techentin : Mit alter Zunft auf Märkten bewundert

Scherenschleifer Bodo Schäfer aus Techentin geht ab morgen in den Ruhestand und will im neuen Jahr mit seinem Handwerk etwas kürzer treten

svz.de von
30. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Er sorgt für die nötige Schärfe und ist quasi für Hausfrauen, Gärtner, Forstleute, Jäger und Handwerker und Hobbybastler der richtige Mann: Scherenschleifer Bodo Schäfer aus Techentin. „Die Schleiferei macht mir einfach Spaß, ich mag es, wenn ich meinen Stand auf Märkten aufbauen kann, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, ein bisschen zu klönen und ihnen helfen zu können“, sagt Bodo Schäfer, der morgen seinen 65. Geburtstag feiert und dann mit seiner alten Zunft der Scherenschleiferei etwas ruhiger treten möchte.

„Ich möchte das im nächsten Jahr sozusagen nur noch als Hobby betreiben“, so Bodo Schäfer, während wir uns in der Küche seines Hauses im Ludwigsluster Ortsteil Techentin in gemütlicher Atmosphäre bei einer Tasse Kaffee unterhalten. Sein Service ist umfangreich, „Schleifen von Messern aller Art, Äxten, Beilen, Kettensägen, Scheren, Rasenmähermessern, Fleischwolfmessern und auf Anfrage“ steht auf seiner Visitenkarte. Um all das gemäß alter Handwerkskunst zu bewältigen, hat er sich in der Vergangenheit hochwertige Maschinen zugelegt, die in seiner Werkstatt am Haus aufgebaut sind.

Bodo Schäfer ist im Jahr viel unterwegs, am häufigsten trifft man ihn auf altertümlichen und anderen Märkten in der Region, wo er den Leuten zeigt, wie früher auf einem Sandstein Messer, Scheren und anderes Werkzeug geschärft wurde. Jüngst war er beim Weihnachtsfest des Forstamtes Kaliß anzutreffen, und da sprachen ihn viele Besucher an, mit dem Wunsch, ihnen Haushaltsgeräte wie Messer und Scheren zu schleifen. „Man muss die Leute nicht zwingen, sie kommen von selbst auf mich zu“, sagt Bodo Schäfer, der sich im Laufe der Jahrzehnte in dieser alten Zunft vervollkommnet und bei vielen Veranstaltern von Märkten und Festen einen guten Ruf erworben hat. Einer der festen Termine in seinem Kalender ist die Fahrt zum Mittelaltermarkt am Kloster Rühn bei Bützow. Aber auch bei den großen Jagden der Forstämter Schildfeld und Jasnitz oder des Reviers Schlossgarten des Forstamtes Ludwigslust tritt er in Aktion. „Da ist es keine Seltenheit, dass bei einer Jagd rund hundert Schützen dabei sind, die 70 bis 80 Stück Wild schießen und dann für die Versorgung der Tiere oder anschließende Tätigkeiten scharfe Waidmesser benötigen“ Vor einigen Jahren habe ihn der damalige Revierförster des Reviers Schlossgarten Ludwigslust, Uwe Golonska, animiert, im Wald eine Vorrichtung zu bauen, die es erlaubt, vor Ort den Waidmännern die Jagdmesser zu schleifen, erinnert sich Bodo Schäfer. „Und dann mit Schleifstein, Poliergerät und Notstromaggregat im Wald zu stehen, ist dann ein ganz besonderer Moment“, weiß der erfahrene Messerschleifer zu berichten.

Erfahrungsgemäß wird er im November und Dezember eines jeden Jahres zu vielen Märkten eingeladen. Dann nimmt Bodo Schäfer seinen alten Sandstein mit und bietet seine Dienste an. „In den letzten Jahren bin ich in MV viel herumgekommen, ich habe aber nur Angebote oder Einladungen von Städten und Kommunen im Umkreis von rund 90 Kilometern angenommen, alles andere würde sich für mich nicht rechnen.“

Nun also, wenn der Ingenieur für Schiffbautechnik und gelernte Maschinenbauer Bodo Schäfer ab morgen 65 ist, will er es mit der alten Zunft etwas ruhiger angehen lassen. Aber ihm bleiben viele schöne Erinnerungen an sein Handwerk, zu dem er schon als Maschinenbauer Zugang fand. „Schleifen war in diesem Beruf auch mit drin, ganz konkret Magnetschleifen“, ergänzt Bodo Schäfer, der 15 Jahre lang als Technischer Leiter bei KIW Ludwigslust arbeitete. „Danach habe ich mich zu DDR-Zeiten mit der Schleiferei selbstständig gemacht. Da habe ich zum Beispiel Skalpelle für das Krankenhaus Stift Bethlehem geschärft und Dienstleistungen für die Leichtmetallgießerei Grabow übernommen. Damit war aber 1989, als die Wende kam, schlagartig Schluss. Es gab nun hochwertige Wegwerfskalpelle und eisgehärtete Sägerbänder. Ich musste mich beruflich anderweitig orientieren.“

Aber das Hobby ist ihm geblieben. Den Messer- und Scherenschleifer Bodo Schäfer wird man ganz sicher auch im nächsten Jahr wieder des öfteren in unserer Region erleben können.

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