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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 08:44 Uhr

Brunow : Mission Dorfladen gescheitert

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nach sechs Monaten gibt Helmuth Barheine den Konsum in Brunow auf - im Laden wird jetzt einmal in der Woche Fleisch verkauft

von
erstellt am 04.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Die Regale sind leer. Das Schild mit den Öffnungszeiten ist aus dem Schaufenster verschwunden. Der Brunower Dorfladen hat seine Wiederbelebung nicht überlebt. Zum Jahresende war Ausverkauf, im Januar hat der Rentner Helmuth Barheine den Bauernmarkt wieder besenrein übergeben. Genauso wie er ihn ein halbes Jahr zuvor von der Brunower Agrargenossenschaft übernommen hatte. Damals noch voller Zuversicht. „Ich konnte nicht anders“, hatte er im Sommer gesagt. „Der Laden ist mehr als nur ein Laden. Hier treffen sich die Menschen, reden, lachen, schnacken platt. Die Brunower brauchen ihn.“

Die Resonanz nach der Neueröffnung schien ihm Recht zu geben. „Im September dachte ich noch, das läuft“, sagt Helmuth Barheine. Aber dann kam der Herbst und der erhoffte Umsatz blieb aus. „Nur ein Drittel meiner Kunden kam regelmäßig“, erzählt der Rentner. „Ein Drittel war ab und zu hier. Das waren die, die Brötchen wollten oder mal was im Supermarkt vergessen hatten. Und das andere Drittel kam überhaupt nicht.“ Brinkfriede Kühn gehörte zu dem treuen ersten Drittel. Einmal in der Woche radelte die 81-Jährige vom anderen Ende des Dorfes zum Bauernmarkt in die Ringstraße. „Hier hat man alles bekommen, was man zum Leben so braucht“, erzählt sie. „Und beim Stöbern bin ich auf Sachen gestoßen, die ich gar nicht auf dem Zettel hatte.“ Die Schließung macht sie traurig. „Ich kümmere mich gern selbst um meine Sachen“, sagt sie. „Jetzt muss ich Listen für meine Kinder schreiben, die dann für mich in Grabow oder Berge einkaufen gehen. Dabei bin ich viel lieber unabhängig.“

Heike Pflugradt aus Bauerkuhl gehört zu denen, die nie oder ganz selten im Brunower Dorfladen vorbeischauten. „Wenn man ehrlich ist, sind wir an der Schließung auch selber schuld“, sagt sie. „Wir können nicht meckern, dass es keine Dorfläden mehr gibt, wenn wir selbst immer in den Städten einkaufen.“

Das Risiko, das Barheine mit dem Dorfladen einging, sei ihm von vornherein bewusst gewesen. „Ich habe eine Menge Zeit und auch Geld investiert. Das ist okay“, sagt er. „Was ich aber bedauere ist, dass das soziale Engagement, diesen Laden aufrecht zu erhalten, bei vielen Bürgern einfach nicht da war.“

Zwei Wochen nach der Schließung hat die Agrargenossenschaft Brunow begonnen, in dem Laden einmal wöchentlich Fleisch aus eigener Produktion zu verkaufen. Der Dorfladen ist jetzt immer freitags zwischen 10 und 19 Uhr geöffnet. Die Männer aus dem Dorf treffen sich auch weiterhin im Bauernmarkt zu ihrem Stammtisch. Auch Barheine schaut manchmal vorbei. Im Laden steht er nun wieder auf der anderen Seite der Theke. „Das Fleisch“, sagt er, „schmeckt wirklich richtig gut.“

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