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Ludwigsluster Tageblatt

24. September 2017 | 21:26 Uhr

Leussow : Misses Paul packt ihre Koffer

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Englisch-Lehrerin startet zum nächsten Einsatz in Tansania – und zieht ins Amt Neuhaus / Kursteilnehmer spenden 900 Euro für Vereinsarbeit

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Helen Paul sitzt auf gepackten Koffern. Und das gleich doppelt. Am Donnerstag geht ihr Flieger nach Tansania, wo sie drei Monate lang Entwicklungsarbeit leisten wird. Wenn sie im Oktober zurückkehrt, werden auch ihre anderen Sachen nicht mehr in Leussow sein. Helen Paul und ihr Mann haben das zu groß gewordene Haus verkauft und ziehen an die Elbe ins Amt Neuhaus. Damit endet auch an der Kreisvolkshochschule eine Ära. 23 Jahre lang hatte die Britin in Ludwigslust und Umgebung Englischkurse gegeben.

Noch länger – seit 33 Jahren – engagiert sich Helen Paul in Ostafrika. Nach ersten längeren Einsätzen für die Hilfsorganisation „Voluntary Service Overseas“ fing sie an, private Spendenaktionen zu organisieren, um auf der Insel Pemba, insbesondere in den dortigen Schulen, zu helfen. Inzwischen steht ihr der Verein „Sisi Pamoja – Gemeinsam mit Pemba Island e.V.“ dabei zur Seite. „Wir wollen, dass die Spenden 1 zu 1 auf Pemba ankommen“, sagt die 68-Jährige. „Deshalb bezahlen wir unsere Reisen dorthin auch immer aus der eigenen Tasche.“

Das Programm für die nächsten Wochen in Tansania steht. Helen Paul wird die drei Partnerschulen besuchen und nächste Vorhaben absprechen. Sie wird eine Fortbildung für die Trainer machen, die die dortigen Lehrer anleiten. Und natürlich schaut sie in der Vorschule vorbei, die der Verein unterstützt. „Es ist die erfolgreichste Vorschule von Pemba, auch dank unserer Spenden“, sagt Helen Paul. „Jetzt wollen wir besprechen, ob man nicht auch eine Grundschule aufbauen kann.“ Für Waisen und Halbwaisen, die die Vorschule besuchen, hat der Verein Patenschaften übernommen und bezahlt das Schulgeld. Nach dem Erfolg der Arbeit befragt, denkt Helen Paul kurz nach. „Man kann nicht sagen, dass wir alle damit erreichen. Wir können nicht das ganze Bildungssystem ändern. Aber die Lehrer, mit denen wir gearbeitet haben, sind schon besser als sie anderen.“

Inzwischen ist Helen Paul auch noch für den Senior Expert Service (SES), eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit, tätig. An der Hospitality School in Moshi im Nordosten Tansanias hat sie gemeinsam mit den Lehrern den Rahmenlehrplan erarbeitet. „Dort werden gefährdete junge Frauen darauf vorbereitet, in Hotels und ähnlichem zu arbeiten“, erzählt Helen Paul. „Dazu brauchen sie Englisch.“ Die Mädchen befinden sich inzwischen im Praktikum. „Dort werde ich hospitieren und schauen, wie ihr Englisch ist und ob wir den Rahmenplan verändern müssen.“

Nach ihrer Rückkehr aus Ostafrika wird Helen Paul in Groß Kühren, direkt am Elberadweg, leben. Trotz der großen Entfernung nach Ludwigslust kann sie von ihren Englisch-Schülern nicht ganz lassen. „Vielleicht veranstalte ich künftig Englisch-Weekends und mache Fortbildungen für die Kursleiter“, blickt sie voraus. Auf jeden Fall werde sie bei den Sprachreisen zur Manchester Language School weiter dabei sein. Zum Abschied haben ihr die Kursteilnehmer eine besondere Freude gemacht. „Sie wissen um die Projekte unseres Vereins und haben 900 Euro gespendet“, so Misses Paul, wie sie bei den Schülern immer hieß. „Dafür bedanke ich mich.“

Die Arbeit für „Sisi Pamoja“ setzt Helen Paul, die seit 1979 in Deutschland lebt, auch künftig fort. Vor allem die Projekttage an den Schulen, bei denen sie und andere Mitglieder den Kindern die afrikanische Kultur näherbringen wollen. Daraus ist sogar eine Schulpatenschaft entstanden – zwischen der Diesterweg-Schule in Hagenow und  der Schule auf Mako’ongwe. Und auch zwischen der Msuka-Schule auf Pemba und dem Crivitzer Gymnasium „Am Sonnenberg“ gibt es erste Kontakte. „Eine Gruppe von Schülern und Lehrern will im nächsten die Msuka-Schule besuchen“, erzählt Helen Paul. Da bleibt noch etwas Zeit, den Jugendlichen ein bisschen Swahili, eine in Ostafrika weit verbreitete Sprache,  beizubringen. Helen Paul beherrscht sie – und studiert sie derzeit sogar in Hamburg.

Sisi Pamoja

Der Verein „Sisi Pamoja – Gemeinsam mit Pemba Island e.V.“ hat rund 20 Mitglieder. Er finanziert mithilfe von Spendengeldern Renovierungsarbeiten und Ausstattungen an Schulen auf der Insel Pemba (Tansania) und übernimmt Patenschaften für Kinder einer Vorschule. In MV führen die Mitglieder Projekttage  an Schulen und Kitas durch. Das Spendenkonto bei der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin hat die IBAN-Nummer: DE1814052000 1710014004

 

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