viele Schreibarbeiten für den Verein. Und am Nachmittag gibt es Sport im Fernsehen.
Was würden Sie gern können?

Ich würde gern Musik machen können. Aber ich bin total unmusikalisch. Mein Nachbar, der braucht nicht einmal Noten, der spielt nach Gehör und zwar so, dass es einem kalt über den Rücken läuft.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?

Pragmatisch.
Welches Buch lesen Sie gerade?

Wenn ich lese, dann etwas Historisches. Das Buch „Vier Kameraden“ habe ich wohl fünfmal gelesen. Es handelt von vier Leuten, wie sie den 30-jährigen Krieg überlebt haben. Ich hatte es als alte Schwarte bei meinen Eltern gefunden. Als es mir abhandengekommen war, habe ich so lange gesucht, bis ich es in einem Antiquariat in Wittstock wieder kaufen konnte.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Das Nordmagazin und Sport, vor allem Handball, Fußball, Biathlon und Autorennen. Und historische Filme, aber die mag meine Frau nicht so.
Mit welchem Lied verbinden Sie schöne Erinnerungen?

Als wir 1968 in der Kirche heirateten, spielte ein Bekannter meiner Eltern und der Katechet auf Trompete und Orgel ein Rock’n’Roll-Lied. Das war sehr ergreifend, aber ich weiß nicht, welcher Titel es war.
Wo ist für Sie Heimat?
Grabow. Hier bin ich geboren, hier habe ich immer gelebt, hier haben seit 1692 meine Vorfahren gelebt, hier habe ich meine Tochter und meinen Sohn großgezogen.
Wer ist Ihr persönlicher Held?

Meine Frau, weil sie Kinder, Haushalt, Beruf und alles unter einen Hut gebracht hat, als ich nie Zeit hatte, weil ich ein Abendstudium gemacht und unser Haus gebaut habe oder später meine Arbeit vor allem anderen kam.
Gibt es etwas, was kaum einer von Ihnen weiß?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da etwas gibt. Ich bin ziemlich redselig und kann nicht viel für mich behalten.
Welchen Traum möchten Sie sich erfüllen?

Mal wieder einen schönen Urlaub machen. Vor fünf Jahren haben wir mal eine fünfwöchige Reise nach Portugal an die Algarve gemacht. Das war der schönste Urlaub, den wir je gemacht haben. Da würde ich gern noch mal wieder hin.
Machen Sie als Rentner das, was sie sich für den Ruhestand gewünscht haben?
Ja. Ich bin in Haus, Hof und Garten aktiv, für den Schützenverein und den Handballverband. Das habe ich alles natürlich auch früher schon gemacht, aber heute habe ich mehr Zeit dafür. Ein Vorhaben ist allerdings noch offen. Ich habe eine ganze Sammlung von DDR-Mopeds, die restauriert werden müssten. Das wäre eine Aufgabe, wenn ich nichts Anderes zu tun habe.

Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie? Die italienische, chinesische oder Hausmannskost?

Chinesisch mag ich sehr gern, weil es leichte Kost ist mit viel Gemüse und Fleisch, das nicht zu fett ist. Aber auch Hausmannskost finde ich gut. Eisbein mit Püree und Sauerkraut verschmähe ich nicht.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Meinem ehemaligen Handball-Kollegen Heinz Kosanke aus Groß Laasch. Der ist in seiner Gemeinde auch sehr aktiv. Wir waren ein eingespieltes Team als Handball-Schiedsrichter. Wenn er im Spiel gepfiffen hat, wusste ich schon, worum es ihm ging. Von 1981 bis zur Wende haben wir im ganzen Bezirk Schwerin geschiedst, nach der Wende noch fünf Jahre in der Regionalliga. An diese Zeit denke ich gern zurück, obwohl es stressig war. Aber wir hatten viel Spaß.




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