Ludwigsluster Jahresrückblick : Menschen, Bilder und Emotionen

<p>Oben: Drei Freunde gründen im Frühjahr die Braumanufaktur Ludwigslust: Raimo Reincke (l.), Michael Schütt und Steffen Janka (r.). Im Dezember wird der Braukessel geliefert. Die Produktion in Ludwigslust soll Januar 2018 starten. </p><p>Links: Im Januar war Ophelia Mailjan von der Polizei aus einer Wohnung in Ludwigslust abgeholt und nach Armenien abgeschoben worden. Im Juli durfte sie zurück. </p><p>Rechts:  Dieter Mohn näht eigenhändig im Februar den „Gafferzaun“. Sein Patent hat Erfolg und findet die ersten Abnehmer in Süddeutschland.</p>

Oben: Drei Freunde gründen im Frühjahr die Braumanufaktur Ludwigslust: Raimo Reincke (l.), Michael Schütt und Steffen Janka (r.). Im Dezember wird der Braukessel geliefert. Die Produktion in Ludwigslust soll Januar 2018 starten.

Links: Im Januar war Ophelia Mailjan von der Polizei aus einer Wohnung in Ludwigslust abgeholt und nach Armenien abgeschoben worden. Im Juli durfte sie zurück.

Rechts:  Dieter Mohn näht eigenhändig im Februar den „Gafferzaun“. Sein Patent hat Erfolg und findet die ersten Abnehmer in Süddeutschland.

Das Beste zum Jahresende: Geschichten über Zivilcourage, Erfolg und Gründertum

svz.de von
30. Dezember 2017, 06:35 Uhr

Wieder ist ein Jahr vorbei und wieder blicken wir zurück auf Menschen und ihre ganz besonderen Geschichten. Geschichten, die die Leser am meisten bewegten und die wir hier auf einen Blick noch einmal zusammenfassen.

Das Jahr begann mit einem Schock für viele, die Ophelia Mailjan kannten. Die 18-Jährige war im Januar völlig überraschend aus der Wohnung ihrer Mutter abgeholt und nach Armenien geflogen worden. Ophelias Freunde, Bekannte und auch Politiker in Ludwigslust reagierten empört auf die Abschiebung und starteten daraufhin eine Solidaritätsaktion mit dem Ziel, die Freundin wieder zurück zu holen. Nur ein halbes Jahr später, im Juli, war Ophelia wieder zuhause. Das war möglich, weil der Ludwigsluster Stephan Ueltzen eine Bürgschaft für sie übernahm. Heute macht die 19-Jährige eine Ausbildung in einem Ludwigsluster Supermarkt.

Im Februar trafen wir auf Dieter Mohn. Damals hatte er erstmals den Prototyp seines aufblasbaren Gafferzaunes in seiner Nähstube präsentiert. Das Patent erregte deutschlandweit Aufmerksamkeit. Mohn gab Interviews auf vielen Fernsehkanälen. Ein Videoclip auf YouTube über den Gafferzaun aus Ludwigslust hat heute mittlerweile zwei Millionen Aufrufe. Mohns Gafferwand wird inzwischen in Serie in Süddeutschland produziert. Auch in die USA und nach Österreich sind die aufblasenbaren Sichtschutzwände bereits geliefert. März und April sind gewöhnlich die Monate der jungen Musiker. Auf den Regionalausscheiden von „Jugend musiziert“ qualifizieren sich die besten für das Landesfinale. Und dort schafften es diesmal sogar zwei Ludwigsluster zum Bundeswettbewerb: Frida Spaethe und Johannes Grubba. Das Celloduo musizierte mit den besten Musikern Deutschlands in Paderborn - dafür gab es von der Jury 19 Punkte und ein „Sehr gut“.

Im Juni bekamen wir Besuch von Harry Sabban, der uns Fotos seiner blühenden Hanfpalme mitbrachte. Das erste Mal in seinem langen Leben trieb der Baum Blüten. Ein Beweis dafür, dass die Palme unter optimalen Bedingungen wachse und gedeihe, heißt es in Fachkreisen. Kein Wunder. Harry Sabban kümmert sich seit 45 Jahren um die Palme. Er zog sie aus einem vom Schwarzen Meer mitgebrachten Samenkorn, pflanzte sie aus kleinen in große Töpfe, bis er sie schließlich in den Boden seines Gartens eingrub. Dass es ihr dort selbst im kältesten Winter gut geht, dafür sorgt der Rentner im Spätherbst, wenn er in luftiger Höhe ein Häuschen für die Palme baut. Mit Fenstern, Heizung und Lüftungsklappen.

Ein erfolgreiches 2017 liegt auch hinter der Kummeraner Jugendwehr. Beim Landesausscheid der Jugendwehren in Ludwigslust im Juli holte sie sich zum ersten Mal den Titel und qualifizierte sich für den Bundesausscheid 2018. Auf Erfolg hoffen auch die Gründer der Ludwigsluster Braumanufaktur Raimo Reincke, Steffen Janka und Michael Schütt. Die drei Freunde erfüllten sich 2017 einen Traum und machten ihr Hobby zum Beruf. Seit September wird das Brauhaus gebaut, der erste Probesud ist schon verkostet, im neuen Jahr soll die Produktion starten.

Die wohl bewegendste Geschichte des Jahres widerfährt Andreas Hagemann. Der Busfahrer kennt viele seiner Fahrgäste vom Sehen. Manche auch mit Namen, wie den 79-jährigen Wöbbeliner, der jeden Mittwoch zum Frühstücken bis zum Alexandrinenplatz mitfährt. Als der Rentner an einem Mittwoch im Oktober fehlt, beschleicht den Busfahrer ein ungutes Gefühl. Er alarmiert die Polizei, die daraufhin den 79-Jährigen nach einem Sturz hilflos in seiner Wohnung findet. Der dehydrierte Mann muss schnell ins Krankenhaus. Andreas Hagemann hatte ihn dort noch einmal besucht. Vier Wochen später war der Wöbbeliner Rentner im Krankenhaus gestorben. Noch heute wird Busfahrer Hagemann auf die Geschichte, über die SVZ berichtete, angesprochen. „Die Menschen sind dankbar“, erzählt er. „Und froh, dass es Leute gibt, die noch nach links und rechts schauen. Die auch mal zuhören, sich Zeit nehmen“, sagt Hagemann. Ein Schuljunge hatte ihm voller Respekt erzählt, dass er den Zeitungsbericht bis zum Ende gelesen hätte und jetzt auch Busfahrer werden wolle. Und eine Pastorin hatte ihn in einem langen Brief für sein couragiertes Handeln gedankt. Hagemann: „Darüber habe ich mich sehr gefreut.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen