Brunow : Milchpreis macht Landwirte sauer

Helge Dieckmann (r.) und Silvio Krüger sind Vorstände der Agrargenossenschaft Brunow. Die gegenwärtige Lage am Milchmarkt sehen sie bedrohlich.
Helge Dieckmann (r.) und Silvio Krüger sind Vorstände der Agrargenossenschaft Brunow. Die gegenwärtige Lage am Milchmarkt sehen sie bedrohlich.

Auch Fleischpreis bricht immer weiter ein: Brunower Agrargenossenschaft schließt zum Herbst die Schweinemast

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12. August 2015, 07:00 Uhr

Die Lage für die Milchbauern ist katastrophal. „Sie stellt sich zur Zeit noch schlechter dar als noch 2009“, sagt Helge Dieckmann, Geschäftsführer der Brunower Agrargenossenschaft. Die großen Lebensmittelkonzerne würden die weltweite Überproduktion dazu nutzen, die Erzeugerpreise zu drücken. Er ist davon überzeugt, dass sich die Molkereien von den großen Handelsketten erpressen lassen. Die Bauern haben keinen Spielraum. Ein Großteil der Landwirte ist aufgrund ihrer Mitgliedschaft in Molkereigenossenschaften gezwungen, ihre gesamte Milch an diese zu liefern, ohne zu wissen, welchen Preis sie dafür bekommen. Dieser Zustand sei so nicht haltbar.

Seit vergangenem Jahr sei die Negativ-Tendenz erkennbar gewesen, so Helge Dieckmann. Seit April 2014 ist nach seinen Worten der Milchpreis um ein bis zwei Cent pro Monat gefallen. Im Juni 2015 lag er bei 27 Cent pro Kilogramm. Um die Kosten voll zu decken, sind laut European Milk Board in Mecklenburg zur Zeit 41 Cent nötig. Für die Brunower Agrargenossenschaft bedeutet das einen monatlichen Erlösausfall von 36 000 Euro, das sind rund 400 000 Euro im Jahr. Das DMK (Deutsches Milchkontor) – größtes Molkereiunternehmen im Lande - bündele zum Beispiel ein Viertel der deutschen Milchmenge. Trotzdem habe das nicht den Effekt, die großen Handelsketten zu beeinflussen. „Die Molkereien wollen es auch gar nicht“, ärgert sich Dieckmann. „Es gibt ja noch die Bauern, auf die man den Kostendruck abwälzen kann. Die kriegen dann eben immer weniger für ihre Arbeit.“

Einen Ausweg sieht der Geschäftsführer in der Bündelung des Milchverkaufs vor den Molkereien durch Erzeugergemeinschaften der Bauern. Ziel dieser Erzeugergemeinschaften ist es, Verträge abzuschließen und Preise zu vereinbaren. Es gibt sie bereits, und die gegenwärtige Stimmung unter den Milchbauern ist schlecht genug, so dass sich in dieser Richtung etwas bewegen könnte. Die zweite Alternative liest sich für Helge Dieckmann wesentlich schlechter. Die bestünde nämlich in der weiteren Kostenminimierung im Landwirtschaftsbetrieb selbst. Und da würde dann die soziale Schiene aufs Abstellgleis führen. Der Brunower Bauernmarkt, Erntefest, Weihnachtsmarkt… - all das müsste in Frage gestellt werden. „Dagegen sträube ich mich, denn da hängt mein Herzblut dran“, sagt Dieckmann. Er denkt dabei auch an die dörfliche Gemeinschaftsaktion am zurückliegenden Wochenende zurück, als 35 Dorfbewohner aufs Feld bei Bauerkuhl gekommen waren, um auf historische Art und Weise Roggen zu ernten.
Am 7. September werden sich in Brüssel die EU-Agrarminister treffen. Wenn sich dann Milchbauern aus ganz Europa in der belgischen Hauptstadt zum Protest einfinden, sind auch die Brunower Landwirte dabei.


Angebote aus Schwerin überzeugen nicht


Die Situation ist aber nicht nur bei der Milcherzeugung schlecht. Die Brunower Agrargenossenschaft ist ein gemischt aufgestellter Betrieb. Auch bei der Schweineproduktion sind die Erzeugerpreise eingebrochen. Und zwar so dramatisch, dass sich die Brunower Genossenschaft zu einem bisher nie dagewesenen Schritt entschlossen hat: Ab Oktober dieses Jahres stellt sie die Schweineproduktion vorübergehend ein.

Die preisliche Schieflage verdeutlicht Helge Dieckmann an einem Beispiel. „Wenn draußen auf dem Hof eine Maschine repariert werden muss, kostet die Arbeitsstunde 60 Euro. Das ist der Gegenwert der Tagesmilchleistung von sieben Kühen. Für zwei Arbeitsstunden müssen wir ein Schwein verkaufen, das vier Monate lang gemästet wurde.“

Was Landwirtschaftsminister Till Backhaus den Landwirten anzubieten hat, überzeugt Dieckmann nicht. Der schreibt, mit den Finanzbehören sei vereinbart worden, bei einzelnen Betrieben auf Antrag die steuerlichen Vorauszahlungen anzupassen bzw. Zahlungen zu stunden. „Auch das Liquiditätshilfeprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank sowie das Bürgschaftsprogramm des Landes können bei finanziellen Problemen der Veredlungsbetriebe weiterhelfen“, heißt es aus dem Schweriner Landwirtschaftsministerium. Die Brunower sehen darin nur eine Verschleppung des Problems. Und Backhaus’ Appell an den Lebensmitteleinzelhandel, mit den Preisschlachten aufzuhören, ist für die Brunower Bauern das Papier nicht wert, auf dem es steht.

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