Ludwigslust : Mehr Raum für den Eremiten

Diese mächtige Eiche am Weg vom Schloss zum Schweizerhaus gehört wohl zu den markantesten Bäumen im Schlosspark. Zwischen Rinde und Baum sowie in morschen Stammteilen hat der streng geschützte Eremit seinen Lebensraum.
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Diese mächtige Eiche am Weg vom Schloss zum Schweizerhaus gehört wohl zu den markantesten Bäumen im Schlosspark. Zwischen Rinde und Baum sowie in morschen Stammteilen hat der streng geschützte Eremit seinen Lebensraum.

Spezieller Managementplan für Artenschutz im Schlosspark soll bis zum Herbst entwickelt sein

svz.de von
07. Juni 2016, 19:00 Uhr

Im Schlosspark von Ludwigslust leben unter anderem Getier der Eremit und die Bauchige Windelschnecke. Dieser Käfer, auch bekannt unter dem Namen Juchtenkäfer, und diese Art der Landlungenschnecken gelten besonders in Mecklenburg-Vorpommern als bedrohte Tierarten, haben einen ihrer wenigen norddeutschen Lebensräume im Schlosspark und unterstehen deshalb dem besonderen und selbstauferlegten Schutz des Landesnaturschutzes. Für das Gesamtareal des Parks in einer Größe von 186 Hektar entsteht ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH), was Lebens- und Entwicklungsraum bedeutet, für das derzeit ein Managementplan für die beiden Tierarten beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Westmecklenburg festgelegt wird. Dieser noch im Frühstadion befindliche Plan gehört zur Weiterentwicklung von Schutzmaßnahmen unter der Regie des StALU im Rahmen der bei der Europäischen Union verankerten Natura 2000-Gebieten.

Über den aktuellen Entwicklungsstand des Projekts, über dessen Kosten noch keine Angaben zu erfahren waren, informierten der Dezernent für Naturschutz, Wasser und Boden im StALU, Bernhard Fiedler, und die am Projekt leitend mitarbeitende Claudia Antons am Montag im Sitzungssaal der Ludwigsluster Kreisverwaltung. Einen Einblick in den Ist-Zustand und die Ausrichtung des Vorhabens wurde vom beauftragten Planungsbüro „BHF Bendfeldt – Herrmann Franke“ aus Schwerin vorgetragen.

Trotz geringer Teilnehmeranzahl von knapp 20 Personen bargen die Informationen einige Brisanz. Die größten Exemplare des Eremits, der zu der Gattung der Blatthornkäfer zählt und häufig mit dem Marmorierten Rosenkäfer verwechselt wird, werden 40 Millimeter lang und bis zu 20 Millimeter breit. Dieser unauffällig glänzende, braunschwarz gefärbte Bewohner von sterbenden oder bereits abgestorbenem Holz besticht dann schon eher durch seinen markanten scharfen Geruch. Da die Art als potenziell gefährdet eingestuft ist, soll im Rahmen des Managementplans versucht werden, die vorhandenen Brutbäume und Potenzialbäume aus dem Bereich der von Menschen im Park genutzten Wege und Plätze zu bekommen. Das nämlich ist der Punkt, an dem Artenschutz und die sogenannte öffentliche Verkehrssicherheitspflicht im Schlosspark miteinander harmonieren muss, wie auch aus der Präsentation des Planungsbüros hervorging.

Einfach einen sterbenden Baum aus dem Schlosspark mit der Motorkettensäge zu fällen, um Parkbesucher vor herabfallendem Totholz zu schützen, das kann aus mehreren Gründen - auch zum Schutz des Eremits - nicht funktionieren, verdeutlichte der StALU-Dezernent. Deshalb wird bis Ende des kommenden Juli-Monats nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, Areale mit bestehenden Brut- und Potenzialbäumen im Sinne der Zielstellungen zu optimieren.

Auch für die Bauchige Windelschnecke, die ganzjährig Wasserflächen benötigt, soll der Lebensraum im Schlosspark verbessert und möglicherweise sogar erweitert werden. Hingegen konnte das Vorkommen der Bachmuschel im Ludwigsluster Kanal, der auch den Schlosspark durchströmt, nicht nachgewiesen werden. Wie Patrick Pabst vom Planungsbüro erklärte, handelt es sich bei den Erkenntnissen aus dem Jahre 2004 um einen wissenschaftlichen Fehler, was entsprechende Untersuchungen in diesem Jahr belegen konnten.

An dem Werden des Managementplanes bis zum kommenden Herbst sind zahlreiche Behörden, Ämter, Verbände und die Stadt Ludwigslust beteiligt. Nicht zuletzt zählt auch die Meinung der Bürger, die an den Entstehungsprozessen in irgendeiner Art stets beteiligt werden, hieß es von Fiedler.

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