Dadow : Mehr Anerkennung für die Landwirte

Britta Reimers (M.) im Gespräch mit Landwirt Jakob de Vries, links Harald Elgeti, sowie Christian Karp und Thomas Heldberg (r.).
Britta Reimers (M.) im Gespräch mit Landwirt Jakob de Vries, links Harald Elgeti, sowie Christian Karp und Thomas Heldberg (r.).

Harald Elgeti äußerte gegenüber der FDP-Europaabgeordneten Britta Reimers Bedenken gegen die EU-Agrarreform und deren Umweltauflagen

svz.de von
16. Dezember 2013, 13:54 Uhr

Jakob de Vries heißt auf seinem Hof in Dadow die Gäste willkommen, öffnet mit seinem Sohn Jelle die Türen zu den Ställen, in denen die Rinder stehen. „Insgesamt haben wir hier 800 Tiere, auf dem Hof arbeiten neun Leute“, so Seniorchef Jakob de Vries. Aufmerksam hören Harald Elgeti, Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust e.V., und Landwirt Christian Karp, Landesvorsitzender MV des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter e.V., zu, was der erfahrene Landwirt zu sagen hat. Zur Runde gehörte an diesem Tag auch Politprominenz aus Brüssel. Die FDP-Europaabgeordnete Britta Reimers, die zugleich auch selbstständige Landwirtin ist, folgte einer Einladung des FDP-Landesverbandes MV und war in Begleitung von FDP-Landesgeneralsekretär Thomas Heldberg zu einem Gespräch mit Harald Elgeti und anschließendem Betriebsrundgang des kleinen landwirtschaftlichen Unternehmens nach Dadow gekommen.

Neun Leute arbeiten auf dem Bauernhof, Jelle de Vries leitet den Betrieb, hat als Partner in der GbR noch Johannes Jakobsen an seiner Seite. „Auch zwei Brüder und eine Schwester von mir arbeiten noch in unserem Unternehmen mit. Insgesamt bewirtschaften wir eine Fläche von 700 Hektar, die komplett für die Futternutzung und für die Biogasanlage verwendet wird“, so der junge Landwirt. „Der Milchpreis ist zwar jetzt aktuell ein bisschen besser, aber dafür sind die Aufwendungen zu hoch“, sagt Vater Jakob de Vries. Die Milch des Agrarbetriebes werde über einen freien Milchmakler an die Molkerei verkauft, die vertragliche Bindung mit dem Makler geht über drei Monate, so Jakob de Vries. Und erinnert sich an das schwere Jahr 2009, als die Milchpreise in den Keller gerutscht waren und die Bauern ihren Protest und ihren Unmut bei Demos in Berlin und in Brüssel zum Ausdruck brachten. „In jenem Jahr haben wir viel Geld verloren“, entgegnete Jakob de Vries. „Geld, das uns dann später für Investitionen fehlte.“

Harald Elgeti fügte hinzu, dass dem Landesbauernverband die Zusage vorliege, dass alle Molkereien das Versprechen abgeben, die Milch abzunehmen. „Aber zu welchen Konditionen“, fragte der Seniorchef und sein Sohn Jelle fügte hinzu, dass es nicht sein könne, dass in den Genossenschaften fast ein Drittel der Mitgliedsbetriebe keine Milch mehr ablieferten, aber wegen der Dividende weiter Mitglied bleiben würden. „Hier müsste man über das Genossenschaftsrecht etwas machen“, erwiderte Britta Reimers.



Milchpreise aktuell auf einem erfreulichen Niveau




Erfreulicherweise lägen die Milchpreise für die Bauern aktuell bei 40 Cent je Liter. Eine Lösung für den Milchmarkt in den nächsten Jahren sei in Sicht, da sich neue Absatzmärkte im asiatischen Raum, ganz konkret in China, entwickeln würden, von denen die Milchbauern profitieren könnten. Christian Tarp sieht das mit den Erlösen für die Milchbauern aber anders. „Derzeit bekommen wir um die 40 Cent für die Milch, wir müssten aber 50 bekommen.“ Harald Elgeti meint, aufgrund der gegenwärtigen Struktur der Molkereien in MV sei der Wettbewerb in der Milchproduktion ausgeschaltet. Die Region Ludwigslust, in der noch rund 110 Betriebe arbeiten, sei von der Milchproduktion her die stärkste Region des Landes.

Weil zunehmend qualitativ höhere Maßstäbe an die Landwirtschaft gestellt, höhere Investitionen für die Betrieb notwendig werden, ist in den vergangenen Jahren das Eigenkapital der Agrarunternehmen aufgebraucht, die Kapitaldecke dünn geworden, viele seien am Ende. Für dieses Risiko, dass die Landwirtschaft als Branche unter freiem Himmel arbeiten und mit den klimatischen und Witterungsbedingungen sowie deren oft dramatischen Ertragsausfällen leben müsse, werden die Bauern von der Gesellschaft nicht entlohnt, ist die Meinung von Britta Reimers. „Nur in der Landwirtschaft ist es verpönt, mit Lebensmitteln Gewinne zu erzielen“, so die Abgeordnete des Europäischen Parlaments. Über die EU-Agrarreform soll nun der Begriff des aktiven Landwirts genau definiert werden, um der Entwicklung entgegenzutreten, dass immer mehr Quereinstieger in die Landwirtschaft drängen und so den guten Ruf der Fachleute in Gefahr bringen, sagte Britta Reimers.

„Die von der EU beschlossene Agrarreform, die jetzt auf Landesebene umgesetzt werden soll, konfrontiert die Landwirte in unserer Region mit gewaltigen Agrarumweltmaßnahmen, die aus meiner Sicht einen Generalangriff auf die Landwirtschaft darstellen“, bringt es Harald Elgeti zum Ausdruck. „Die verabschiedeten Umweltauflagen sind ein bürokratisches Monstrum, da sie zahllose Ausnahmetatbestände schaffen. Zudem machen die Vorgaben in bestimmten geografischen Regionen Europas überhaupt keinen Sinn. Die Direktzahlungen sind kaum noch ein faires Angebot für die Landwirte in Bezug auf die Planungssicherheit“, fügt Britta Reimers hinzu. Denn schließlich sind es doch die Landwirte, die die Kulturlandschaften in der Region pflegen und erhalten und somit auch für den Tourismus in MV, auf den das Land einen so großen Wert legt, unverzichtbare Partner. Britta Reimers: „Jeder, der hierher kommt, um sich zu erholen oder Urlaub zu machen, möchte ja auch ein sauberes Feld, eine saubere Wiese haben, auf denen etwas wächst und man sich auf dieser Weise an der Schönheit der Natur und der Landschaft erfreuen kann.“

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