zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 10:36 Uhr

Tempo 50 : Mehr als 1000 Blitzerfotos in Ortkrug

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Kaum Hoffnung für betroffene Kraftfahrer: Landkreis will Tempoverstöße ahnden.

svz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 20:00 Uhr

Lange reichte die Speicherkarte im Blitzer an der B 106 in Ortkrug diesmal nicht. Am vergangenen Freitag war das Dorf mithilfe gelber Ortseingangsschilder zur geschlossenen Ortschaft erklärt worden, die Tempo 50 erfordert. Ohne Vorwarnung in den Medien oder gesonderte Schilder, die auf die nach 20 oder mehr Jahren geänderte Regelung hinweisen. Am Montag war die Speicherkarte des Starenkastens, der gleich auf das neue Limit umgestellt worden war, schon voll.

„Mehr als 1000 Fotos sind in dieser Zeit gemacht worden“, bestätigte Andreas Bonin, Pressesprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim gegenüber SVZ. An anderen Wochenenden seien es deutlich weniger, „300 bis 400 vielleicht“. Ein gezieltes Vorgehen weist der Pressesprecher dennoch strikt zurück. Als Straßenverkehrsbehörde informiere man üblicherweise zwar über Baustellen und Umleitungen, nicht aber über veränderte Ortsbeschilderungen. „Es gab da keinerlei strategische Überlegungen“, so Bonin.

Bernd Eixmann sieht das ein bisschen anders. „Die Kernfrage ist doch, was der Landkreis erreichen wollte“, sagte der Berufskraftfahrer, der extra in unsere Ludwigsluster Redaktion gekommen war. „Wollte er wirklich die 50 km/h durchsetzen oder die Möglichkeit nutzen abzukassieren?“

Wenn es um Tempo 50 gegangen wäre, hätte man das mit Hinweisschildern und/oder Blinkleuchten besser erreichen können, so Eixmann. So nahm man – zum Nachteil der Anwohner – billigend in Kauf, dass weiter mit 70 gefahren wird. Für Berufskraftfahrer kann das übersehene Ortseingangsschild – eines von vielen im deutschen Schilderwald – gravierende Folgen haben. „20 km/h zu viel in einer geschlossenen Ortschaft sind kein Kavaliersdelikt“, betonte Eixmann. Er rechnet mit mehr als 200 Euro und einem Punkt in Flensburg – sofern das Knöllchen tatsächlich ins Haus flattert. Da könnten jetzt mal die Kreistagsmitglieder ihre Bürgernähe unter Beweis stellen, meint er.

Ungeachtet aller Beschwerden und Kritiken, unter anderem vom ADAC, hat die Kreisverwaltung ihre Auffassung nicht geändert. „Es liegen Sachverhalte vor. Die kann man jetzt nicht unter den Tisch fallen lassen“, sagt Andreas Bonin mit Blick auf die gemachten Fotos. Beim Landkreis rechnet man aber schon mit einer Flut von Widersprüchen und Klagen gegen die Bescheide.

Geschlossene Ortschaft und Tempo 50 für Ortkrug – das entspricht nach Aussage des Landkreissprechers geltendem Recht und habe – anders als zum Teil veröffentlicht – nichts mit der Lärmbelästigung zu tun. Ein Bürger habe die Straßenverkehrsbehörde darauf aufmerksam gemacht, dass es in Ortkrug auf einer Seite der Bundesstraße eine durchgehende Wohnbebauung gibt, und gefordert, entsprechend der Rechtslage die Beschilderung als geschlossene Ortschaft herzustellen. „Dieser Hinweis war berechtigt“, so der Pressesprecher. Entsprechend habe die Verkehrsbehörde reagiert, die Änderung der Beschilderung veranlasst und überdies auch die Polizei über die Änderung informiert.

Warum die rechtlich falsche Beschilderung 20 oder 25 Jahre lang niemandem aufgefallen ist, bleibt indes offen.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen