Neustadt-Glewe : Manche mögens blutig

Arbeitet ihre Nachfolgerin ein: Bibo-Leiterin Monika Haase (r.) gibt Juliane Kablau Tipps am Computer.
Arbeitet ihre Nachfolgerin ein: Bibo-Leiterin Monika Haase (r.) gibt Juliane Kablau Tipps am Computer.

Monika Haase kennt die Vorlieben ihrer Leser genau. Nach 43 Jahren in der Bibliothek Neustadt-Glewe geht sie in den Ruhestand

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05. Dezember 2018, 12:00 Uhr

„Ein Land ohne Bibliotheken ist wie ein Gemeinwesen ohne Habe, ein Garten ohne Pflanzen, eine Wiese ohne Blumen, ein Baum ohne Blätter.“ (Horst Köhler, Bundespräsident a. D.)

„Hier musst du den Barcode eingeben“, erklärt Monika Haase ihrer neuen Kollegin am Computer. Wobei „neue Kollegin“ nur zum Teil stimmt. Denn Juliane Kablau wird in wenigen Tagen die neue Leiterin der Stadtbibliothek Neustadt-Glewe sein – wenn Monika Haase am 13. Dezember in den Ruhestand geht.

Noch aber ist Monika Haase da, arbeitet derzeit ihre Nachfolgerin ein. 43 Jahre war Monika Haase Leiterin der Bibo in Neustadt. „Als ich angefangen habe, war an Computer natürlich noch nicht zu denken. Da waren Stift und Papier gefragt“, erinnert sich Monika Haase. Heute werden zum Beispiel Schlagwörter und erwähnter Code in den Computer eingegeben.

Ob sie denn angesichts des Abschieds vom Beruf nun eher mit einem lachenden oder doch einem weinenden Auge gehe. „Manchmal lache ich mehr, manchmal weine ich“, schmunzelt sie. „Auf jeden Fall werde ich jetzt mehr Zeit haben, um mit meinem Mann zu reisen. Zuerst gehts mal an die Ostsee, im März nach Ägypten“, freut sich die künftige Rentnerin. Und mehr Zeit für die Enkel sei dann auch endlich.

Zum anderen sind da die Frauen und Männer, die Stammleser, von denen sehr viele „am liebsten Krimis mögen“, wie Monika Haase aus über vier Jahrzehnten Berufserfahrung in Neustadt-Glewe weiß. „Da kann es dann im Buch auch ruhig mal etwas blutig zugehen. Und mancher fragt dann auch schon mal nach, ob das, was im Buch beschrieben ist, denn auch wirklich passiert ist“, schmunzelt Monika Haase. Das alles werde ihr künftig sicher fehlen.

Unverständlich seien ihr Gedanken, die hier und da immer wieder mal auftauchen, dass Bibliotheken wegen Geldmangels keine freiwilligen Leistungen der Kommunen mehr sein sollen. Deshalb beherzige sie auch das eingangs erwähnte Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. „Eine Bibliothek ist immer auch ein Treffpunkt für die Leute, egal ob jung oder alt. In ein Amt müssen die Menschen kommen, um etwas zu beantragen, in die Bibliothek kommen sie freiwillig“, so Monika Haase.

Sie wisse schon jetzt, sagt sie, dass ihr die Kinder aus Kitas und Schule fehlen werden. „Das Leuchten der Augen, wenn ich den Kleinen vorgelesen oder Bilder gezeigt habe, das war für mich immer mit das Schönste in diesem Beruf“, sagt Monika Haase, die auch versichert: „Wenn ich mal gebraucht werde, helfe ich gerne.“

Für Juliane Kablau sicher keine leichte Aufgabe, in der Bibo die Nachfolge anzutreten. Das nötige Rüstzeug hat sie sich in ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste mit Fachrichtung Bibliothek angeeignet. Allerdings war die heute 28-Jährige, die aus einem Ort bei Wittenburg stammt, zuletzt „fremd“ gegangen und hatte in einem Unternehmen im Logistikbereich gearbeitet. „Als ich in diesem Jahr las, dass in Neustadt-Glewe die Stelle als Bibo-Leiterin frei wird, habe ich mich beworben – und es hat geklappt.“

Sie wolle die bisherigen Projekte in der Bibliothek fortsetzen, sicher auch Neues probieren. Zunächst einmal aber ist sie Monika Haase dankbar für Tipps und Hinweise – sowohl technischer Art als auch in Bezug auf die Vorlieben der Leser.

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