Ludwigslust-Parchim : Mehr Erzieherinnen für die Krippe

Erzieherinnen braucht das Land.
Erzieherinnen braucht das Land.

Landkreis will Betreuungsschlüssel verbessern. Der Haken: Eltern und Wohnsitzgemeinden müssten die Kosten tragen.

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17. November 2015, 08:00 Uhr

Die gute Nachricht zuerst: In den Kinderkrippen im Landkreis Ludwigslust-Parchim sollen sich künftig mehr Erzieherinnen um die Kleinen kümmern. Doch das kostet Geld, was wiederum für die schlechte Nachricht sorgt: Die entstehenden Zusatzkosten müssten im Regelfall die Eltern und deren Wohnsitzgemeinde zur Hälfte tragen. In einer Kita mit Personalkosten auf Kreisdurchschnitt würde der monatliche Elternbeitrag für die Krippe um immerhin 60 Euro steigen.

Es geht um den Betreuungsschlüssel, den der Landkreis in der Satzung zum Kindertagesförderungsgesetz MV (Kifög) festgelegt hat und nun verändern will. Das Kifög schreibt eine Fachkraft für sechs Krippenkinder vor. Unter Berücksichtigung der Zeiten für die Vor- und Nachbereitung – etwa für die Dokumentation der Entwicklung der Kinder, für die Planung individueller Förderung oder für Elterngespräche – liegt der Betreuungsschlüssel laut Satzung bei 1,1 Vollzeitkräften auf sechs Kinder. Doch Kindertagesstätten hätten geschildert, dass dieser Personalschlüssel in der Krippe nicht auskömmlich sei, heißt es in der Beschlussvorlage. Deshalb wurde jetzt neu gerechnet und dabei unter anderem 30 Urlaubstage, 20 Krankheitstage sowie fünf Tage für Fort- und Weiterbildung berücksichtigt, weil das gesetzlich vorgegebene Fachkraft-Kind-Verhältnis unabhängig von Abwesenheitszeiten einzuhalten ist. Im Ergebnis wird nun ein Betreuungsschlüssel von 1,3 Vollzeitkräften auf sechs Krippenkinder vorgeschlagen. „Dass der Elternbeitrag dafür steigen würde, ist ein Nachteil“, gesteht Jacqueline Bernhardt (Die Linke), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. „Aber für unseren Ausschuss standen die Qualität der frühkindlichen Bildung und verbesserte Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen und Erzieher im Vordergrund.“ Natürlich sei es nicht schön, dass Qualitätsverbesserungen in der Kinderbetreuung finanziell immer an Eltern und Wohnsitzgemeinden hängen bleiben.

Damit hat auch Detlev Hestermann (SPD) seine Probleme. „Wir erhöhen den Standard, das Land zahlt weiter seinen Festbetrag, der Landkreis einen Anteil davon, und alles, was nicht abgedeckt ist, müssen Eltern und Gemeinden übernehmen“, kritisierte er in der jüngsten Finanzausschusssitzung. „Wenn ich sehe, was mit dieser Änderung und mit der Erhöhung der Kreisumlage auf die Gemeinden zukommt, habe ich schwere Bedenken“, so Detlev Hestermann. Der Finanzausschuss vertagte seine Abstimmung auf die kommende Sitzung.

Mehrkosten würden auch auf den Landkreis zukommen, weil er für sozial schwache Familien die Elternbeiträge für die Kita ganz oder teilweise übernimmt. Und die Zahl der Familien, die diese Unterstützung benötigen, dürfte bei erhöhten Elternbeiträgen steigen.

Der verbesserte Betreuungsschlüssel soll – sofern der Kreistag die Satzung am 10. Dezember beschließt – erst ab Juni kommenden Jahres gelten. So haben die Kita-Träger mehr Zeit, das benötigte Personal zu finden. Jacqueline Bernhardt geht von zusätzlich 93 Erzieherinnen und Erziehern aus. Zur Satzungsänderung erwartet sie eine große Diskussion. „Aber ich hoffe, dass die Qualitätsverbesserung überzeugt.“

Bei Kitas, die schon nach dem besseren Betreuungsschlüssel arbeiten, hätte die Satzungsänderung keine Auswirkungen. Und auch in Fällen, in denen die Gemeinde – wie die Stadt Ludwigslust – mehr als ihre gesetzlichen 50 Prozent zahlt, würde die Kostenerhöhung nicht oder nicht in voller Höhe die Eltern treffen.  

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