Dadow : Mehr Anerkennung für die Bauern

Über das Thema Ausbildung in der Landwirtschaft und die Zukunft der Bauern kamen Landrat Rolf Christiansen (l.), Jelle de Vries und Dietrich Groth (r.) ins Gespräch.  Fotos: Michael Seifert
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Über das Thema Ausbildung in der Landwirtschaft und die Zukunft der Bauern kamen Landrat Rolf Christiansen (l.), Jelle de Vries und Dietrich Groth (r.) ins Gespräch. Fotos: Michael Seifert

Landrat Rolf Christiansen startete in Dadow Besuchsreihe bei landwirtschaftlichen Betrieben / Für Nachwuchs in den Schulen werben

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04. September 2017, 16:51 Uhr

„Einen Lehrling haben wir im letzten Jahr ausgebildet, in diesem Jahr haben sich leider keine Bewerber gefunden“, sagt Landwirt Jelle de Vries aus Dadow. Und er erklärt zugleich, warum es in Sachen Nachwuchs für die Landwirtschaft nicht gut bestellt ist. „Es ist auch schwierig, geeignete junge Leute zu finden“, so der erfahrene Landwirt, der in seinem Betrieb schon seit 1998 ausbildet.

Jelle de Vries leitet das Dadower Unternehmen, hat als Partner in der GbR noch Johannes Jacobsen an seiner Seite. „Wir haben insgesamt zwölf Mitarbeiter. Insgesamt bewirtschaften wir eine Fläche von rund 650 Hektar Acker- und Grünland, die komplett für die Futternutzung und für die Biogasanlage verwendet wird. Wir haben im Bestand 420 Milchkühe plus Nachzucht“, so der Landwirt. In den vergangenen Jahrzehnten haben bei Jelle de Vries rund 13 junge Leute einen landwirtschaftlichen Beruf erlernt. Einer ist im Betrieb geblieben. Jelle de Vries nimmt auch als berufenes Mitglied des Prüfungsausschusses die Zwischen- und Abschlussprüfungen der Auszubildenden ab.

„Wenn wir Landwirtschaft haben wollen, dann brauchen wir Auszubildende“, bringt es Landrat Rolf Christiansen zum Ausdruck. Er war gemeinsam mit Dietrich Groth, dem Vorsitzenden des Bauernverbandes Ludwigslust, und Manfred Leberecht, Vizepräsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, nach Dadow gekommen, um mit Landwirten über das Thema Nachwuchsgewinnung und Ausbildung ins Gespräch zu kommen. Die Stippvisite in Dadow war Auftakt zu einer Reihe von Besuchsterminen des Landrates in Unternehmen der Altkreise Ludwigslust und Parchim. Im Vordergrund steht dabei auch, den Beruf des Landwirtes stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen, Werbung zu machen für die Landwirtschaft.

„Das Interesse der Schüler, die sich für Landwirtschaft interessieren, ist aber ungebrochen“, so Manfred Leberecht. „Das zeigen die Besucherzahlen der Fachmesse für Ausbildung und Studium Nord-Job. Hier im ländlichen Raum ist der Zuspruch für diesen Berufszweig in den letzten zwei Jahren gestiegen.“ Dietrich Groth ist mit der Außendarstellung der Berufsbildes Landwirt aber nicht zufrieden. „Das Bild, das in der Gesellschaft erzeugt wird, ist für einen jungen Menschen nicht prägend. Die Landwirte erfahren zu wenig Respekt und Anerkennung für ihre Arbeit“, so Groth. „Und gute Leute fehlen ja nicht nur in der Landwirtschaft, die fehlen überall“, wirft Landrat Christiansen ein. Jelle de Vries: „Schuld sind auch die geburtenschwachen Jahrgänge, und es bleiben zu wenig geeignete Bewerber übrig.“

Die Anforderungen an den Beruf des Landwirts haben sich total verändert. „Viele junge Leute haben keine Vorstellung von dem, was sie da erlernen“, sagt Rolf Christiansen. Praktischer Unterricht wäre für die Schüler gut, so Dietrich Groth, damit die Jugendlichen einen Einblick bekommen in die Praxis eines Bauernhofes. „Die Landwirte haben da eine ganz große Verantwortung für die Lebensmittel und die Tiere.“ In den Schulen müsste über die Lehrer mehr das Interesse der Schüler für eine berufliche Perspektive in der Landwirtschaft geweckt werden. „Also Lehrer einladen und sie in dieses Vorhaben mit einbinden“, ergänzt Dietrich Groth. „Und da auch schon die Kitas mit ins Boot holen und die Kinder frühzeitig mit dem Thema vertraut machen. So kann es dann auch nicht passieren, dass zum Beispiel eine Kita-Erzieherin sagt, sie könne mit den Kindern nur im Sommer auf den Bauernhof kommen, da ja dann nur die Kälber zu sehen sind. Werbung für die Landwirtschaft zu machen, schaffen wir als Berufsgruppe nicht allein, da braucht es viele Partner.“ Rolf Christiansen sieht in dem bei der Wirtschaftsförderung angesiedelten Ausbildungsportal eine große Chance, etwas zu bewegen und das Profil auch für die Landwirtschaft zurechtzustricken. „Zudem spielt die Landwirtschaft auch im Kreisentwicklungskonzept 2030 eine große Rolle.“

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