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Ludwigsluster Tageblatt

21. September 2017 | 00:04 Uhr

Hagenow : Männercoaching auf der Kegelbahn

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Kursangebot der Fortbildungsakademie der Wirtschaft und des Jobcenters soll Unterstützung bei der beruflichen Integration geben

von
erstellt am 09.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Silvio Tefke, Roland Möller und Andreas Ziaja greifen zur Kugel, verfolgen ihren Weg bis die Kegel fallen. Männer beim Kegeln – eigentlich nichts Besonderes. Aber die Gruppe, die sich gestern auf der Bahn in der Hagenower Augustenstraße traf, gehört zu einem besonderen Projekt, das es in dieser Form erst seit Juni 2016 gibt: Männercoaching. Es ist ein Kursangebot der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH in Kooperation mit dem Jobcenter des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Gedacht für Langzeitarbeitslose, für Alleinstehende, aus der Haft Entlassene, Obdachlose, für Männer mit gesundheitlichen Einschränkungen. „Das Männercoaching läuft in zwei Gruppen“, so Reik Möller von der FAW. „Uwe Mergel betreut 20 Leute in Ludwigslust, hier in Hagenow sind es zwölf. Es ist wichtig, sie wieder in das Leben, in den Alltag zu integrieren. Wir haben dieses Projekt initiiert, weil es großen Bedarf gibt.“ Diese Klientel lebe weitab vom Arbeitsmarkt, habe gesundheitliche Probleme, befinde sich in sozialer Isolation. „Und aus dieser wollen wir die Männer herausholen, dabei ist ein wichtiger Part, eine gesunde Lebensweise mit Bewegung zu verbinden. Dazu dienen auch solche sportlichen Veranstaltungen.“

Silvio Tefke aus Dömitz ist schon seit Beginn des Projekts dabei. „Das Kegeln gefällt mir, es macht Spaß, hier in der Gruppe Sport zu treiben. Jede Woche gibt es dazu noch Billard und Darts. Zudem bin ich noch extremer Radfahrer“, schmunzelt der 41-Jährige, der schon lange Arbeit suchend ist. Über das Jobcenter ist der ALG-II-Empfänger auch in dieses Projekt vermittelt worden.

Anders dagegen ist es bei Heiko Stern aus Karstädt. Der 49-Jährige macht freiwillig bei diesem Projekt mit. Er ist ein Reha-Fall und ebenfalls schon lange ohne Job. Auch er hat den Auftakt im Juni 2016 miterlebt. „Es sind die sportlichen Angebote, die mir gefallen. Was für mich besonders zählt, ist die Geselligkeit, einige aus der Gruppe kannte ich schon von früher.“

Für die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) war der Start zu diesem Projekt auch eine Premiere, so Reik Möller. Der Kurs läuft von Juni 2016 bis Dezember 2017. Nach eineinhalb Jahren ist auch eine Verlängerung möglich. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds.

André Prielipp möchte das sportliche Angebot erweitern. „Wir wollen über das Männercoaching eine allgemeine Sportgruppe bilden und unter dem Dach unseres Vereins laufen lassen“, so der Abteilungsleiter Fußball des Hagenower SV. „Ich denke, das ist für alle Beteiligten eine gute Sache.“

Neben Sport und Geselligkeit spielt auch die psychologische Beratung der Klienten im Männercoaching eine große Rolle. Eine Aufgabe für Jörg Behlke. „Die Männer leben oft schon lange allein, ein großer Teil von ihnen weist Krankheitsbilder auf, von Suchterkrankung über Essstörungen bis hin zu Depressionen. In der Beratung geht es darum, sie darüber aufzuklären und Lösungsvorschläge anzubieten.“ Es sei wichtig, die Männer wieder am Leben teilhaben zu lassen, das hat auch viel mit sportlichen Aktivitäten zu tun. Jörg Behlke: „Die Gemeinschaft in der Gruppe zu entwickeln, den Männern zu zeigen, wie attraktiv Gemeinschaft sein kann, das ist unser Auftrag und dabei wollen wir sie unterstützen.“

Neben dem Sport ist auch die gesunde Ernährung ein wichtiger Faktor im Kurs. „Die Männer kochen auch zusammen“, so FAW-Mitarbeiter Reik Möller. „In Hagenow haben wir eine eigene Küche, für die Gruppe in Ludwigslust mieten wir uns eine Küche samt Koch. Und wir schauen auch, wer sich von ihnen in soziale Projekte einbringen und an Praktika teilnehmen kann. Um die Kursteilnehmer wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen und ihnen einen festen Platz in der Gesellschaft zu geben.“

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