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Ludwigsluster Tageblatt

13. Dezember 2017 | 23:38 Uhr

Dömitz : Mit dem Olympiasieger hoch hinaus

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Gerd Wessig trainierte gestern mit erfolgreichen Leichtathleten des Schulzentrums Dömitz / Zwei Teams fürs Landesfinale qualifiziert

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 07:00 Uhr

„Eins, zwei, drei, vier, fünf und abspringen.“ Der hoch gewachsene Mann im weißen T-Shirt steigt vor dem Tor in die Höhe. Um die 50 Zentimeter (oder sind es noch mehr?) liegen nun zwischen seinem linken Fuß und dem Boden der Dömitzer Sporthalle. Er kann es noch. Der Olympiasieger von 1980 kann noch verdammt hoch springen. Gestern war Gerd Wessig, der mit seinen 2,36 Metern von Moskau auch drei Jahre lang den Hochsprung-Weltrekord hielt, ins Schulzentrum Dömitz gekommen, um den Nachwuchsleichtathleten ein paar Tipps auf ihrem Weg zum Landesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ zu geben. Dafür hatten sie sich im vergangenen Jahr überraschend qualifiziert.

Sportlehrer Thomas Schott hatte die beiden Teams – Mädchen und Jungen – im Frühsommer 2013 kurzfristig auf die Beine gestellt. Er wollte es nicht einfach hinnehmen, dass das Schulzentrum keine Mannschaft zum Kreiswettbewerb schickt. „Ich wusste, dass wir sehr gute Leute haben“, begründete der 54-Jährige, der seit anderthalb Jahren in Dömitz unterrichtet. „Allerdings fehlte mir der Vergleich zu anderen Schulen.“ Und so waren die Siege beider Teams nach nicht optimaler Vorbereitung auch für ihn nicht selbstverständlich. Als Anerkennung und Ansporn zugleich lud Thomas Schott den bei Schwerin lebenden Olympiasieger Gerd Wessig nach Dömitz ein. Die beiden Männer kennen sich aus ihrer leistungssportlichen Jugend. Allerdings war Schott kein Hochspringer, sondern Fechter.

Bevor Gerd Wessig mit den Leichtathleten zur Trainingseinheit in die Sporthalle wechselte, hatte er sich in der Aula des Schulzentrums den Fragen der Schüler gestellt. Natürlich spielte auch der Wettkampf seines Lebens – jener bei Olympia 1980 in Moskau – eine Rolle, von dem Ausschnitte gezeigt wurden. „Bei 2,15 Metern machte ich meinen ersten Sprung“, erzählte Gerd Wessig und hielt zur Veranschaulichung seine Hand knapp 20 Zentimeter über seinen Kopf. „Mit 2,31 Metern hatte ich schon gewonnen, weil ich als Erster über diese Höhe gesprungen war.“ Doch er machte weiter. „Wenn du die Chance hast, etwas Besonderes zu tun, dann tue es auch“, gab der 2,01-Meter-Mann eine seiner Lebensmaximen weiter. Er ließ 2,36 Meter auflegen und schaffte sie im dritten Versuch. Gerd Wessig war Olympiasieger und Weltrekordler. 1989 beendete er seine sportliche Laufbahn.

Heute lebt Gerd Wessig, der aus Goldberg stammt und durch seine Sport lehrenden Eltern zur Leichtathletik kam, in der Nähe von Schwerin. Er ist freier Handelsvertreter für Sport- und Freizeiteinrichtungen. Zwei bis dreimal pro Woche joggt er ein paar Kilometer, um anschließend Athletik-Training zu machen. Aus dem zwischenzeitlichen Vorhaben, mal den Boston- oder New-York-Marathon zu laufen, wurde nichts. Genauso wenig wie aus den 2,40 Metern, die er sich irgendwann einmal als Lebensziel gesteckt und als Strich in der Trainingshalle angebracht hatte. Marathon zu laufen, erfordere einfach zu viel Zeit. Außerdem trainiert Wessig beim SC Schwerin eine Mädchengruppe in der Leichtathletik. Ob eine künftige Olympiasiegerin dabei ist? „Das kann man noch nicht sagen.“

Später in der Sporthalle sieht er Jonas Lüth beim angedeuteten Hochsprung vor dem Tor und nickt anerkennend. „Sehr gut. Wie hoch springst du?“, fragt er den Elftklässler. Für die 1,82 Meter – beim Kreiswettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ gemeistert – gibt es den nach oben zeigenden Daumen vom Olympiasieger, den Jonas bis vor einigen Tagen noch gar nicht kannte. „Als ich gehört habe, dass Gerd Wessig kommt, habe ich gegoogelt, wer er ist“, erzählt der 16-Jährige. Das Training mit dem einstigen Weltklasse-Hochspringer habe ihm viel gegeben. „Bei der Lauftechnik, speziell beim Kurvenlauf, hat mir das richtig was gebracht“, sagt der 16-Jährige, der schon in jungen Jahren seine Begeisterung für den Hochsprung entdeckt hatte. Gelegenheit, seine Sprungkraft unter Beweis zu stellen, hat er aber nicht oft. „Ich finde es gut, dass wir bei ,Jugend trainiert für Olympia’ mitmachen“, schickt er deshalb ein kleines Lob in Richtung seines Lehrers.

Ende Juni steht das Landesfinale an. „Wir streben den dritten Platz an“, hängt Thomas Schott die Messlatte ordentlich hoch. Nur den Sportgymnasien will er den Vortritt lassen. Im kommenden Schuljahr wollen sich die Dömitzer Leichtathleten dann optimaler vorbereiten. Gleich Anfang September ist ein Trainingslager in Zinnowitz geplant.


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