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Ludwigsluster Tageblatt

24. Oktober 2017 | 11:52 Uhr

Ludwigslust : Mehr Anrufe bei Pflegeberatern

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Pflegereform sorgt für gewisse Verunsicherung / Pflegestützpunkt: Suche nach Kurzzeitpflegeplätzen immer ein Thema

svz.de von
erstellt am 12.Jan.2017 | 07:00 Uhr

Bei Kerstin Ehlert und Sylke Seehase klingelt das Telefon in diesen Tagen häufiger als gewohnt. Grund ist die Pflegereform, die zu Jahresbeginn in Kraft getreten war. Sie sorgt bei einigen Pflegebedürftigen und deren Angehörigen für Verunsicherung. Kerstin Ehlert und Sylke Seehase können in der Regel weiterhelfen. Als Pflege- und Sozialberaterin sind sie die Ansprechpartnerinnen im Pflegestützpunkt Ludwigslust.

„Die Pflegebedürftigen bzw. deren Angehörige haben Schreiben erhalten, in denen sie über die Überleitung der bisherigen Pflegestufen in die neuen Pflegegrade informiert wurden“, erklärt Kerstin Ehlert. „Einige waren unsicher, ob sie nun irgendetwas unternehmen müssen.“ Das sei nicht der Fall. „Die Überleitung ist automatisch erfolgt“, betont Sylke Seehase. Für Pflegebedürftige mit körperlichen Einschränkungen ging es um eine Stufe nach oben – also zum Beispiel von Pflegestufe 1 auf Pflegegrad 2. Hatte der Betroffene bisher eine Pflegestufe mit Einschränkung der Alltagskompetenz ist es um zwei Grade nach oben gegangen – etwa von Pflegestufe 3 auf Pflegegrad 5, den höchstmöglichen. „Wir hatten auch Anfragen von Menschen, die eine Pflegestufe beantragt, diese aber bisher nicht bekommen hatten“, erzählt Sylke Seehase. „Sie wollten wissen, ob sie von den neuen Regelungen profitieren.“ Und tatsächlich. „Der Pflegegrad 1 ist eine neue Leistung, die für Personen gedacht ist, die im Alltag noch relativ gut zurechtkommen und nur geringfügig hilfsbedürftig sind“, erklärt Sylke Seehase. Sie können zum Beispiel Zuschüsse für eine Wohnraumanpassung, einen Pauschalbetrag für bestimmte Pflegehilfsmittel von 40 Euro und den Entlastungsbetrag von 125 Euro pro Monat erhalten, der unter anderem für eine Haushalts- oder Einkaufshilfe oder einen ehrenamtlichen Betreuer eingesetzt werden kann.

Geändert hat sich vor allem eines: die Art der Begutachtung. „Es wird nicht mehr geguckt, wie viele Minuten Hilfe der Pflegebedürftige braucht“, erklärt Kerstin Ehlert. „Stattdessen wird geschaut, wie viel Unterstützung er im Alltag braucht und dafür Punkte vergeben.“ Sechs Lebensbereiche, Mobilität, psychische Problemlagen oder soziale Kontakte etwa, werden dabei betrachtet. „Man geht davon aus, dass deutschlandweit bis zu 500 000 Menschen davon profitieren könnten“, so Kerstin Ehlert. Verbessert hat sich zudem die Situation für die Pflegepersonen. Wenn sie in der Häuslichkeit einen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 pflegen und zwar mindestens zehn Stunden in der Woche, verteilt auf mindestens zwei Tage in der Woche, werden für sie Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt. Unter bestimmten Bedingungen wird auch in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt.

Wenn nicht gerade ein Jahreswechsel mitsamt Pflegereform ansteht, denn geht es bei Anfragen an den Pflegestützpunkt oft um ein akutes Problem: einen Heimplatz für einen Angehörigen zu finden oder die Pflege zu Hause zu organisieren. „Die meisten Menschen beschäftigen sich mit diesem Thema ja nicht vorsorglich“, meint Sylke Seehase. Allerdings vergibt der Pflegestützpunkt keine Plätze. „Wir beraten nur und zwar kostenlos und anbieterneutrale“, sagt die Sozialberaterin. So erfahren die Betroffenen, welche Einrichtung was für Plätze vorhält. Schwierig sei immer die Suche nach Plätzen für die Kurzzeitpflege, zumeist um den Übergang vom Krankenhaus in die Häuslichkeit abzusichern. „Wir haben nur zwei Kurzzeitpflegeeinrichtungen im Landkreis – in Lobetal bei Lübtheen und in Wessin.“

Der Pflegestützpunkt Ludwigslust ist für die gesamte Region zwischen Neustadt-Glewe, Dömitz und Zarrentin zuständig. Um dieses große Gebiet abzudecken, sind die Beraterinnen von Zeit zu Zeit mit dem Pflegemobil unterwegs, machen Station in Zarrentin, Wittenburg oder anderswo. In Boizenburg gibt es einmal im Monat eine Außensprechstunde, die gut angenommen wird. „Da kommen jedes Mal vier bis fünf Interessenten zur Beratung“, so Kerstin Ehlert. „Das ist nicht wenig, denn eine Beratung dauert schnell mal 40 Minuten.“  

Der Pflegestützpunkt Ludwigslust befindet sich im Gebäude des Landratsamtes, Garnisonsstraße 1, Zimmer B 212, Telefon 03871 / 722-5093 oder 5094, Mail pflegestuetzpunkt-ludwigslust@kreis-lup.de.

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