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ludwigslust / lübtheen : Mit Bakterien gegen die Raupen

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Hubschraubereinsatz ab Mai / Nabu spricht sich gegen Biozideinsatz aus der Luft über Alleen und Wälder aus

Die Stadt Lübtheen hat sich überzeugen lassen: Sie will den Hubschrauber, der ab Mai ein Biozid gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners versprühen soll, doch über ihrer Gemarkung kreisen lassen. Eigentlich hatte die Verwaltung das ausgeschlossen, nachdem die Rechnung für den Vorjahres-Einsatz über rund 25 000 Euro angekommen war. „Die Argumente des Gesundheitsamtes haben uns überzeugt“, sagte Bürgermeisterin Ute Lindenau gestern. Die Stadt will einen Antrag auf Sonderbedarfszuweisung stellen und hofft, dass das Land so 50 Prozent der Kosten trägt.

Obwohl dem letztjährigen Lufteinsatz eine 95-prozentige Erfolgsquote bescheinigt worden war, soll er jetzt in ähnlichem Umfang wiederholt werden. „Zweigproben haben ergeben, dass noch Gelege da sind“, erklärte Dr. Ute Greitens, Fachdienstleiterin Gesundheit. Der nochmalige Sprüheinsatz solle den nachhaltigen Erfolg der Aktion sichern. Versprüht wird wie im Vorjahr das Bakterium Bacillus thuringiensis. Diesmal heißt das Mittel nicht Dipel ES, sondern Foray ES. „Das Mittel ist von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zugelassen“, betonte Dr. Ute Greitens. Das Biozid „Karate“ soll dagegen nicht wieder zum Einsatz kommen.

Im Wesentlichen werden die gleichen Flächen wie im Vorjahr beflogen. Welche Strecken es sein werden, wird derzeit mit den örtlichen Ordnungsbehörden abgestimmt. „Genaues kann man erst nach der Beratung mit dem Landkreis sagen“, erklärte Wolfgang Utecht, leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Ludwigslust-Land. „Leider ist sie wieder verschoben worden.“ Rund 20 000 Euro sind für die Raupenbekämpfung aus der Luft und vom Boden aus in den Amtshaushalt eingestellt worden. Ein Problemfall ist Wöbbelin, wo viele Eichen an der Bundesstraße stehen. Wenn die – wie im Vorjahr – nicht behandelt werden, sei der Effekt der Bekämpfungsaktion relativ gering, so Utecht. Christopher Pöschke, Fachdienstleiter Recht beim Landkreis, erklärte dazu: „Ich gehe davon aus, dass das Straßenbauamt und das Land seinen Verpflichtungen nachkommt und dort bekämpft, sofern die Bäume befallen sind.“

Der Naturschutzbund Nabu ist gegen den Biozideinsatz aus der Luft über Wäldern oder Alleen. „Damit werden auch andere Insekten vernichtet“, sagte Manuela Heberer vom Nabu MV. In Siedlungsgebieten, wo Menschen mit den Raupenhaaren in Berührung kommen können, sollten mechanische Verfahren bevorzugt, chemische Mittel nur im Ausnahmefall eingesetzt werden. „Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, der in Deutschland natürlich vorkommt“, so Manuela Heberer. Auch Schwankungen der Population mit Phasen starken Auftretens seien natürlich.

Die Stadt Ludwigslust begrüßt die neuerliche Bekämpfungsaktion durch den Landkreis. „Nur so kann man der Sache Herr werden“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Petra Billerbeck. „Der Eichenprozessionsspinner macht ja nicht an Stadtgrenzen halt.“


 

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erstellt am 12.Apr.2014 | 20:00 Uhr

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