zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

12. Dezember 2017 | 17:05 Uhr

ludwigslust : Minister-Lob für Windparkprojekt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Christian Pegel hebt Ganzheitlichkeit des Ludwigsluster Konzepts hervor / Ziel: Jede einzelne Kilowattstunde nutzen

Wer in der Nähe der Windenergieanlagen des geplanten kommunalen Windparks Ludwigslust wohnt, kann vom Ertrag möglicherweise auch ganz persönlich etwas abbekommen. Die geplante Tochtergesellschaft der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow soll nach derzeitigem Stand eine GmbH & Co. KG sein, die stille Beteiligungen von Anwohnern erlaubt. „Damit wollen wir der geforderten Bürgerbeteiligung Rechnung tragen“, hatte Stadtwerke-Geschäftsführer Wulf-Peter Bosecke Landesenergieminister Christian Pegel (SPD) bei dessen Besuch in Ludwigslust erklärt. Inzwischen hat das Schweriner Regierungskabinett das entsprechende Gesetz gebilligt, das in diesem Monat in den Landtag gehen soll.

Es war aber nicht die Beteiligungsmöglichkeit, die den Minister faszinierte. „Ich bin schwer beeindruckt von der Ganzheitlichkeit des Projektes“, sagte Christian Pegel. Die nach jetzigem Stand drei kommunalen Windräder sollen auf ausschließlich kommunalen Grundstücken entstehen. Der Strom soll nicht ins vorgelagerte Netz eingespeist, sondern im Stadtwerke-Netz verbraucht werden. „Das spart Netzentgelte und verringert Leitungsverluste“, so Wulf-Peter Bosecke. Und produzieren die Windräder gerade mehr Strom, als die Ludwigsluster verbrauchen, wird der Überschuss genutzt, um im „Power to heat“-Verfahren in großen Speichern Wasser für das Fernwärmenetz zu erhitzen. „Wir wollen nicht eine Kilowattstunde durch Abschaltung der Anlagen verlieren“, so der Stadtwerke-Geschäftsführer. Die Stadt könnte nach Aussage Boseckes mehrfach profitieren – durch Pachteinnahmen für die Grundstücke, durch Gewerbesteuereinnahmen und durch die Erträge aus der Windenergieerzeugung. Er prognostiziert in der Summe rund 550 000 Euro pro Jahr – im ungünstigsten Fall.

Eine Idee, wofür das Geld verwendet werden soll, wird längst öffentlich diskutiert. Für ein Schwimmbad und dessen Betriebskosten. „Wir müssen den Ludwigslustern sagen können, was wir konkret für sie haben, wenn sie Windräder ertragen müssen“, sagte Bürgermeister Reinhard Mach. „Eine Reduzierung des Strompreises wäre wie eine Gehaltserhöhung – nach drei Monaten ist sie selbstverständlich.“

Die Stadt wollte beim Minister auch um Unterstützung werben. Denn ihr Ziel, bis Ende 2016 die Genehmigungen für die Errichtung der Windräder zu haben, ist sportlich. Um ein Zielabweichungsverfahren beantragen zu können (um von den aktuellen Zielen der Regionalplanung abweichen zu dürfen), muss ein entsprechender Flächennutzungsplan vorliegen. Dafür muss zweimal die Öffentlichkeit beteiligt werden. Erst mit dem F-Plan kann die Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) beantragt werden, und die Genehmigungsbehörde wird im kommenden Jahr reichlich zu tun bekommen. Denn die Ludwigsluster sind nicht die Einzigen, die bis Ende 2016 Baurecht für ihren Windpark geschaffen haben wollen.

Hintergrund ist die geplante Änderung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Nach dem derzeit vorliegenden Entwurf muss der Bau neuer Windparks ab 1. Januar 2017 öffentlich ausgeschrieben werden. Der Anbieter, der mit der geringsten Vergütung pro Kilowattstunde auskommt, bekommt den Zuschlag. „Dadurch könnten kleinere Anbieter in die Warteschleife gedrängt werden“, gab Wulf-Peter Bosecke zu bedenken. Und irgendwann rechne es sich für sie nicht mehr. Eine ursprünglich angedachte Ausnahmeregelung für kleine Windparks mit bis zu drei Anlagen oder sechs Megawatt sei im derzeitigen Entwurf aber nicht enthalten. Nach Aussage Christian Pegels ist eine solche Schwellenregelung auch ein Vorschlag der Länder. „Drei halte ich dabei für eine gute Größe“, so der Minister. Ob sie aber kommt, könne man derzeit nicht prognostizieren.

Die Stadtwerke treiben nach dem Votum der Stadtvertretung (SVZ berichtete) das Projekt weiter voran. Man sei gerade dabei, die Verträge für Planungs- und Gutachtertätigkeit abzuschließen, so der Geschäftsführer. Das betreffe vor allem den Vogelschutz und den Windertrag. Zudem sei man auf der Suche nach einem Experten für das geplante Denkmalschutzgutachten.

Von den Vorarbeiten für das Projekt, die Wulf-Peter Bosecke schon geleistet hat, ist auch Stadtvertreter und Landtagsabgeordneter Detlef Müller (SPD) angetan. „Er ist persönlich sehr engagiert, und ich staune, was für Ideen er entwickelt hat.“  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen