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Ludwigsluster Tageblatt

20. Oktober 2017 | 05:25 Uhr

Ludwigslust : Maschinenbauer erobern Amerika

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Rattunde & Co GmbH Ludwigslust will in den USA künftig nicht nur Vertrieb und Service anbieten, sondern auch produzieren

von
erstellt am 26.Feb.2015 | 18:52 Uhr

Wer in Nordamerika mit einer Kaltkreissägemaschine aus dem Hause Rattunde arbeiten möchte, braucht Geduld. Viel Geduld. Denn wenn das bestellte Fertigungssystem die Produktionshalle in der Ludwigsluster Bauernallee verlassen hat, vergehen noch Wochen, ehe es nach einer langen Schifffahrt den Käufer jenseits des Atlantiks erreicht. Doch das soll sich ändern. Die nordamerikanische Niederlassung der Ludwigsluster Maschinenbauer, die sich bislang nur um Vertrieb und Service kümmert, soll künftig auch produzieren. Eine neue Halle ist in Caledonia (Michigan) bereits fertiggestellt. Bis es das erste ACS-Fertigungssystem made in USA gibt, wird es aber noch ein paar Jahre dauern.

Die für die Produktion benötigten Fachkräfte zu gewinnen, ist für die Rattunde & Co GmbH eine besondere Herausforderung. „Die aus Deutschland bekannte duale Berufsausbildung gibt es in Amerika nicht“, erklärt Martin Proksch, einer der geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens. Stattdessen würden sich regionale Netzwerke darum kümmern. Bei einem solchen habe man sich inzwischen vorgestellt. Doch die Ausbildung braucht ihre Zeit. Deshalb sollen in der neuen Produktionshalle nicht gleich die hochkomplexen Maschinen gebaut, sondern zunächst nur die Werkzeuge dafür hergestellt werden.

Die Fertigungssysteme der Firma Rattunde, mit denen Rohre, Profile und Stangen gesägt, entgratet und angefast werden können, kommen zu rund 80 Prozent in der Automobilzulieferindustrie zum Einsatz. Aber auch bei der Herstellung von Möbeln, Fahrrädern oder Bewehrungen – „quasi überall dort, wo Rohre gebraucht werden“, so Martin Proksch. Die Kunden sitzen in Nordamerika und ganz Europa. Gerade ist zum ersten Mal auch eine Maschine nach China geliefert worden – eine Ausnahme, zu der ein deutscher Kunde die Ludwigsluster überredet hat. Ansonsten ist das Unternehmen in Asien noch sehr zurückhaltend, weil der Aufwand für den Vort-Ort-Service enorm wäre. Und die Fernwartung sei ob der Zeitverschiebung ebenfalls schwierig, so Martin Proksch.

Hinter der Rattunde & Co GmbH liegt nach Firmenangaben ein sehr gutes Jahr 2014. „Wir haben insgesamt 28 Maschinen produziert. Das ist die Grenze dessen, was wir derzeit leisten können“, betont Martin Proksch. Etwa zehn Wochen dauert es, bis aus rund 8000 Einzelteilen eine Kaltkreissägemaschine zusammengesetzt ist. Was das einzelne System dann kann, hängt ganz von den Wünschen der Kunden ab. Sie können die Grundmaschine nach ihren Bedürfnissen durch spezielle Module ergänzen. Die fertige Maschine kann dann nicht nur sägen, entgraten oder anfasen, sondern auch die Werkstücke messen, waschen, trocknen und verpacken. „Die Amerikaner haben dabei weniger Sonderwünsche als die europäischen Kunden, weil sie noch nicht wissen, was möglich ist“, sagt Martin Proksch. Auch ganz individuelle Ansprüche können die Ludwigsluster erfüllen. Eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit zehn Leuten macht es möglich.

Im Moment geht der Trend hin zur Twin-Maschine. Sie kann zwei Werkstücke gleichzeitig bearbeiten und hat dadurch eine um 70 Prozent höhere Leistung. Die hohe Produktivität ist – neben Präzision und Qualität – ein wesentliches Plus der Rattunde-Maschinen. Bei manchen Kunden würde sich die Anschaffung schon nach ein oder zwei Jahren amortisieren, so Martin Proksch. Da sind die bis zu rund 1,4 Millionen Euro pro Maschine gut angelegtes Geld.  

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