Grabow : Mit der Favorit 100 in die Blaubeeren

Oldtimer-Fan Willy Matern auf seiner Favorit 100, die top in Schuss ist.
Oldtimer-Fan Willy Matern auf seiner Favorit 100, die top in Schuss ist.

Willy Matern hat in mühevoller Kleinarbeit ein Motorrad Baujahr 1935 restauriert / Krad mit Sachs-Motor ist noch fahrbereit und zugelassen

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04. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Sie sieht aus wie nagelneu, präsentiert sich blank geputzt und in einem top Zustand: Gemeint ist die Favorit 100, ein Motorrad Baujahr 1935 mit Sachs-Motor. Dieser Oldtimer ist das Schmuckstück von Willy Matern, der diese Maschine in mühevoller Kleinarbeit wieder aufgebaut hat. Der heute 76-Jährige kam mit seiner Familie nach dem Krieg als Aussiedler aus dem westpreußischen Rosenberg über mehrere Stationen nach Grabow. „Seit Mai 1945 sind wie hier, mein Vater Wilhelm hat erst in Schwerin als Maschinenschlossermeister beim Audi-Kundendienst gearbeitet. Im Herbst 1945 hat sich mein Vater selbstständig gemacht, auf unserem alten Standort im Neu Karstädter Weg 13 auf den Fundamenten eines ehemaligen französischen Gefangenenlagers die Werkstatt eingerichtet. Mein Vater hat alles repariert, was nach dem Krieg eben so anfiel, hat sich von den Schrottplätzen und auch aus den Wäldern vieles an Teilen zusammengetragen.“


Sein Vater Wilhelm fand das Krad und baute es wieder auf


Dabei fiel Vater Wilhelm auch das Favoriten-Motorrad mit Sachs-Motor in die Hände. „Ich wusste erst gar nicht, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt, das habe ich erst später durch intensive Recherchen in der Oldtimer-Szene herausgefunden. Dabei geholfen hat mir ein Buch mit dem Titel ,Kleinkrafträder ganz groß’, dort waren alle Motorräder im Detail beschrieben, und da fand ich auch die Favorit 100“, erzählte Willy Matern bei einer Tasse Kaffee im Verkaufsbüro des Autohauses Matern mit freier Werkstatt, das er jahrzehntelang als Kfz-Meister in Grabow führte.

„Mein Vater hat also damals diese Maschine entdeckt, allerdings hatte das vordere Rad eine Größe von 26 Zoll, das hintere 19 Zoll. Im Buch war beschrieben, dass die Favorit zwei 19-Zoll-Räder hat“, so Willy Matern. Die Liebe zum Kfz-Beruf, zu Fahrzeugen und zu Oldtimern entwickelte sich bei Willy Matern also ganz automatisch durch sein Elternhaus, vor allem natürlich durch seinen Vater. „Mit zwölf Jahren, das war 1948, habe ich auf der Favorit fahren gelernt“, kann sich Willy Matern noch gut erinnern. Und ihm ist auch noch gut eine Episode im Gedächtnis, als sie einmal zu dritt auf dem Motorrad in den Hornwald bei Hornkaten fuhren. „Mein Vater, mein vier Jahre älterer Bruder und ich, der auf dem Tank saß, waren mit der Favorit zum Blaubeerpflücken gefahren“, schmunzelt Willy Matern und er ist natürlich stolz, dass seine Maschine auch heute noch voll funktionsfähig ist und über das ganze Jahr auch zugelassen ist. „Mit der Favorit 100 bin ich auch von zu Hause zu unserem Treffen ins Autohaus gefahren“, ergänzt der Oldtimer-Fan. Im Laufe der Jahre hat das Motorrad bereits verschiedene Reparaturen erlebt. „Da es mir aber nicht schick genug aussah, habe ich es zum Lackieren zerlegt und dann erst einmal auf den Boden gebracht. Doch ich habe die Sache nicht zu Ende gebracht. Als wir dann die alte Werkstatt im Neu Karstädter Weg abgerissen und den Bau des Autohauses am heutigen Standort im Neustädter Weg 3a begonnen haben, nahm ich mir vor, die Maschine dann irgendwann mal zu restaurieren. Und das habe ich dann im Jahre 1992 begonnen.“

Vor gut vier Jahren hatte er dann alles so weit zusammengetragen, die Teile nach Original-Beschreibung besorgt und die Maschine mit einem neuen schmucken Lack versehen. „Das Motorrad wurde im Jahr 1935 von einer Firma in Berlin hergestellt und zwar von der Seitenwagen und Fahrzeugbau GmbH Berlin. Der Hubraum umfasste 98 Kubikzentimeter bei 2,25 PS Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 55 bis 60 km/h“, erläuterte Willy Matern technische Details des Motorrades.

Bei der Suche nach Ersatzteilen für die Oldtimer-Maschine wurde Willy Matern auf verschiedenen Teilemärkten fündig. „Ich brauchte eine Handschaltung für die Favorit, in Hagenow sah ich an einem Stand eine liegen, verchromt, so wie ich sie mir vorstellte. Aber 35 Euro erschienen mir dafür zu hoch, ich drehte erst mal noch eine Runde über den Markt. Aber dann wurde ich unruhig, weil ich dachte, nicht dass der Händler diese Handschaltung jetzt verkauft und ich mit leeren Händen dastehe. Ich also zurück und letztlich haben wir beide uns auf 30 Euro geeinigt.“ Ähnlichen Erfolg hatte Willy Matern dann bei der Suche nach dem passenden Hinterrad für die Favorit. Ein Freund seines älteren Bruders in Jever hatte einen Bekannten in Bayern, der ihm zwei Räder mit entsprechender Nabe schickte - eins davon passte dann und wieder war Willy Matern glücklich. Für das hintere Schutzblech suchte er noch einen kleinen Gepäckträger - fündig wurde er schließlich auf einem Teilemarkt in Magdeburg.

„Ich fahre viel auf Oldtimer-Treffen und Teilemärkte, aber mit der Favorit nur zu den Treffen in Grabow und nach Karstädt. Zu Veranstaltungen in größerer Entfernung wie in Schwerin, Rostock oder Neuruppin nehme ich dann schon das Auto“, lässt sich Willy Matern vernehmen.

Der Oldtimer-Fan hat auch schon weitere Projekte in Planung: Eine Zündapp und eine Zündapp 200 Derby warten noch darauf, wieder instand gesetzt zu werden. „Auch einen Opel 1.2, wahrscheinlich Baujahr 1933/34, den ich in diesem Jahr zerlegt gekauft habe, will ich wieder flottmachen. Mein Ziel ist es, das in gut zwei Jahren zu schaffen.“

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