Ludwigslust : Mal Jobs, mal Fachkräfte gesucht

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Monika Abraham hat das Arbeitsamt in Ludwigslust von der ersten Minute an mit aufgebaut – jetzt geht sie in den Ruhestand

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03. März 2018, 12:00 Uhr

Die Schlecht-Wetter-Variante für ihren Ruhestand hat Monika Abraham bereits gefunden. Über ihre Zeit bei der Agentur für Arbeit will sie ein Fotoalbum zusammenstellen. Bilder gibt es reichlich. Schließlich hat Monika Abraham das Arbeitsamt Ludwigslust von der ersten Minute an mit aufgebaut. Nach knapp 30 Jahren geht sie jetzt in den Ruhestand.

Fast ihr ganzes Berufsleben lang war Monika Abraham auf der Suche – mal auf der Suche nach Arbeitskräften für Firmen, mal auf der Suche nach Firmen für Jobsuchende. Nur ihre allerersten beruflichen Erfahrungen sammelte die Wirtschaftsjuristin in anderem Metier. Als Justiziarin in der LPG Lenzen. Eine Zeit, die sie sehr geprägt habe. „Es war meine erste Arbeitsstelle, wo ich von den Kollegen viel gelernt habe. Dort haben wir gelebt, als unsere Tochter geboren wurde“, sagt Monika Abraham. „Dort hatten wir bis vor Kurzem unseren Garten.“

Beim Amt für Arbeit des Rates des Kreises Ludwigslust begann 1984 dann die Suche. „Wir haben nach Fachkräften für Projekte gesucht“, erinnert sich die Techentinerin. „Für den Braunkohleabbau, für die Trasse in der Sowjetunion, für die Saison in der Landwirtschaft.“ Mit der Wende wurde Monika Abraham dann Leiterin des entstehenden Arbeitsamtes nach bundesdeutschem Vorbild. „Wir waren 40 Leute, die aus allen Abteilungen zusammengezogen worden waren, und saßen zuerst im Erdgeschoss des Rates des Kreises, heute die Alexandrinenresidenz“, erinnert sich die 63-Jährige. „Wir wurden ins Ungewisse gestoßen, haben das aber angenommen, weil wir alle in Aufbruchstimmung waren.“ In der Baracke in der Neuen Torstraße hatte das Arbeitsamt dann endlich mehr Platz. „Für uns, unsere Arbeitsmittel und die Besucher“, so die damalige und heutige Chefin. „Aber das Gebäude war sehr hellhörig. „Wenn man vorn jemanden gerufen hat, war das bis hinten zu hören.“ Qualifiziert wurden die Mitarbeiter im laufenden Betrieb durch „Einarbeiter“ aus den alten Bundesländern.

Der Aufbau des Arbeitsamtes sei die aufregendste Zeit in ihrem Berufsleben gewesen. „Keiner wusste, was auf uns zukommt, und es war auch nicht immer einfach“, so Monika Abraham. „Es gab Menschen, die uns nicht wohlgesonnen waren, weil wir Arbeit hatten und sie nicht.“ Im ersten Monat waren 100 Arbeitslose registriert – damals noch auf Karteikarten, ein Jahr später schon über 1000.

Zu Anfang ging es vor allem darum, Qualifizierungsangebote und den zweiten Arbeitsmarkt aufzubauen. „Dafür musste man die richtigen Partner finden“, sagt Monika Abraham. „Aber ob Bürgermeister oder Unternehmen, ob Bildungsträger oder Verein – alle haben mitgezogen. Und nicht nur, weil sie Geld verdienen, sondern weil sie für die Menschen etwas tun wollten. Dafür bin ich noch heute dankbar.“ Jede gelungene Aufgabe, jedes durchfinanzierte Projekt habe sie glücklich gemacht. Und die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern im Haus. „Wir haben immer als Team gemeinschaftlich an unseren Zielen gearbeitet“, sagte Monika Abraham, die sich selbst als erfolgsorientiert bezeichnet.

Auch wenn sie nach eigener Aussage bis zum letzten Tag mit ihrer Arbeit zufrieden war, geht Monika Abraham jetzt gern. „Die Freude, dass wir zu unserer Tochter ziehen, überwiegt.“ In Olching bei München haben sie und ihr Mann eine Wohnung gefunden. Am 14. März, schon einen Tag nach Monika Abrahams letztem Arbeitstag, rollt der Umzugswagen. „Dann feiern wir erst einmal gemeinsam den Geburtstag unserer Tochter“, sagt die 63-Jährige. Und lässt ein Kompliment für die Lindenstadt folgen. „Jetzt, wo wir gehen, wird einem erst bewusst, wie schön die Stadt Ludwigslust ist.“ Einen Dank an alle, die sie beruflich und privat begleitet haben, schließt Monika Abraham an.

Und dann blickt sie doch wieder voraus. „Mit dem Auto sind wir innerhalb einer Stunde in den Alpen“, sagt die 63-Jährige. „Da können wir künftig viel öfter Ski fahren – und wandern.“ Oben auf dem Berg zu stehen und nach unten auf die weiße Landschaft vor blauem Himmel zu schauen, sei für sie das Allerschönste.

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