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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 12:28 Uhr

Glaisin : Mehr Ideen für Dorfzukunft

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ludwigsluster Ortsteile suchen Konzepte, um Gemeinschaft auf dem Land zu stärken

von
erstellt am 16.Jan.2015 | 07:25 Uhr

Noch sind Schule und Kindergarten in Kummer gut ausgelastet. Noch gibt es Jugendwehr, Floriangruppe und einen mitgliederstarken Sportverein. „Klingt alles gut“, sagt Ortsteilvorsteher Udo Jauert. Seine Prognose für den Ludwigsluster Ortsteil allerdings sieht schlecht aus: „Wir haben in den letzten fünfzehn Jahren 110 Einwohner verloren. Und in den nächsten zehn Jahren werden es noch einmal einhundert weniger sein.“ Jauert rechnet sogar mit Leerstand. „Wenn das so weiter geht, sind im Jahr 2025 bei uns zwanzig Wohnungen unbewohnt“, sagt er.

Ein Szenario, das Prof. Henning Bombeck schon heute erlebt, wenn er durch den Osten des Landes reist. Im Forsthof Glaisin wirft er an diesem Abend Fotos von leerstehenden Häusern, Ruinen, verwaisten Spielplätzen oder verschlossenen Dorfgemeinschaftshäusern an die Wand. Auf keinem der Fotos ist ein Mensch zu sehen. „Die Menschen verlassen das Land, weil die Nachbarschaft im Dorf nicht das kompensieren kann, was an Versorgung wegbricht“, sagt er. Bombeck ist Stadtplaner und Dozent an der Schule für Landentwicklung, ein Forschungsprojekt der Uni Rostock zum demografischen Wandel. Er reist durchs Land, hält in Kommunen Vorträge und bietet Workshops, die helfen sollen, die Folgen des demografischen Wandels zu bewältigen. Er will die Menschen motivieren, aktiv zu werden, miteinander zu reden und gemeinsam Ideen zu entwickeln. „Denn Veränderung beginnt mit Kommunikation“, sagt er.

Knapp fünfzig Besucher aus allen Ludwigsluster Ortsteilen sind an diesem Abend in den Forsthof gekommen. Sie hören nicht nur zu, sie bringen sich auch ein. Gaby Schilling berichtet vom schönen Leben in Hornkaten. Vor drei Jahren kam sie mit ihren fünf Söhnen aus Baden-Württemberg in das 160-Seelen-Dorf. „Wir haben keine Kirche im Ort, aber es gibt Bibelstunden. Jeder kennt jeden. Und Häuser stehen bei uns nie länger leer als vier Monate.“ In Weselsdorf dagegen leide das dörfliche Miteinander an fehlenden Räumen. „Wir haben keinen öffentlichen Treff“, sagt Kerstin Ziggel. „Da wird es sogar schwierig, einen Ort fürs Wahllokal zu finden.“ Sie wünscht sich, dass sich das Engagement im Dorf auf mehr Schultern verteile. Auf gelbe Zettel schreiben die Gäste ihre Sorgen, Probleme und erste Ideen. Von Carsharing ist die Rede, von einer alternativen Kinderbetreuung oder von Nachbarschaftshilfe für Senioren. Glaisin zum Beispiel träumt von einem ständig geöffnetem Dorftreff. „Vielleicht können wir unseren Gemütlichkeitsverein wieder aufleben lassen“, sagt Holger Friel.

Dem Abend in Glaisin sollen weitere folgen. Das nächste Mal will Bombeck dann nicht mehr referieren. „Dann sitzen wir an Tischen, diskutieren und werden konkret.“

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