Dadow : Milchbauern in die Krise gestürzt

„Eure Politik vernichtet die Milchbauern“ steht auf dem Schild von Jelle (l.) und Jakob de Vries aus Dadow.
„Eure Politik vernichtet die Milchbauern“ steht auf dem Schild von Jelle (l.) und Jakob de Vries aus Dadow.

Überangebot lässt den Preis immer weiter in den Keller gehen. Protestaktionen zur Agrarministerkonferenz in Rostock geplant.

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18. August 2016, 07:00 Uhr

„Eure Politik vernichtet die Milchbauern. Gebt uns unsere Existenz zurück. Kostendeckende Preise durch Kriseninstrument (MVP) – jetzt!“ steht auf einem großen Schild des EMB (European Milk Board) auf dem Grundstück von Bauer Jakob de Vries in der Langen Straße in Dadow. Seit 25 Jahren gibt es hier dieses landwirtschaftliche Unternehmen. Aber die Zeichen für die Milchbauern stehen aktuell schlecht. Seinem Sohn Jelle de Vries steht das Wasser bis zum Hals. Der Milchbauer aus Dadow kämpft wie viele seiner Kollegen ums Überleben. Das Überangebot an Milch drückt auf den Preis. „33 Cent haben wir an Produktionskosten für einen Liter Milch, im letzten Monat erhielten wir von der Molkerei in Waren/Müritz, an die wir liefern, 20 Cent“, so der 43-jährige Landwirt. Das alles reicht nicht aus. „Mit mir sind es elf Mitarbeiter, die in Lohn und Brot stehen“, sagt Jelle de Vries, der von seinem Vater Jakob vor drei Jahren den Betrieb übernahm. Aktuell gehören zum Bestand des Familienunternehmens 400 Milchkühe samt Nachzucht, 300  000 Liter Milch werden im Monat produziert. Das ist nach dem Wegfall der Milchquote nicht wesentlich weniger, und dennoch steht für den Milchviehbetrieb am Monatsende ein Minus von rund 45  000 Euro zu Buche – weil der Milchpreis so sehr in den Keller gegangen ist. Jakob de Vries geht da hart mit der Politik ins Gericht. „Die Politiker müssen ihre Hausaufgaben machen, auf europäischer Ebene muss was passieren“, macht er seinem Unmut Luft. „Wenn Minister Backhaus sagt, ihr müsst weniger Milch produzieren, dann funktioniert das so nicht. Diese Entscheidung muss von oben kommen, von der Politik, von Brüssel, sonst ändert sich nichts. Oder sollen wir an der Grenze stehen und die ganzen Laster aufhalten, die Milch zu uns ins Land bringen?“

Finanziell steht Jelle de Vries das Wasser bis zum Hals. Um wirtschaftlich arbeiten und existieren zu können, wäre ein Milchpreis pro Liter von 45 bis 50 Cent erforderlich. „Vielleicht ein halbes Jahr noch, dann wird es eng. Unsere Existenz ist wie die vieler anderer auch gefährdet.“ Jakob de Vries fügt hinzu: „Wir haben keine Rücklagen mehr, es ist kein Geld da für Investitionen. Den Lohn, den wir zahlen, zahlen wir auf Pump.“ Jelle de Vries sieht auch ein großes Problem in dem Embargo gegen Russland, Absatzmärkte sind weggebrochen. „Und ein weiteres Problem sehe ich darin, dass die großen Handelskonzerne unsere Betriebe aufkaufen“, so Jelle de Vries. „Wenn nicht Milchquote, dann eben Mengenregulierungen, der Staat muss das deckeln“, fordert Jakob de Vries. „Es kann nicht sein, dass wir unsere Produkte auf dem Markt verramschen“, so der 69-Jährige. Er verweist auf die nächsten Aktionen der Milchbauern, die zur Agrarministerkonferenz im September in Rostock stattfinden werden. „Hier kommen die Minister zu ihrer Herbstkonferenz zusammen. Dort werden dann verschiedene Verbände und Interessengruppen mit unterschiedlichen Aktionen auf sich aufmerksam machen“, so Nicole Gottschall, die Geschäftsführerin des Bauernverbandes Ludwigslust. „Von Bauernverband und BDM, Bund Deutscher Milchviehhalter, wird es eine gemeinsame Aktion geben, weil beide Verbände in der Mengenregulierung an einem Strang ziehen. Der Haupttag der Proteste wird der 8. September sein, da dann die Agrarminister im Hotel ,Neptun’ beraten“, so Nicole Gottschall.

Am Freitag werde es ein Treffen geben, wo dann im Detail das Vorgehen beraten wird. „Es ist fünf vor 12 und das schon seit dem Frühjahr, als die Agrarministerkonferenz in Göhren-Lebbin tagte. Wir hatten gehofft, dass dort schon ein Zeichen für die Bauern gesetzt wird.“

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