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Distanzritt „Durch die Griese Gegend“ : Marathon für Pferd und Reiter

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Beim Distanzritt in Stuck geht es über Strecken von bis zu 160 Kilometern. Tierärzte behalten Zustand der Tiere im Blick

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erstellt am 22.Aug.2016 | 05:00 Uhr

Noch ist bei „Coco“ die Pulsfrequenz zu hoch. Katharina Witt geht mit ihrer neunjährigen Stute noch ein paar Schritte, um sie nach erneuter Messung dem Tierarzt vorzustellen. „Der Puls darf bei höchstens 64 Schlägen pro Minute liegen“, erklärt Veterinär Christian Dreker. „Vorher fangen wir mit der Untersuchung nicht an, und vorher beginnt auch die Pausenzeit nicht.“

Auf das Befinden der Pferde wird an diesem Sonnabend ein besonderes Augenmerk gelegt. Denn das, was sie zu bewältigen haben, ist alles andere als ein Spaziergang. Beim Distanzritt „Durch die Griese Gegend“ in Stuck nehmen die Tiere gemeinsam mit ihren Reitern Strecken von 40 bis 160 Kilometern in Angriff.

Seit 1996 gibt es Distanzritte in Stuck. Die pferdebegeisterte Familie Angelbeck hatte sie hier etabliert, nachdem sie in den Eldenaer Ortsteil gezogen war. Erst hielten Elke und Claus Angelbeck die Fäden der Organisation in der Hand, vor vier Jahren übernahmen die Töchter Vivien und Wiebke das Zepter. „Beim Distanzreiten geht es darum, gemeinsam mit dem Partner Pferd gesund die Strecke zu meistern“, erklärt die 40-jährige Wiebke, die selbst als Distanzreiterin aktiv ist, ihr Pferd diesmal aber mit einer Freundin an den Start schickte. „Die 160 Kilometer sind vergleichbar mit einem Marathon. Nicht jedes Pferd kann das.“ Zudem müssen die Tiere mindestens sieben Jahre alt sein.

Wer an einem Tag mehr als 100 Kilometer reiten möchte, muss früh raus. Katharina Witt ist schon um 3.30 Uhr aus ihrem „Bett“ im Pferdeanhänger gekrochen. „Damit ,Coco’ rechtzeitig Futter bekommt“, erklärt die 29-Jährige. Um fünf Uhr ist sie dann auf die 121-Kilometer-Strecke gegangen. Jetzt ist es kurz nach 8 Uhr. Pferd und Reiter machen Pause – die erste von mehreren vorgeschriebenen. Während Wiebke Angelbeck das Feld für die 61 Kilometer auf die Strecke schickt, versorgt Katharina Witt ihr Pferd mit Wasser und „Müsli“, einer Mischung unter anderem mit Mais, Luzerne, Hafer und Gerste, und gönnt sich selbst ein Brötchen. Vor fünf Jahren hatte die junge Frau aus Goldenitz/Warlitz mit dem Distanzreiten angefangen. Inzwischen ist sie schon zweifache Landesmeisterin. „Ich bin gern mit Pferden unterwegs und finde es so entspannter als Dressur- oder Springturniere“, erklärt die junge Mutter. In Stuck ist sie immer gern dabei. „Es reitet sich hier schön, weil es nicht so viel über harte Böden geht.“

Die Strecken, die Wiebke Angelbeck in den Tagen zuvor zwischen Karstädt, Bockup, Wanzlitz und Eldenburg (Prignitz) markiert hatte, führen über Waldwege, an Wiesen entlang und über große abgeerntete Felder. „Für Reiter aus anderen Regionen ist es ein Erlebnis, über diese endlosen Felder zu reiten“, so Wiebke Angelbeck. Und so kommen viele Teilnehmer immer wieder. Diesmal sind es mehr als 50 Starter – Reiter und auch Fahrer, die mit Pferd oder Pony und Sulky unterwegs sind. Die Letzten werden erst am Abend das Ziel auf der Wiese bei Stuck erreichen. Dann sitzen die anderen schon an Grill und Lagerfeuer. „Die Ankommenden werden dann aber auf den letzten Metern von Fackelschein begleitet“, sagt Wiebke Angelbeck und ist schon wieder verschwunden. Sie muss Wasser für die Pferde zum nächsten Pausenpunkt bringen. Einer der insgesamt drei Tierärzte ist schon dort, um die eintreffenden Pferde wieder zu untersuchen. „Wir kontrollieren Herzschlag, Gangbild, Wasserhaushalt, Darmgeräusche und mehr“, so Christian Dreker. Nur wer von ihm oder seinen Kollegen den guten Zustand des Pferdes auf der Starterkarte bescheinigt bekommt, darf den nächsten Abschnitt in Angriff nehmen.

Katharina Witt hofft, dass sie gegen 20 Uhr zurück ist. „Aber genau weiß man das nie“, sagt die 29-Jährige, als sie „Coco“ wieder sattelt. Seit der Puls der Stute auf die geforderten 64 Schläge gesunken war und die Pausenuhr zu laufen begann, sind 40 Minuten vergangen. Nun darf es weitergehen.

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