Hagenow : Ministerium zieht Gerichtsdirektor ab

siegmar hackbarth
1 von 1

Eine Belastung vor Ort; eineinhalb Jahre vor geplanter Standortschließung in Hagenow – dabei steht „Mammutaufgabe“ an

svz.de von
28. Dezember 2013, 11:00 Uhr

Völlig überraschend für die Mitarbeiter ist der Direktor des Hagenower Amtsgerichtes von heut auf morgen abgezogen worden. Noch bevor die Gerichtsreform greift. Noch bevor das Amtsgericht zum 1. April 2015 schließen soll. Schon lange vor Verabschiedung des Reform-Gesetzes im Oktober dieses Jahres wurde hinter vorgehaltener Hand darüber gemunkelt, dass der Direktor sich im Kampf um den Erhalt des Standortes bewusst zurückhält, weil für ihn ein Posten im Justizministerium reserviert wurde. Seit dem 1. November ist es nun amtlich. Er ist für zwei Jahre abgeordnet worden.

Die Mehrarbeit bleibt an den vier übrigen Richtern hängen. Auch, wenn ab Januar eine halbe Kraft als Verstärkung ins Team kommt, gleicht das nicht den Verlust des Direktors aus. Er war mit einem Anteil von 0,6 Richterpensen im Zivilrecht aktiv, zur anderen Hälfte als Direktor in der Verwaltung. „Um das aufzufangen, haben wir die Geschäfte neu verteilt“, sagt Richter, Pressesprecher und Vertretungsdirektor Siegmar Hackbarth auf SVZ-Anfrage.

Beim Familienrichter bleibt alles wie gehabt; einer der beiden Strafrichter erhält zusätzliche Betreuungsfälle; die Zivilrichterin übernimmt die Fälle vom ehemaligen Direktor. Jeder habe in den beiden Monaten 0,1 bis 0,2 Richterpensen mehr verkraften müssen, so Siegmar Hackbarth. Der Strafrichter bekommt den Posten des Gerichtsdirektors oben drauf, obwohl er nach wie vor eine volle Richterstelle mit 400 Strafverfahren, hunderten Betreuungsverfahren und Bewährungsanhörungen pro Jahr besetzt. Schaffen würde er das, sagt Hackbarth. „Es bedeutet aber Überstunden“.

Warum das Justizministerium den Direktor so früh vor der Gerichtsschließung abgezogen hat, wollte die Pressestelle auf Nachfrage nicht beantworten. Genauso wenig die Frage, wie sich der Stellenverlust auf die Qualität der Gerichtsarbeit sowie die Moral der Mitarbeiter vor Ort auswirken könnte und warum das Ministerium die Mehrbelastung der Hagenower Angestellten einfach so hinnimmt. Zumal in den kommenden eineinhalb Jahren ein aufwendiger Umzug angesichts der Standortauflösung ansteht. Nur so viel: Die Abordnung sei langfristig, seit 2012, geplant gewesen, heißt es aus Schwerin. Mit Blick auf das Gesetzgebungsverfahren und die Entscheidung des Landtages zur Gerichtsstrukturreform sei diese Maßnahme dann immer wieder zurückgestellt und schließlich mit Entscheidung des Landtages über das Reformgesetz am 9. Oktober umgesetzt worden.

Dabei komme auf die Hagenower eine „Mammutaufgabe“ zu, schätzt Richter Siegmar Hackbarth. Schon jetzt trifft er sich regelmäßig mit den anderen beiden Gerichtsdirektoren im Landkreis, um die Umzüge vorzubereiten. Zeitpläne und Strukturen gebe das Ministerium vor, das Fußvolk müsse alles umsetzen, so Hackbarth. Akten sortieren, eventuell Daten aus dem Computer per Hand übertragen... Denn bislang seien die Rechner der Standorte nicht miteinander verknüpft.

„Ein immenser Arbeitsaufwand. Überstunden werden vorausgesetzt.“ Dabei habe der überraschende Abzug des Direktors die Arbeitsmoral in Hagenow nicht gerade gefördert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen