Ludwigslust : Manchmal hilft Beratung

Beim SVZ-Gespräch sitzen die Mitarbeiterinnen von Pro Familia zur Abwechslung selbst auf der Beratungscouch: (v. l.) Eva-Marie Menz-Georgi, Melanie Eichler und Urte Schuldt.
Beim SVZ-Gespräch sitzen die Mitarbeiterinnen von Pro Familia zur Abwechslung selbst auf der Beratungscouch: (v. l.) Eva-Marie Menz-Georgi, Melanie Eichler und Urte Schuldt.

Pro Familia berät im gesamten Landkreis zu allen Fragen im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Familie und Sexualität

svz.de von
20. November 2015, 17:28 Uhr

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen.“ Dieses afrikanische Sprichwort zitiert Sozialpädagogin Eva-Marie Menz-Georgi gern. Die 58-Jährige arbeitet in der Beratungsstelle von Pro Familia in der Schweriner Straße 38, zusammen mit Melanie Eichler, der Leiterin der Einrichtung für den gesamten Landkreis, und Urte Schuldt, die alle Beratungssuchenden in Empfang nimmt. „Die jungen Frauen denken heute oft, sie müssen alles alleine schaffen“, erzählt Menz-Georgi. „Meist haben sie ja auch nicht ihre Eltern oder Geschwister vor Ort. Früher konnte man als frisch gebackene Mutter einfach zu seiner eigenen Mutter gehen und fragen, wenn man etwas in dieser vollkommen neuen Lebenssituation nicht wusste.“

„Fragen werden vom sozialen Umfeld häufig als Schwäche ausgelegt“, weiß auch Melanie Eichler. Sie beobachtet, dass der Druck von außen auf Eltern und Kinder in den letzten Jahren gewachsen ist. Es gebe sehr große Erwartungshaltungen, wie man als Mutter, Vater, Kind zu sein habe. Dementsprechend sei „die Sucht nach Diagnose“ groß. Weil alle nur damit beschäftigt seien, den Ansprüchen von Schwiegermüttern, Omas oder Freunden zu entsprechen, habe kaum noch jemand ein Gefühl für die eigene Intuition, meint die Erziehungswissenschaftlerin und Therapeutin. Die Leute kämen in die Beratungsstelle und fragten: „Was soll ich tun?“

„Das können und wollen wir aber nicht beantworten“, erläutert Eichler. „Wir geben alle notwendigen Informationen zu gesetzlichen Regelungen und finanziellen Hilfen für Schwangere und Familien. Aber vor allem versuchen wir mit unseren Klienten herauszufinden, was sie selbst wollen.“ Nur für die Schwangeren, die sich im Konflikt mit ihrem Zustand befänden und die eigentlich abtreiben wollen, stehe die Entscheidung meist schon fest.

Dieser Beratungsbaustein ist der Hauptgrund, warum Pro Familia vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Denn der sogenannte Abtreibungsparagraph 218 schreibt vor, dass ein Schwangerschaftsabbruch nur straffrei bleibt, wenn sich die betroffene Frau zuvor in einer zertifizierten Einrichtung beraten lässt.

„Entsprechend unserem Credo sind diese Beratungen absolut ergebnisoffen“, sagt Melanie Eichler. „Wir wollen den Frauen auf keinen Fall vorschreiben, was sie tun sollen.“ Es gäbe natürlich auch immer wieder Frauen, die sich nach einer Beratung doch für das Kind entschieden. „Aber die hatten diesen Wunsch schon vorher tief in sich und wir haben ihn nur freigelegt“, glaubt die 33-Jährige Ludwigslusterin. Die hauptsächliche Arbeit bestehe jedoch in der Beratung von Schwangeren mit Kinderwunsch sowie Paar- und Scheidungsberatungen.

„Wir führen auch regelmäßig Informationsveranstaltungen zu Sexualität, Liebe und Partnerschaft in Kindergärten und Schulen durch“, so Eichler. Da werde sie auch schon mal gefragt, ob man schwanger werden würde, wenn die Pille in der Mikrowelle war, erzählt sie lachend.

Ab dem 6. Januar 2016 können sich übrigens junge Mütter und Väter mit ihren Kleinen in einer Krabbelgruppe treffen. Anmeldungen nimmt Frau Menz-Georgi unter der 03874 47205 entgegen.

Denn manchmal hilft es auch, sich einfach mit anderen auszutauschen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen