Conow : Michel als genervter Wirt

„Oh, ist der süß“: Endlich hat auch der Wirt – alias Michel Schult – die Geburt Jesu bemerkt. Fotos: Kathrin Neumann
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„Oh, ist der süß“: Endlich hat auch der Wirt – alias Michel Schult – die Geburt Jesu bemerkt. Fotos: Kathrin Neumann

Kinder und Jugendliche studieren Krippenspiel für Christvesper in Conow ein / Chorraum in der Kirche nach Sanierung wieder nutzbar

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24. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Lynn und Marie haben ihre langen Umhänge übergestreift und die golden glänzende Krone aus Pappe aufgesetzt. Jetzt schauen sie schnell noch einmal in den Text. „Bis heute sollten wir ihn auswendig können“, sagt die 13-jährige Lynn. „Aber das war kein Problem.“ Es ist eine der letzten Proben vor ihrem Auftritt in der Conower Kirche. Gemeinsam mit anderen Mädchen und Jungen führt sie bei der Christvesper am Heiligen Abend das Krippenspiel auf. Die junge Niendorferin ist Melchior, einer der Heiligen drei Könige. Marie spielt Kaspar. Als sie vor ein paar Wochen gefragt worden waren, ob sie mitmachen würden, hatten die Schülerinnen gleich zugestimmt. „Ist doch lustig, mal ein bisschen zu schauspielern“, sagt die Zwölfjährige. Dann gehen die beiden Könige zu den anderen Darstellern, die in den hinteren Kirchenbänken warten.

Die Conower können auf einen großen Fundus an Kostümen und Requisiten zurückgreifen. Schließlich wird in jedem Jahr ein Krippenspiel für die Christvesper einstudiert. Dörte Hasenpusch ist in Conow zum zweiten Mal dabei. „Die Grundgeschichte ist immer gleich. Wir haben diesmal aber ein paar Nuancen eingebaut, die an manchen Stellen auch zum Schmunzeln anregen“, sagt die Pastorin zur Anstellung, die die Weihnachtsgeschichte gemeinsam mit Antje Schult inszeniert.

Inzwischen hat Eddy Steinfatt in der Kirche die Technik installiert, damit die Acht- bis 16-Jährigen mit Mikrofonen proben können. Michel spielt den Wirt von Bethlehem, der sich nach einem anstrengenden Arbeitstag erschöpft aufs Klappbett legt. Als es nach der Ankunft von Maria, Josef und dem Sternenengel wieder an seiner Tür klopft, verliert er fast die Nerven. „Wir sind drei Hirten“, sagt Johannes, und der aus dem Schlaf gerissene Wirt entgegnet: „Ja und, Schafe verloren?“ Als die drei Besucher dann auch noch nach dem Stall fragen, platzt ihm der Kragen. „Hinterm Haus“, brüllt Michel ins Mikro und einige andere Darsteller halten sich amüsiert die Ohren zu. „Ach, Michel, ich glaube, dafür brauchst du kein Mikrofon“, sagt Dörte Hasenpusch. Und tatsächlich. Auch ohne Technik ist der Ausruf des 13-Jährigen in der ganzen Kirche bestens zu verstehen. Und dann schreiten vier Englein in dicken Stiefeln durch den Mittelgang heran. Sie singen „Stern über Bethlehem“ und wollen natürlich auch zum Stall, in dem die Krippe mit dem gerade geborenen Jesus steht. Jetzt endlich geht auch der Wirt nachschauen, was hinter seinem Haus in dieser Nacht los ist. Das Krippenspiel ist vorbei. „Wenn ihr mit dem Wirt sprecht, müsste ihr dorthin schauen“, sagt Dörte Hasenpusch und weist auf die Kirchenbänke. „Sonst sehen die Besucher nur eure Rücken.“ Und dann geht es von vorn los.

Das Bühnenbild für die Weihnachtsgeschichte mit Stall, Krippe, Baby und ein paar Strohballen ist in diesem Jahr endlich wieder im Chorraum der Conower Kirche aufgebaut. „Der Chorraum war bis vor Kurzem gesperrt, weil er einsturzgefährdet war“, erklärt die Pastorin. „Jetzt ist ein Anker eingezogen worden, der für Stabilität sorgt.“ Auch der Balkon im Nordostbereich der Kirche kann nach dem ersten Abschnitt der Sanierung wieder genutzt werden. Das undichte Dach wurde neue gedeckt, vom Schwamm befallenes Gebälk ausgetauscht. An der gegenüberliegenden Seite stehen diese Arbeiten noch aus.

Nach drei Durchläufen ist die Probe zu Ende. „Den Text können die Kinder schon sehr gut“, sagt Dörte Hasenpusch, die sich von einigen ein bisschen mehr Disziplin wünschen würde. „Aber das ist nachher anders, wenn das Krippenspiel Heiligabend aufgeführt wird und alle ein bisschen aufgeregt sind.“ Dann wird auch die Gitarrengruppe in größerer Besetzung dabei sein, die zwischen den Szenen für die musikalische Untermalung sorgt. „Wir wissen noch nicht, ob mit Gitarren- oder Keyboardbegleitung“, sagt Sandra Harnack, die das Krippenspiel bei der Probe auf der Flöte mitgestaltet hatte.

Heute Abend wird es für die jungen Schauspieler ernst. „Besonders aufgeregt sind wir nicht“, sagt Marie und Lynn nickt zustimmend. Um 16.30 Uhr beginnt die Christvesper in der Conower Kirche. Die Gitarrengruppe wird aber schon in der Stunde davor Weihnachtslieder spielen, um den frühzeitig gekommenen Besuchern die Wartezeit zu verkürzen.

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