zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

17. Dezember 2017 | 18:54 Uhr

Ludwigslust : Magier der Linsen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ausstellung „Nahe Ferne Welt“ von Tierfotograf Wolf Spillner im Gelben Salon in Ludwigslust eröffnet

svz.de von
erstellt am 07.Mai.2016 | 05:12 Uhr

„Wolf Spillners Werke laden zum Schauen ein. Sie sind immer mehr, als der erste schöne Schein. Wenn man sie etwas länger und genauer betrachtet, hinter die Oberfläche blickt, kann man gewisse Details erkennen, die sehr zu würdigen sind“, stellt die Schriftstellerin Jutta Schlott begeistert fest. Sie steht neben dem Kinderbuchautor und Tierfotografen Wolf Spillner in der kleinen Ludwigsluster Kunstgalerie „Gelber Salon“.
Anlässlich Spillners diesjährigen 80. Geburtstages eröffnete der Mann, der die Welt durch Brennweiten, Blenden und Linsen beobachtet und in Fotos Momentaufnahmen von einzigartiger Schönheit schafft, am Mittwochabend seine Ausstellung „Ferne nahe Welt“. Sie zeigt um die 40 Tierfotografien.

An diesem lauen Frühlingsabend herrscht reger Andrang in dem kleinen Raum. Etwa 70 Besucher sind gekommen, um sich an dem Eingefangenen an Fauna und Flora zu erfreuen. Natürlich auch in der Hoffnung, mit dem Fachmann ein paar Worte wechseln zu können. „Wie viel Disziplin, Selbstvertrauen und Unerschrockenheit sind nötig, damit wir uns an diesen Bildern erfreuen können?“, wirft Jutta Schlott die Frage in den Raum. Viele Besucher nicken zustimmend, während sie ihre Blicke entlang der farbigen Fotografien schweifen lassen. „Ich habe selten etwas so Schönes über mich gehört. Manches ist sogar wahr“, stellt Spillner nach den lieben Worten unbekümmert fest und bringt damit auf ganz charmante Art und Weise seine Gäste zum Lachen. „Diese Ausstellung widme ich meiner Frau, Astrid Kloock“, betont er. Sie sei ihm stets eine Stütze.

Sein Werk „Anbetung der geweihförmigen Holzkeule“ wirft bei vielen Besuchern Fragen auf. Spillner beantwortet sie alle geduldig und schüttelt sein Expertenwissen nur so aus dem Ärmel. „Das, was Sie hier auf dem Foto sehen, sind 18 bis 25 Millimeter große Pilze. Ich habe diese Bilder wie ein Altar angeordnet, um auch mal zu zeigen, dass die kleinsten Dinge, anbetungswürdig sind“, verrät er. Diese Gewächse habe er sogar im hiesigen Schlosspark entdecken können.

Spillners Motive stammen größtenteils aus Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch aus entfernteren Orten wie Jakutsk. „An dem Fluss namens Olenjok, der übrigens auf Platz 16 der größten der Welt steht, habe ich das Foto von Fliegenaugen gemacht. Ich habe sie dafür extra mit meinem Blut angelockt“, erinnert sich der 79-jährige Fotograf. Er habe in den zirka 60 Jahren, in denen er seiner Leidenschaft schon nachgehe, oft viel Geduld aufbringen müssen. „Manche Tiere habe ich zwei bis drei Jahre lang beobachtet. Ihr Verhalten studiert und versucht zu verstehen, wie sie miteinander kommunizieren“, beschreibt er im SVZ-Gespräch.

Schon von Kindheitsbeinen an liebe er es, Tiere zu fotografieren. „Ich bin in der Lüneburger Heide in einem Haus ohne fließendes Wasser aufgewachsen. Da ist man der Natur sehr nahe“, erklärt der Wahl-Ludwigsluster weiter. Bereits in den Fünfziger-Jahren habe er für eine Jugendzeitung „Der kleine Tierfreund“ geschrieben und fotografiert. Da habe er sein Handwerk erlernen und ausbauen können.

Auch Hendrik Wegner, Vorsitzender des Kunst- und Kulturvereins „Kukululu“, ist von der Ausstellung beeindruckt: „Diese Werke sind eine bunte Vielfalt und sie sind es immer wieder wert, gezeigt zu werden“, sagt er.

Spillner selbst findet jedoch, dass rückblickend gesehen, seine Arbeiten in einem „guten Mittelmaß“ lägen. Freunde sowie Bekannte, die in diesem Augenblick um ihn herum stehen und diesen Satz mithören, schmunzeln nur.

Fast alle sind sich einig, ohne Spillner schmeicheln zu wollen, dass seine Werke, die eines Meisters seien. Dass man seinen eingefrorenen Lebensbildern tatsächlich nicht die Mühsal und den Schweiß ansieht, die sie sicherlich gekostet haben, macht die Leichtigkeit des Betrachtens aus. Lässt den Laien ehrfürchtig den Hut ziehen vor einem Fotografen, dem es mit ganz viel Herzblut gelingt, die Natur als einen magischen Ort erlebbar zu machen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen