Dömitz : „Mister Karstadt“ sucht Rares

Andere fahren zum Fußball, Holger Bergt besucht Karstadt-Kaufhäuser. Im Stammhaus in Wismar ist er mindestens einmal im Jahr.
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Andere fahren zum Fußball, Holger Bergt besucht Karstadt-Kaufhäuser. Im Stammhaus in Wismar ist er mindestens einmal im Jahr.

Holger Bergt aus Bremen sammelt Historisches aus allen Karstadt-Kaufhäusern – das Haus in Dömitz liegt ihm besonders am Herzen

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25. Januar 2018, 21:00 Uhr

Wer Holger Bergt eine Freude machen will, der schenkt ihm einen Kleiderbügel. Nicht irgendeinen, sondern einen richtig alten Hölzernen. Am besten mit der Aufschrift „Karstadt Dömitz“. Der fehlt ihm noch in seiner Sammlung. Denn Karstadt-Kleiderbügel hat der 52-Jährige inzwischen viele. Aus Greifswald, aus Essen, aus Wismar, aus Lübeck, Schwerin , sogar aus Anklam. Der älteste ist 120 Jahre alt. Die meisten aber stammen aus den 20er-Jahren. Der Zeit, in der Rudolph Karstadt das Kaufhaus in Dömitz eröffnete. Dömitz, so Bergt, war 1926 der erste Versuch der Karstadt-AG, in kleinen Städten mit ländlicher Struktur neue Filialen zu platzieren. Zwei Mal war Holger Bergt schon persönlich hier. Das letzte Mal vor acht Jahren, als ihn Rüdiger Spur, der Sprecher des damaligen Besitzers Kai Hagen persönlich durchs Haus führte. Bergt hat schon viele Karstadthäuser gesehen - das in Dömitz sei ein besonders. Zum einen, weil die Fassade nicht aus dem für Karstadt typischen Sandstein gebaut ist, sondern mit blauem Klinker. Zum anderen, weil hier so gut wie alles im Originalzustand zu sein scheint. „Es ist weder umgebaut noch irgendetwas abgerissen worden“, sagt Bergt. „Ob Treppenaufgang, Glasdach, Eingangstür. Alles sieht so aus wie vor 92 Jahren. Sogar Türklinken und Beschläge sind noch die originalen.“

Kleiderbügel, Teller und Eierbecher von Karstadt bewahrt Holger Bergt in einer Vitrine in seinem Wohnzimmer auf.
Kleiderbügel, Teller und Eierbecher von Karstadt bewahrt Holger Bergt in einer Vitrine in seinem Wohnzimmer auf.
 

Seit fast 25 Jahren recherchiert der Bremer zur Karstadt-Geschichte. Auslöser war sein Faible für die Architektur. Besonders für den Vertikalismus mit seinen aufstrebenden Pfeilern aus Sandstein. „Eigentlich wollte ich Architektur studieren und meine Abschlussarbeit zur Karstadt-Architektur schreiben“, erzählt er. Aus dem Studium ist nichts geworden. Der 52-Jährige arbeitet heute als Schifffahrtskaufmann – seine Leidenschaft für Karstadt ist geblieben. Er sammelt alles, was er bekommen kann. Stöbert auf Flohmärkten, sucht im Internet. Gestern erst schenkte ihm ein Ehepaar aus dem Rheinland ein 30-teiliges Karstadt-Silberbesteck. „Das war wie Ostern und Weihnachten zusammen“, sagt Bergt. Er gibt selbst zu, ein bisschen verrückt zu sein. „Na und. Andere fahren quer durch Deutschland zum Fußball, ich tue das, um Sammlerstücke abzuholen.“ Seine Freunde nennen ihn liebevoll „Mister Karstadt“. Wer ihn zuhause in seiner Bremer Wohnung besucht, der fühlt sich ein bisschen wie im Museum. Da hängen Kleiderbügel an den Wänden im Flur und gerahmte Karstadt-Plakate über dem Sofa im Wohnzimmer. Für Karstadt-Tassen, Teller und versilberte Eisbecher gibt es eine Glasvitrine.

Diese Jubiläumsausgabe des Karstadt-Magazins von 1931 hat Holger Bergt im Internet ersteigert.
Diese Jubiläumsausgabe des Karstadt-Magazins von 1931 hat Holger Bergt im Internet ersteigert.

Aus Dömitz erhofft sich Holger Bergt aber nicht nur Sammlerstücke. „Meist ergibt sich vor Ort viel mehr“, sagt er. „Ehemalige Kaufhaus-Angestellte erinnern sich und erzählen viel Spannendes aus alten Zeiten.“ So sei er mit einer 95-jährigen ehemaligen Karstadt-Verkäuferin aus Leer noch heute in Kontakt. Holger Bergt: „Wenn wir zwei telefonieren, dann vergeht eine Stunde wie im Flug.“

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