Karenz : Messe informiert über Windpark

Bürgermeister Detlef Schranck bei der Infomesse im Gespräch mit Bewohnern aus der Region.
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Bürgermeister Detlef Schranck bei der Infomesse im Gespräch mit Bewohnern aus der Region.

ABO Wind sucht das Gespräch mit Einwohnern aus der Region / Antrag für Karenzer Projekt bereits gestellt

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26. September 2017, 07:00 Uhr

Joachim Tiede schaut sich interessiert die Bilder an. So würden die geplanten Windräder von Menkendorf aus also aussehen. „Das dort ist das letzte Haus im Ort. Die Bewohner hätten auch herkommen sollen, um sich das anzusehen“, sagt der Menkendorfer. Er steht im Mehrzweckgebäude in Niendorf, umgeben von Informationstafeln über das Projekt „Windpark Karenz“. Die Firma ABO Wind hat zu einer Infomesse eingeladen, um über ihr Vorhaben zu informieren, über Untersuchungen zu Vorkommen von Fledermäusen und Großvögeln, über Schall- und Schattengutachten und mehr. „Ich finde es super, dass die Pläne so vorgestellt werden“, sagt Joachim Tiede. „Für mich sind es die ersten konkreten Informationen. Alles, was ich bisher gehört habe, kam aus dem Buschfunk.“

Die Firma ABO Wind will in einem 39 Hektar großen Gebiet zwischen Menkendorf, Grebs und Bresegard bei Eldena bis zu vier Windenergieanlagen errichten. Drei würden in der Gemarkung Karenz, eine in der Gemarkung Grebs-Niendorf entstehen. Ein Windeignungsgebiet gibt es dort allerdings nicht und ist vom Regionalen Planungsverband Westmecklenburg – zumindest nach derzeitigem Stand – auch nicht vorgesehen. Ein Hinderungsgrund ist das allerdings nicht. „Durch das Oberverwaltungsgericht MV ist das Programm 2011 (das Regionale Raumentwicklungsprogramm hinsichtlich der Konzentrationsflächenplanung für Windenergieanlagen, d.Red.) gekippt worden“, erklärt Projektleiter Alexander Seidel. „Damit kann man laut Baugesetzbuch überall im Außenbereich Windenergieanlagen planen, wenn öffentliche Belange dem nicht entgegenstehen.“ ABO Wind habe im Juni einen Antrag beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) eingereicht – und wolle jetzt die Bürger darüber sowie über Vor- und Nachteile des Projektes informieren.

Mit insgesamt acht Experten ist ABO Wind nach Niendorf gekommen. Neben dem Projektleiter sind u.a. ein Bauingenieur, ein Naturschutz-Fachmann, Schall- und Schattengutachter dabei. Mitarbeiter der Landesenergie- und Klimaschutzagentur MV (Leka) informieren über die Wege, Gemeinden und Bürger am Projekt zu beteiligen. „Wir haben uns für das Konzept einer Ausstellung entschieden, weil Podiumsdiskussionen oft eine unschöne Dynamik entwickeln, die keinen Dialog mehr möglich macht“, sagt Patrick Djuga von ABO Wind. „Und in großer Runde traut sich auch nicht jeder Zuhörer seine Fragen zu stellen.“ Man werde nicht aus allen Windkraftgegnern Befürworter machen, aber allen Bürgern die Chance geben, sich zu informieren.

Auch Uwe Saß gehört zu den Besuchern, die auf der Infomesse mit den Experten ins Gespräch kommen. „Ich bin nicht gegen einen Windpark“, sagt der Grebser. „Aber man sollte die Abstände zur Wohnbebauung einhalten und dabei endlich die 10  H-Regelung (zehnfache Anlagenhöhe als Abstand) beachten.“

Die Projektentwickler können sich der Unterstützung durch die betroffenen Gemeinden sicher sein. „Wir waren damals auf ABO Wind zugegangen“, sagt der Karenzer Bürgermeister Klaus Elsner. „Bei unserer derzeitigen Haushaltslage können wir in Zukunft nur noch wirtschaften, wenn wir Einnahmen aus dem Windpark erzielen.“ Es gebe vereinzelt zwar auch Gegner in der Gemeinde, aber insgesamt sei die Akzeptanz gegeben. Es gebe in dem Gebiet viele kleine Flächen, so dass viele Menschen partizipieren können, so Elsner.

Für seinen Amtskollegen aus Grebs-Niendorf, Detlef Schranck, ist das Projekt ein Kompromiss – zwischen der Frage, was man den Menschen zumuten kann, und dem Nutzen für die Gemeinde. Die wolle schon seit Jahren eine Fotovoltaikanlage nach Grebs-Niendorf holen, finde aber keinen Betreiber. Mit Blick auf die Haushaltskonsolidierung, in der man sich befinde, seien die Einnahmen aus dem Projekt wichtig. „Man kann ja nicht immer nur die Steuern erhöhen“, so Detlef Schranck. Und die Lage des jetzt geplanten Windparks sei besser als die eines vorherigen Projektes auf dem Conower Berg.

Geht es nach dem Zeitplan von ABO Wind würde der Windpark Karenz 2019 gebaut werden. Zuvor muss das Projekt aber genehmigt werden und der Betreiber bei der Ausschreibung der Bundesnetzagentur für Windstrom-Lieferungen den Zuschlag bekommen.  

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