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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 23:31 Uhr

Ludwigslust : Milchschwemme ertränkt Landwirte

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bauern fordern von der ab heute tagenden Agrarministerkonferenz im Hotel Fleesensee eine Reduzierung der Produktion

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Heute beginnt im Hotel Fleesensee Göhren-Lebbin die Agrarministerkonferenz des Bundes und der Länder. MV hat in diesem Jahr den Vorsitz, und die Bauern in der Region erwarten Konkretes von Landwirtschaftsminister Till Backhaus. Bauernverband und Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) in der hiesigen Region stehen Schulter an Schulter. Den meisten Milchbauern steht das Wasser bis zum Hals. Das Deutsche Milchkontor, die größte deutsche Molkerei, hat bereits angekündigt, dass der Milcherzeugerpreis, der gegenwärtig bei 23 Cent liegt, im Juni auf 21 Cent sinken wird. Um wirtschaftlich zu produzieren, brauchen die Bauern aber rund 40 Cent. Eine Situation ist entstanden, in der in vielen Ställen die Boxen kurz vor der Räumung stehen.

Helge Dieckmann vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter sieht die Lage sehr ernst. Sterben die Landwirtschaftsbetriebe, sterben auch die sozialen Strukturen in den Dörfern, die von der Leistungskraft der Betriebe Impulse erhalten. Die Milchproduktion ist der arbeitsintensivste Bereich in der Landwirtschaft. Sie schafft Arbeitsplätze, die auf der Kippe stehen. Verpächtern, die die Pacht für die Absicherung im Alter eingeplant haben, droht der Verlust dieser Einnahme. Und auch die schwindende Grünlandbewirtschaftung durch nicht mehr benötigte Weide könnte zum ökologischen Problem werden. „Die Politik muss die Spielregeln bei der landwirtschaftlichen Erzeugung bestimmen, aber die gibt es gegenwärtig nicht“, sagt Dieckmann. Harald Elgeti vom Bauernverband Ludwigslust ist überzeugt, dass die Landwirte nicht nur aus MV in Göhren-Lebbin auf die katastrophale Lage aufmerksam machen werden, auf welche Weise, bleibt noch offen.

Die Milcherzeuger seien die letzten in der Kette, erklärt Elgeti. „Der Einzelhandel zieht seine Einbußen bei den Preisen für die Frischeprodukte vom Milchgeld ab. Die Bauern haben aber nichts mehr, womit sie ihre Minusbeträge ausgleichen könnten“, erklärt Elgeti. Also bleibt vielen Milchbauern keine andere Möglichkeit, als die Menge der erzeugten Milch zu erhöhen. Das aber führt zu einer weiteren Absenkung des Milchpreises. Landwirte müssen ihre Milch an die Molkereien abliefern. Sie sitzen also im sprichwörtlichen Hamsterrad, das sich immer schneller dreht. „Wir haben gegenwärtig zehn bis 15 Prozent zu viel Milch am Markt in Europa“, sagt Harald Elgeti.

„Es muss sich endlich etwas ändern“, so Helge Dieckmann, der auch Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Brunow ist. „Wir brauchen dringend eine Mengenreduzierung in der Milchproduktion“, so Dieckmann. Fachleute schätzen, dass gegenwärtig 1500 Euro pro Kuh im Jahr an Verlusten eingefahren werden. Eine Situation, die die Bauern allein nicht lösen können, in der sie die Politik brauchen, darin sind sich Bauernverband und BDM in der Region einig. Die vor Jahren abgeschaffte Milchquote kommt wieder in die Diskussion. „Das System an sich war nicht schlecht“, sagt Dieckmann. „Die Politik hat die Quote nur ständig erhöht, das war falsch!“

Es herrscht Einigkeit zwischen Bauernverband und der Interessenvertretung der Milchproduzenten in der Region. Nur Mengen reduzierende Maßnahmen der Politik sind das einzige wirkungsvolle Mittel zur Abwendung der gegenwärtigen katastrophalen Situation auf den Milchhöfen.

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