Brunow : Milchbauern geht die Luft aus

Entschlossen zu demonstrieren: Jacob de Vries, Chrstian Karp, Silvio Krüger, Anica Dahse, Nicole Leppin-Tuischer und Helge Dieckmann (v.l.n.r.).
Entschlossen zu demonstrieren: Jacob de Vries, Chrstian Karp, Silvio Krüger, Anica Dahse, Nicole Leppin-Tuischer und Helge Dieckmann (v.l.n.r.).

Landwirte aus der Region fahren zur Demonstration gegen niedrige Erzeugerpreise nach Brüssel / Verband fordert zum Mitmachen auf

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04. September 2015, 07:00 Uhr

Sie sind gestandene Landwirte mit gesunden Betrieben. Dennoch haben sie die Nase voll vom aktuell niedrigen Milchpreis. Jacob de Vries aus Dadow, Christian Karp aus Kraak und Helge Dieckmann aus Brunow sitzen an einem Tisch, um sich abzusprechen. Am Sonntag geht es los. Dann fahren die Bauern zusammen mit Gleichgesinnten aus ganz Deutschland nach Brüssel. Dort findet eine Sonderkonferenz der europäischen Agrarminister statt. Landwirte aus ganz Europa werden ihnen vor Ort lautstark ihre Meinung sagen.

Was sich in Sachen Milchpreis tut, ist für die Veredlungsbetriebe nicht mehr zu ertragen. Der Preis, den sie von den Molkereien bekommen, befindet sich im freien Fall. Monat für Monat sinkt er um einen Cent. Schon heute liegt er um zwölf Cent unter dem Produktionspreis. Bisher konnten die Landwirtschaftsbetriebe dieses Minus mit Stützungen aus anderen Produktionsbereichen noch kompensieren. Doch das Ende der Fahnenstange ist erreicht. „Immer mehr Betriebe müssen ihre Milchproduktion einstellen“, sagt Christian Karp, der Landesvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Und so werden sich am Sonntag um 7 Uhr von der Wittenburger Mühle aus zehn Pickups aus ganz Westmecklenburg auf den Weg nach Brüssel machen. Am Sonntagabend fährt von Ludwigslust aus ein Bus mit Mitgliedern des Bauernverbandes und des BDM in die belgische Hauptstadt, um rechtzeitig vor Ort zu sein, wenn sich die Landwirtschaftsminister am 7. September versammeln.

Die Bauern fordern, dass die Politik Regeln schafft. „Kurzfristig muss die Produktionsmenge von Milch verringert werden. Sonst richtet es der Markt“, unterstreicht Helge Dieckmann. Er redet dabei von einem Zeitraum von sechs Monaten. Der BDM fordert unter anderem ein Marktverantwortungsprogramm: Wer trotz Krise seine Produktion steigert, leistet eine Abgabe, wer freiwillig weniger produziert, bekommt einen finanziellen Ausgleich. Was eine Regelung durch den Markt hingegen bedeuten würde, bekäme die ländlich geprägte Region in Mecklenburg sehr deutlich zu spüren. Die soziale Schiene wäre das erste, was auf der Strecke bliebe. Man müsse sich dann zuallererst um den Erhalt der Betriebe kümmern, sind sich die drei Landwirte am Tisch einig. Das wäre auch eine bittere Pille für die Brunower, deren Bauernmarkt im Dorfzentrum, der maßgeblich von der Agrargenossenschaft geprägt wird, dann auf der Kippe stünde. Genauso wie das gesellschaftliche Leben im Ort. In anderen Gemeinden ist es ähnlich.

Und noch ein anderer wesentlicher Faktor kommt hinzu: Die Veredlung in der Landwirtschaft ist es, die Arbeitsplätze schafft. Ginge sie verloren, stünde auch ein Großteil der Jobs auf der Kippe.

Die drei Landwirte fordern alle Milchviehhalter auf, an der Kundgebung am Montag in Brüssel teilzunehmen.

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